Drohnenbedrohung: Westliche Unternehmen können nur zusehen, nicht stoppen

Drohnenbedrohung: Westliche Unternehmen können nur zusehen, nicht stoppen

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Die zunehmende Bedrohung durch kleine Drohnen stellt zivile und unternehmerische Organisationen im Westen vor ein Dilemma: Obwohl die Gefahr wächst, gibt es kaum Möglichkeiten, diese unbemannten Flugobjekte aktiv abzuwehren. In den USA und Europa ist es Privatpersonen und Unternehmen selten gestattet, eine Drohne abzuschießen oder zu stören, selbst wenn sie über dem eigenen Grundstück fliegt und als Bedrohung wahrgenommen wird. Die einzige Option bleibt oft das Beobachten.

Rechtliche Hürden und die Rolle der Detektion

Die Gesetzeslage in westlichen Ländern erlaubt es privaten Akteuren in der Regel nicht, auf Drohnen einzuwirken. Dies betrifft sowohl das physische Abschießen als auch das elektronische Stören mittels Jamming-Technologien. Seth Krummrich, ein pensionierter US-Armeeoberst und Vizepräsident für Risikomanagement bei der Beratungsfirma Global Guardian, rät seinen Klienten dringend, ihre Anfälligkeit für Drohnenbedrohungen zu prüfen.

Als Reaktion auf diese Einschränkungen wenden sich viele westliche Unternehmen und Sicherheitsfirmen Drohnendetektoren zu. Diese Geräte können lediglich die Anwesenheit einer Drohne in der Nähe melden. Diese Information ermöglicht es einem zivilen Sicherheitsteam, die lokalen Behörden zu kontaktieren und so auf eine potenzielle Bedrohung zu reagieren.

Steigende Nachfrage nach Drohnendetektoren

Hersteller und Sicherheitsberater berichten von einem stetigen Anstieg der Nachfrage nach Drohnendetektoren in den letzten vier Jahren, insbesondere seit Beginn des US-israelischen Krieges mit dem Iran. Borys Budeianskyi, stellvertretender Direktor von Blue Bird Tech, einem ukrainischen Unternehmen, das den beliebten Chuika 3.0 Detektor herstellt, verzeichnete in den letzten sechs Monaten einen fast zehnfachen Anstieg der Anfragen.

Der Chuika 3.0 ist ein handliches Gerät, das Signale über drei Funkfrequenzbereiche bis zu 2,4 Meilen (ca. 3,9 km) weit erkennen kann und etwa 1.800 US-Dollar kostet. Angesichts der hohen Nachfrage plant Blue Bird Tech, die Produktion in die USA oder nach Europa auszuweiten. Budeianskyi merkt an, dass Drohnendetektion vor einigen Jahren noch ein Nischenbedarf war, sich aber heute die FPV-Bedrohungen (First-Person View) schnell verbreitet haben und Kunden weltweit die Notwendigkeit dieser Technologie erkannt haben.

Anwendungsbereiche und Käufer

Die Kunden für Drohnendetektoren sind vielfältig. Typischerweise gehören dazu größere Unternehmen wie Öl- und Gasfirmen, Veranstalter großer Sportevents oder Betreiber kritischer Infrastrukturen wie Flughäfen. Auch einige Strafverfolgungsbehörden erwerben diese Systeme.

Mit der zunehmenden Popularität von Drohnen kaufen jedoch auch immer mehr wohlhabende Privatpersonen diese Detektoren. Ivan Frankiv, Mitbegründer von Kara Dag, einem ukrainisch-amerikanischen Drohnentechnologiehersteller, berichtet von zahlreichen Bestellungen von VIP-Sicherheitsfirmen und Bodyguards. Yachtbesitzer und königliche Familien fragen regelmäßig nach den Detektoren von Kara Dag, die darauf ausgelegt sind, den Video-Feed einer FPV-Drohne auszuspionieren.

Weitere Anwendungsbereiche umfassen:

  • Gefängnisse: Shawn Doble, ein pensionierter US-Polizeichef und Sicherheitsberater, erwähnt, dass Gefängnisse den Einsatz von Detektoren in Betracht ziehen, um die Lieferung von Schmuggelware wie Mobiltelefonen mittels Drohnen zu unterbinden.
  • Landwirtschaft: Ash Alexander-Cooper, Vizepräsident bei DeDrone (Axon), berichtet von Landwirten, die Diebstahl befürchten. Kriminelle Banden nutzen Drohnen, um teure Landmaschinen auszuspähen und diese dann nachts zu stehlen.
  • Wildschutz: In Afrika setzen Anti-Wilderer-Teams Drohnendetektoren ein, um zu verhindern, dass Wilderer Drohnen nutzen, um Herden oder gefährdete Arten zu lokalisieren und die Bewegungen der Schutzteams zu überwachen.

Drohnen als asymmetrische Bedrohung

Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten haben das Profil kleiner Drohnenbedrohungen geschärft. Stanislav Baldyn von den staatlichen Rettungsdiensten in der Region Donezk berichtet, dass ukrainische Feuerwehrautos seit geraumer Zeit mit Detektoren ausgestattet sind. Russische Drohnen haben seine Teams und Ausrüstung in den letzten vier Jahren über 100 Mal angegriffen. Obwohl Detektoren eine Drohne nicht neutralisieren können, verschaffen sie den Rettungskräften "ein kleines Zeitfenster", um Fahrzeuge zu evakuieren und Deckung zu suchen.

Die Proliferation unbemannter Luftfahrtsysteme (UAS) hat die taktische und strategische Kalkulation auf dem modernen Schlachtfeld grundlegend verändert. Hoch zugängliche und kostengünstige Technologien nutzen Schwachstellen technologisch überlegener Gegner aus. Stark modifizierte kommerzielle Drohnen und speziell entwickelte Loitering Munitions können herkömmliche Luftverteidigungsnetze umgehen und unverhältnismäßigen strategischen, psychologischen und wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Die "Sechste Domäne" der Kriegsführung

Die Integration von UAS in moderne Kampfoperationen hat eine grundlegende Verschiebung der menschlichen Kräfte bewirkt. Die "Kill Chain", der militärische Prozess zur Durchführung eines Angriffs, wurde durch Echtzeit-Video-Feeds von FPV-Drohnen, die direkt mit Artillerie- oder Infanterieeinheiten verbunden sind, auf wenige Minuten verkürzt.

Experten sprechen von einer "Sechsten Domäne" der Kriegsführung, die über Land, See, Luft, Weltraum und Cyber hinausgeht. Diese neue Art des Konflikts ist nicht geografisch definiert, sondern zeichnet sich dadurch aus, dass autonome und vernetzte Systeme es Tausende von Dollar teuren Konsumelektronikgeräten ermöglichen, Millionen von Dollar teure konventionelle Waffensysteme zu zerstören. Verteidigungssysteme, die für Eins-zu-Eins-Konflikte konzipiert wurden, sind in dieser Domäne ineffektiv.

Ein Beispiel hierfür war die Operation "Spider's Web" am 1. Juni 2025, bei der der Sicherheitsdienst der Ukraine einen koordinierten Drohnenangriff tief in russischem Territorium durchführte. Über 150 kleine Angriffs-Drohnen umgingen die russische Luftverteidigung und trafen mehr als 40 hochwertige Flugzeuge, was 34 Prozent der strategischen Marschflugkörper-Lieferplattformen Russlands ausmachte. Andy Lowery, CEO von Epirus, bezeichnet dies als "physische Cyber-Attacke", bei der robotische und autonome Bedrohungen physische Verteidigungssysteme überfordern.

Herausforderungen für die westliche Verteidigung

Berater äußern Bedenken, dass die Drohnenbedrohungen die Möglichkeiten der Bürger im Westen, darauf zu reagieren, weit übertreffen. Ash Alexander-Cooper von DeDrone merkt an, dass selbst Länder mit klareren Gesetzen nicht immer mit der Bedrohung Schritt halten. So erlauben robustere Gesetze oft nur Funkfrequenz-Jamming, nicht aber GPS-Jamming, was bedeutet, dass eine vorprogrammierte Drohne ihr Ziel immer noch erreichen könnte.

Ivan Frankiv von Kara Dag berichtet, dass mindestens die Hälfte der Anfragen für Detektoren, die sein Unternehmen erhält, auf Ängste vor extremistischer Gewalt in Europa zurückzuführen sind. Er warnt: "Man kann 20 Kilometer weit mit einer Drohne fliegen, die fünf Kilogramm Sprengstoff aus dem Rucksack trägt. Man geht auf ein Feld oder ein Hochhaus, fliegt zu seinem Ziel und kommt sehr einfach davon."

In den USA sieht Seth Krummrich eine "riesige Lücke" in der zivilen und unternehmerischen Verteidigung gegen Drohnen. Er fordert, dass lokale und staatliche Strafverfolgungsbehörden Spezialisten ausbilden sollten, um kleine Drohnenbedrohungen zu stören oder abzufangen. Krummrich warnt, dass Gewaltverbrechen zunehmen werden, wenn Drohnen alltäglicher werden, und stellt die Frage, was die nächste Evolution von Schulschießereien sein wird: "Für mich ist es so offensichtlich wie meine Hand vor meinem Gesicht. Sie werden Drohnen benutzen."

Zukunftsaussichten und Warnungen

Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten zeigen, dass in einem großen bewaffneten Konflikt selbst die fortschrittlichsten Militärs nicht alle eingehenden Angriffe überall stoppen können. Justin Bronk, ein Luftwaffenexperte des Royal United Services Institute (UK), betont, dass "man niemals alles schützen kann". Die Verteidigung muss priorisiert werden, da es unmöglich ist, alles abzudecken – sei es aus systemischen, finanziellen oder personellen Gründen.

Douglas Barrie, ein Luftwaffenexperte bei IISS, fasst die Situation zusammen: Die Luftverteidigung ist "schwieriger geworden", da ballistische Raketen proliferieren, Kampfflugzeuge bestehen bleiben und nun auch riesige Mengen an Drohnen abgefangen werden müssen. Es ist ein "vertracktes Problem", das sich zunehmend manifestiert.

Erwähnte Persönlichkeiten