Ehemaliger Fed-Vize Quarles fordert Ende der Zentralbank-Unabhängigkeit

Ehemaliger Fed-Vize Quarles fordert Ende der Zentralbank-Unabhängigkeit

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Der ehemalige Vizevorsitzende für Bankenaufsicht der Federal Reserve, Randal Quarles, hat sich kürzlich gegen die gängige Vorstellung einer unabhängigen US-Zentralbank ausgesprochen. Er argumentiert, dass die Mitglieder des Fed-Vorstands direkt dem Präsidenten unterstellt sein sollten, sieht aber in der dezentralen Struktur der Fed einen Mechanismus, um die Geldpolitik vor kurzfristiger politischer Einflussnahme zu schützen. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der der Supreme Court wichtige Entscheidungen zur Entlassung von Mitgliedern unabhängiger Regulierungsbehörden erwartet.

Die Debatte um die Fed-Unabhängigkeit

Randal Quarles, der von Präsident Trump 2017 als erster Vizevorsitzender für Bankenaufsicht der Fed nominiert wurde, äußerte sich am Freitag auf einer Sitzung des Shadow Open Market Committee. Er lehnt die Idee der regulatorischen Unabhängigkeit grundsätzlich ab. Quarles betonte, dass es in unserem Verfassungssystem keine unabhängige Behörde geben kann und sollte. Er wünscht sich, dass der Begriff "Unabhängigkeit" im Zusammenhang mit der Fed und anderen Exekutivbehörden nicht mehr verwendet wird.

Quarles' Verfassungsrechtliche Argumentation

Quarles argumentiert, dass die Verfassung klar festlegt, dass der Kongress Gesetze erlässt und der Präsident diese ausführt. Die Existenz von Bereichen exekutiver Bundesgewalt, die ohne Zustimmung des Präsidenten ausgeübt werden, widerspreche dieser Anordnung. Er zitierte: "Wir wollen – und können – keine unabhängige Fed haben. Was wir haben können, ist ein System, das sicherstellt, dass die geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbank von kurzfristiger politischer Einflussnahme isoliert sind." Die Verfassung sei eindeutig: Der Kongress besitzt die Macht, Geld zu prägen und dessen Wert zu regulieren.

Die Rolle der Regionalbanken im FOMC

Trotz seiner Kritik an der Unabhängigkeit ist Quarles überzeugt, dass die Struktur der Zentralbank die Geldpolitik vor Diktaten des Weißen Hauses oder anderer Fraktionen schützen kann. Er schlägt vor, dass die Mitglieder des Fed-Vorstands, die vom Präsidenten ernannt werden, nach Belieben des Präsidenten dienen sollten. Die Widerstandsfähigkeit gegenüber kurzfristiger politischer Einflussnahme liege jedoch bei den regionalen Notenbanken. Der Federal Open Market Committee (FOMC), der die Geldpolitik festlegt, besteht aus dem Fed-Vorstand und einer rotierenden Auswahl von Präsidenten der regionalen Fed-Banken, wobei der Präsident der New York Fed ein ständiges Mitglied ist. Diese regionalen Präsidenten werden von den Vorständen der regionalen Fed-Banken gewählt und vom Fed-Vorstand genehmigt, nicht aber direkt vom Präsidenten ernannt oder vom Senat bestätigt.

Historische Perspektive auf Präsidentenkritik

Quarles wies darauf hin, dass die Konvention, dass Präsidenten die Fed nicht kritisieren, relativ jung ist und eher dem Schutz des Präsidenten als der Zentralbank dient. Präsident George H.W. Bush kritisierte die Fed unter Alan Greenspan öffentlich vor der Wahl 1992 und machte sie für seine Niederlage verantwortlich. Daraufhin riet Bob Rubin, Finanzminister unter Präsident Bill Clinton, Clinton, nicht über die Fed zu sprechen, und diese Tradition setzte sich fest. Quarles betonte, dass es nichts Undemokratisches daran gebe, wenn ein Präsident seine Meinung zur Zinspolitik äußert, auch wenn es unklug oder kontraproduktiv sein mag.

Implikationen der Supreme Court-Entscheidungen

Die Äußerungen von Quarles kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Supreme Court kurz davor steht, Urteile über die Befugnis des Präsidenten zur Entlassung von Mitgliedern unabhängiger Regulierungsbehörden zu fällen. Ein weiterer Fall betrifft die Frage, ob Präsident Trump bei dem Versuch, Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen, einen Fehler gemacht hat. Beide Fälle könnten den Präzedenzfall Humphrey's Executor v. United States von 1935 aufheben, der die Verfassungsmäßigkeit unabhängiger Regulierungsbehörden bestätigte. Quarles befürchtet, dass das Gericht unabhängige Behörden für verfassungswidrig erklären, aber eine Ausnahme für die Fed machen könnte. Dies wäre seiner Meinung nach "falsch und unnötig", da eine solche Ausnahme die Regel untergraben und nicht nachhaltig wäre.

Ein dezentralisiertes System als Lösung

Die Lösung zur Wahrung der präsidialen Befugnisse gemäß Artikel II der Verfassung und der Glaubwürdigkeit der Fed liege in der Akzeptanz des dezentralen und öffentlich-privaten Charakters der Fed. Quarles argumentiert, dass der Fed-Vorstand zwar eine Regierungsbehörde mit exekutiver Gewalt sei und dem Präsidenten unterstehen sollte, die Geldpolitik jedoch vom FOMC getroffen werde. Die Präsidenten der regionalen Notenbanken seien keine Regierungsbeamten und ihre Beteiligung im FOMC sichere die notwendige Isolation von kurzfristiger politischer Einflussnahme. Selbst wenn ein Präsident den gesamten Vorstand entlassen würde, würden die geldpolitischen Entscheidungen bis zur Bestätigung neuer Mitglieder durch den Senat von den regionalen Notenbankpräsidenten getroffen, die der Präsident nicht ernennt und nicht kontrollieren kann. Die Senatsbestätigung sei ein weiteres Hindernis für umfassende Entlassungen. Quarles schlussfolgerte, dass, wenn ein Präsident sechs Personen durch den Senat bekäme, die eine drastische Kehrtwende in der Geldpolitik befürworten, dies wahrscheinlich auch geschehen sollte, da es einen starken demokratischen Druck für eine solche Änderung gäbe.

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