
Disney setzt auf Gamification: So treibt der Konzern die KI-Nutzung voran
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Die Walt Disney Company forciert die Nutzung künstlicher Intelligenz (KI) unter ihren Mitarbeitern mit einer Mischung aus Gamification, Leistungsüberwachung und direkten Manager-Check-ins. Ziel ist es, die Investitionen in KI-Tools effektiv in die tägliche Arbeit zu integrieren und die Produktivität zu steigern.
Gamifizierte KI-Nutzung bei Disney
Disney hat verschiedene Strategien implementiert, um die Akzeptanz von KI-Tools bei seinen Mitarbeitern zu fördern. Dazu gehört die Einführung eines "AI Adoption Dashboards", das für bestimmte Tech-Mitarbeiter zugänglich ist. Dieses Dashboard gamifiziert die Nutzung durch "Meilensteine" und "Streaks", ähnlich der Funktion von Snapchat.
Mitarbeiter können virtuelle Abzeichen verdienen und "Streaks" freischalten, basierend auf der Anzahl aufeinanderfolgender Arbeitstage, an denen sie KI-Tools wie Claude oder Cursor nutzen. Ein 10-Tage-Streak gilt als "ungewöhnlich" (von etwa 12 % der Nutzer erreicht), ein 20-Tage-Streak als "selten" (weniger als 5 %) und ein 30-Tage-Streak als "episch" (2 %). Es gibt auch einen "Max Vibes"-Meilenstein für Nutzer, die "ROIs und Max Vibes liefern", dessen genaue Bedeutung jedoch unklar ist.
Das "AI Adoption Dashboard" im Detail
Das "AI Adoption Dashboard" verfolgt die KI-Nutzung über Coding-Tools wie Claude von Anthropic und Cursor. Es zeigt die Anzahl der aktiven KI-Nutzer, die Anzahl der gestellten Anfragen und die verbrauchten "Tokens" – die grundlegenden Dateneinheiten, die von KI-Modellen verarbeitet werden. Einige Mitarbeiter bezeichnen das Dashboard als "Leaderboard", da es die aktivsten Nutzer nach Anfragen und Token-Verbrauch auflistet.
Einige KI-Power-User nutzen Chatbots wie Claude und Cursor Hunderttausende Male pro Woche, oft durch den Einsatz von KI-Agenten und sogenannten "Agent Swarms". Ein Spitzenreiter unter den Claude-Nutzern verbrauchte beispielsweise 234,2 Millionen Tokens nach etwa 460.600 Aufrufen des Chatbots innerhalb von neun Arbeitstagen, was über 51.000 Aufrufen pro Arbeitstag entspricht. Insgesamt verbrauchten Produkt- und Tech-Mitarbeiter von Disney Entertainment und ESPN über neun Arbeitstage hinweg 3,1 Milliarden Claude-Tokens und 13,3 Milliarden Cursor-Tokens.
Herausforderungen und Kosten der KI-Integration
Obwohl Disney nicht direkt für hohe Nutzung oder Verschwendung anreizen möchte, sondern eine effiziente und effektive Anwendung fördern will, fühlen sich einige Mitarbeiter unter Druck gesetzt, "tokenmaxxing" zu betreiben. Dies bedeutet, eine hohe Anzahl von Tokens zu verbrauchen, da dies von einigen Tech-Mitarbeitern als Zeichen von Können oder Kompetenz angesehen wird.
Die geschätzten Kosten für die KI-Nutzung belaufen sich auf etwa 1 US-Dollar pro 16.700 Claude-Tokens und 1 US-Dollar pro 21.200 Cursor-Tokens. Basierend auf den Dashboard-Daten könnten die geschätzten Kosten für Disney für die genannten neun Arbeitstage bei etwa 185.000 US-Dollar für Claude und 627.000 US-Dollar für Cursor liegen. Experten wie Val Bercovici von WEKA halten diese Raten für angemessen, weisen aber darauf hin, dass Tokens ein unvollkommenes Maß für reale Kosten sind, da Preise je nach Anfrage und Modell variieren können.
Mitarbeiterperspektiven und Unternehmenskultur
Die Akzeptanz der KI-Tools ist innerhalb der Organisation ungleichmäßig verteilt. Manager führen "Check-in"-Gespräche mit Mitarbeitern, die KI-Tools selten nutzen, um sicherzustellen, dass jeder "ausgestattet und unterstützt" wird, um echten Mehrwert aus den Investitionen zu ziehen. Ein Manager fragte einen Software-Ingenieur nach den folgenden Details:
- Welche KI-Tools aktuell verfügbar sind
- Wie sie genutzt werden – oder was den Start erschwert hat
- Aufgetretene Barrieren (Fähigkeiten, Workflow-Passung, Vertrauen in die Ergebnisse, unklare Richtlinien etc.)
- Was die regelmäßige Nutzung erleichtern würde
Vier Disney-Tech-Mitarbeiter berichteten, dass das Unternehmen sie zunehmend zur Nutzung von KI drängt, insbesondere beim Programmieren. Ein Software-Ingenieur sagte: "Kein handgeschriebener Code – das war der Anstoß." Er habe seit Monaten keinen Code mehr von Hand geschrieben. Obwohl einige Mitarbeiter die Produktivität durch KI gesteigert sehen, fühlen sie sich weiterhin "in Arbeit begraben".
Blick in die Zukunft der KI bei Disney
Disneys Ansatz spiegelt einen breiteren Branchentrend wider, bei dem Unternehmen wie Meta und JPMorgan ebenfalls interne Dashboards zur Verfolgung der KI-Nutzung einsetzen. Die KI-Strategie des Unternehmens wurde zuvor als "oberste Priorität" eingestuft. Mit Josh D'Amaro als neuem CEO der Walt Disney Company, der Bob Iger ablöst, wird er entscheiden müssen, wie das Unternehmen in Zukunft mit KI arbeitet.
Die internen Tools wie das "AI Adoption Dashboard" werden voraussichtlich eine zentrale Rolle dabei spielen, wie Organisationen die Integration von KI messen und steuern. Die Flexibilität bei Nutzungslimits und die Bereitstellung zusätzlicher Kapazitäten bei Bedarf deuten darauf hin, dass Disney die Skalierung der KI-Anwendung aktiv vorantreibt.