
Effiziente KI-Integration: Cozen O'Connors Antwort auf Pilot Fatigue
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Die Rechtsbranche erlebt eine wahre Flut an Angeboten von Technologie-Startups, die schnellere Recherche, effizientere Entwurfserstellung und höhere Margen durch Künstliche Intelligenz (KI) versprechen. Für Kanzleileitungen besteht die Herausforderung nicht mehr nur darin, nützliche Tools zu finden, sondern den Überfluss an KI-Software-Demos und Testphasen zu stoppen, die Zeit und Energie verschwenden.
Bei der Großkanzlei Cozen O'Connor hat dieses Problem einen Namen: "Pilot Fatigue". Andrew Woolfe, Chief Strategy and Innovation Officer der Kanzlei, verwendet diesen Begriff, um zu beschreiben, was passiert, wenn Organisationen ihre Mitarbeiter bitten, zu viele neue Produkte gleichzeitig zu testen.
Die Herausforderung der "Pilot Fatigue"
"Pilot Fatigue ist real", erklärte Woolfe in einem Interview mit Business Insider. Cozen O'Connor, eine Kanzlei mit über 1.000 Anwälten weltweit und einem Bruttoumsatz von rund 800 Millionen US-Dollar, ist ein bevorzugtes Ziel für Unternehmen, die KI-gestützte Tools anbieten. Das Problem verschärfte sich vor einigen Jahren, als große Sprachmodelle es Startups erleichterten, Legal Tech schnell zu entwickeln und Kanzleien anzubieten.
Softwareunternehmen lockten mit attraktiven Konditionen für Pilotprojekte, und Kanzleien, die nicht den Anschluss verlieren wollten, sagten einer wachsenden Zahl von Tools zu. Das Ergebnis war absehbar: Anwälte, die ohnehin schon überlastet waren, mussten noch mehr Zeit für das Testen von Software aufwenden.
Cozen O'Connors Strategie gegen Überforderung
Cozen O'Connor hat sich von der anfänglichen Welle des hektischen Testens gelöst und verfolgt nun einen disziplinierteren Ansatz bei der Durchführung von Pilotprojekten. Der Fokus liegt weniger darauf, so viele Pilotprojekte wie möglich durchzuführen, sondern vielmehr auf der Festlegung von Prioritäten, der Auswahl von Tools mit echtem Potenzial und deren skalierter Einführung, sobald sie sich als nützlich erweisen.
Bevor ein Tool getestet wird, definiert die Kanzlei genau, wie Erfolg aussehen soll. Eine hohe Nutzungsrate könnte beispielsweise eine breitere Einführung rechtfertigen. Manchmal ist der Wert jedoch schwerer zu quantifizieren. Cozen O'Connor prüft auch, ob ein KI-Tool in bestehende Arbeitsabläufe passt, bessere Ergebnisse für Mandanten liefert oder die Zufriedenheit der Anwälte steigert. Das Feedback der Anwälte ist dabei ein entscheidender Faktor für die Entscheidung, welche Tools die Kanzlei einsetzt.
Erfolgsmessung und Implementierung
Die Kanzlei geht auch sorgfältig damit um, wer in Pilotprojekte einbezogen wird und wie viel von ihnen verlangt wird. Typischerweise bevorzugt Cozen O'Connor Tools, die von vielen Anwälten in der gesamten Kanzlei eingesetzt werden könnten, insbesondere wenn ein Pilotprojekt Erkenntnisse liefert, die über eine einzelne Praxisgruppe hinausgehen. Dies schließt jedoch spezialisierte Software nicht aus. Wenn eine kleinere Gruppe von Anwälten argumentieren kann, dass ein KI-Dienst ihre Arbeit oder den Nutzen für Mandanten erheblich verbessern würde, ist die Kanzlei bereit, genauer hinzusehen.
Andrew Woolfe ist der Ansicht, dass ein Pilotprojekt auch dann lohnenswert sein kann, wenn die Software selbst nicht dauerhaft eingesetzt wird. Jeder Test hilft der Kanzlei, ihre Fähigkeit zur Bewertung von Tools, zur Schulung von Anwälten und zum Management von Veränderungen zu schärfen. Die zentrale Frage ist für ihn: "Was wird uns helfen, institutionelle Muskeln im Bereich KI zu entwickeln?"
Konkrete AI-Anwendungen und Zukunftsperspektiven
Bislang hat Cozen O'Connor verschiedene KI-Software getestet, darunter:
- Laurel: Unterstützt Anwälte beim Ausfüllen ihrer Zeiterfassungsbögen.
- DeepJudge: Ermöglicht Anwaltskanzleien den Aufbau kundenspezifischer Suchmaschinen.
- **Harvey:** Entwickelt für den breiten Einsatz in einer Anwaltskanzlei.
Anfragen zur Evaluierung neuer Technologien gibt es laut Woolfe reichlich, sowohl von Softwareunternehmen als auch von Anwälten innerhalb der Kanzlei. Da Zeit und Budget jedoch begrenzt sind, müssen "einige große Wetten eingegangen werden, von denen wir lernen, von denen unsere Anwälte profitieren und von denen unsere Mandanten profitieren werden", so Woolfe abschließend.