
Epstein-Akten: Dubais Wirtschaftselite im Fokus – Sultan Ahmed bin Sulayem genannt
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Die jüngsten Veröffentlichungen aus den Akten des verstorbenen Finanziers und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein rücken eine weitere hochrangige Persönlichkeit ins Rampenlicht: Sultan Ahmed bin Sulayem, den Group CEO des globalen Hafenbetreibers DP World. US-Beamte haben ihn als möglichen Empfänger einer verstörenden E-Mail Epsteins identifiziert, die ein angebliches "Foltervideo" erwähnte. Diese Enthüllungen werfen ein neues Licht auf die weitreichenden Verbindungen Epsteins in die internationale Finanz- und Geschäftswelt.
Neue Enthüllungen aus den Epstein-Akten
Am Montag veröffentlichten US-Beamte weitere Details aus den Epstein-Akten. Dabei wurde der Name Sultan Ahmed bin Sulayem als möglicher Empfänger einer E-Mail genannt, in der Epstein ein "Foltervideo" erwähnte. Der Republikaner Thomas Massie aus Kentucky und der Demokrat Ro Khanna aus Kalifornien hatten zuvor unredigierte Dokumente im US-Justizministerium (DOJ) eingesehen. Massie teilte einen Screenshot der E-Mail auf X, in der Epstein an einen zensierten Empfänger schrieb: "Wo bist du? Geht es dir gut, ich liebte das Foltervideo." Die Antwort lautete: "Ich bin in China, ich werde in der zweiten Maiwoche in den USA sein."
Massie deutete an, dass ein "Sultan" diese E-Mail gesendet habe und forderte das DOJ auf, die Informationen öffentlich zu machen. Der stellvertretende Generalstaatsanwalt Todd Blanche erklärte daraufhin auf X, die Schwärzung habe persönlich identifizierbare Informationen in einer E-Mail-Adresse geschützt. Er fügte hinzu, dass Sulayems Name an anderer Stelle in den veröffentlichten Akten unredigiert auftauche. Massie interpretierte dies als stillschweigendes Eingeständnis, dass Sultan Ahmed bin Sulayem der Absender des "Foltervideos" gewesen sei. CNBC bat DP World um eine Stellungnahme von Sulayem, erhielt jedoch keine Antwort. Es ist unklar, um welches Video es sich handelte und ob es tatsächlich von Sulayem an Epstein gesendet wurde.
Sultan Ahmed bin Sulayem: Eine Schlüsselfigur in Dubais Wirtschaft
Sultan Ahmed bin Sulayem ist eine der mächtigsten Geschäftsfiguren der Emirate und stammt aus einer der führenden Familien Dubais. Sein Vater war Berater der herrschenden Al Maktoum-Familie. Sulayem selbst spielte eine entscheidende Rolle beim Aufstieg Dubais zu einem globalen Wirtschaftszentrum. Er überwachte den Ausbau des Jebel Ali Hafens zu einem bedeutenden Tiefsee-Schifffahrtszentrum und die Gründung von DP World, einem Logistikimperium, das heute weltweit Häfen betreibt, die ein Zehntel des weltweiten Containerhandels abwickeln.
Sulayem leitete auch Nakheel Properties, einen staatlichen Bauträger in Dubai, der hinter großen künstlichen Inselprojekten stand. Nach der Schuldenkrise von Dubai World während der Finanzkrise 2008 wurde er jedoch im Zuge einer größeren Umstrukturierung des Vorstands ersetzt. Seine prominenten Führungspositionen machten ihn zu einem wichtigen Vertreter der Wirtschaft Dubais, sowohl innerhalb der VAE als auch in der internationalen Gemeinschaft. Sulayem trat regelmäßig auf internationalen Foren wie dem Weltwirtschaftsforum in Davos auf, wo er oft mit Politikern zusammentraf und Reden hielt.
Eine "engste Freundschaft" mit weitreichenden Implikationen
Die vom DOJ veröffentlichten E-Mails legen nahe, dass Epstein eine sehr persönliche Seite des Sultans kannte und in ihm einen Freund und Vertrauten sah. Eine Suche nach "Sulayem" in der Epstein-Bibliothek des DOJ liefert Tausende von Ergebnissen, viele davon E-Mail-Austausche zwischen den beiden aus den Jahren 2007 bis 2019. Dies war lange nach Epsteins Verurteilung wegen Anstiftung zur Prostitution Minderjähriger im Jahr 2008. Epstein bezeichnete Sulayem einmal als "engen persönlichen Freund", den er seit acht Jahren kannte, und in anderen Schriften als einen seiner vertrauenswürdigsten Freunde.
Im Umfeld Epsteins schien eine solche Vertrautheit mit intimen Kommunikationen einherzugehen. Diese umfassten Themen wie Absprachen mit Masseurinnen, sexuelle Begegnungen mit Frauen, Escort- und Prostitutionsdienste, anzügliche Kommentare und Witze sowie Pornografie. Die beiden besprachen oft persönliche Treffen. Bei mehreren Gelegenheiten korrespondierte Sulayem mit Epstein über Little St. James, Epsteins Privatinsel auf den US-Jungferninseln, die Staatsanwälte als Basis für Menschenhandel bezeichnen.
Epsteins Rolle als "Superconnector" für globale Eliten
Die E-Mails zwischen Epstein und Sulayem verdeutlichen auch, wie Epstein oft als "Superconnector" und Vermittler für seine reichen und mächtigen Vertrauten agierte. In einer E-Mail aus dem Jahr 2014 schien Epstein den ehemaligen Labour-Kabinettsminister Peter Mandelson einzuladen, einem Vorstand von Sulayem beizutreten. Die Akten zeigen auch, dass Epstein 2015 den ehemaligen israelischen Premierminister Ehud Barak und Sulayem per E-Mail miteinander verband. Zuvor hatte ein Bericht von Drop Site News im Januar angedeutet, dass Epstein mehrere Treffen zwischen Barak und Sulayem vermittelt hatte. Ehud Barak verteidigte seine Geschäftsbeziehungen zu Epstein und erklärte, er habe damals geglaubt, Epstein habe seine Schuld gegenüber der Gesellschaft beglichen, und er selbst sei keiner Straftat beschuldigt worden.
Laut Bloomberg versuchte Epstein auch, Sulayem mit Persönlichkeiten wie einem Berater des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Les Wexner (dem Einzelhandelsmilliardär und langjährigen Epstein-Gönner hinter Victoria's Secret) und Jes Staley (ehemals Senior Executive bei JPMorgan Chase & Co.) zu verbinden. Sarkozy hat sich nicht öffentlich zu angeblichen Verbindungen zu Epstein geäußert. Wexner erklärte 2019, er habe Epstein zwar beschäftigt, sei sich aber der illegalen Handlungen, für die Epstein später angeklagt wurde, nicht bewusst gewesen. Staley scheiterte im Juni daran, eine Entscheidung der britischen Finanzaufsichtsbehörde anzufechten, die feststellte, dass er die Aufsichtsbehörden 2019 "rücksichtslos" über die Art seiner Beziehung zu Epstein getäuscht hatte.
CNBC bestätigte zudem, dass die neuesten DOJ-Akten eine E-Mail von Epstein an Sulayem aus dem Jahr 2010 enthalten, in der er fragte, ob Sulayem Thomas Pritzker, den Executive Chairman von Hyatt Hotels, treffen wolle. Ein Vertreter von Pritzker lehnte eine Stellungnahme ab. Nach der globalen Finanzkrise 2009 sandte Epstein eine E-Mail an einen unidentifizierten "Sultan" bezüglich eines Investitionsgeschäfts und einer an Epstein zu leistenden Zahlung. Epstein schrieb: "Ihre Leute sollten mit Pritsker sprechen", und fügte hinzu, dass "Hyatt die perfekte Antwort auf MGM ist, nicht Barrrack." Epstein könnte sich auf den Casino-Betreiber MGM Mirage bezogen haben, über den Epstein und Sulayem Artikel ausgetauscht hatten. 2009 hatte Sulayems Dubai World Berichten zufolge eine Klage gegen MGM Mirage wegen massiver Kostenüberschreitungen eingereicht.
Epstein und Sulayem teilten auch Details ihrer separaten Treffen mit anderen prominenten Persönlichkeiten, darunter US-Präsident Donald Trump und Personen aus seinem Umfeld. Die Epstein-Akten deuten darauf hin, dass Sulayem von Thomas Barrack, einem US-Diplomaten, zur ersten Amtseinführung Trumps eingeladen wurde. "Soll ich die Einladung annehmen", fragte Sulayem Epstein in einer E-Mail vom Januar 2017. Epstein war laut Akten auch mit Steve Bannon, Trumps ehemaligem Berater, verbunden. "Wir sind Freunde geworden, er wird dir gefallen", sagte Epstein über Bannon zu Sulayem in einer E-Mail vom Februar 2018. "Trump mag ihn nicht", antwortete Sulayem. "Glaub der Presse nicht", erwiderte Epstein. Bannon hat sich öffentlich wenig zu seiner Beziehung zu Epstein geäußert, forderte jedoch die Freigabe der Epstein-Akten.
Keine strafrechtlichen Vorwürfe, aber offene Fragen
Es ist wichtig zu betonen, dass Sultan Ahmed bin Sulayem keinerlei strafrechtlicher Vergehen beschuldigt wurde. Die Behörden haben wiederholt betont, dass eine Erwähnung in den Epstein-Akten weder ein Beweis für Fehlverhalten ist noch beweist, dass der Name Teil einer angeblichen Kundenliste oder eines Erpressungsschemas war. Die jüngsten Enthüllungen fügen jedoch ein weiteres Kapitel zu den komplexen und weitreichenden Verbindungen Jeffrey Epsteins in die globale Finanz- und Geschäftswelt hinzu und werfen weiterhin Fragen über die Art dieser Beziehungen auf.