
EU-Kommission leitet Untersuchung gegen Shein wegen Suchtdesign und illegaler Produkte ein
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Die Europäische Union hat eine formelle Untersuchung gegen den Fast-Fashion-Riesen Shein eingeleitet. Im Fokus stehen Bedenken hinsichtlich potenziell suchtfördernder Designmerkmale der Plattform, mangelnder Transparenz bei Empfehlungssystemen sowie der unzureichenden Maßnahmen zur Eindämmung des Verkaufs illegaler Produkte. Diese Prüfung erfolgt im Rahmen des Digital Services Act (DSA) und könnte für Shein weitreichende Folgen haben.
EU leitet formelle Untersuchung ein
Die Europäische Kommission hat am Dienstag eine formelle Untersuchung gegen Shein unter dem Digital Services Act (DSA) angekündigt. Dieser umfassende Rechtsrahmen verpflichtet große Online-Plattformen zu verstärkten Maßnahmen zum Schutz der Internetnutzer vor fragwürdigen Produkten. Shein, eine chinesische Fast-Fashion-Marke mit Hauptsitz in Singapur, wird nun genau unter die Lupe genommen.
Vorwürfe: Suchtförderndes Design und mangelnde Transparenz
Ein zentraler Punkt der Untersuchung ist das, was die Kommission als "suchtförderndes Design" bezeichnet. Sheins Plattform nutzt Punkte und Belohnungen, um das Engagement der Nutzer zu fördern, was das Wohlbefinden der Verbraucher gefährden könnte. Zudem wird die mangelnde Transparenz der Empfehlungssysteme kritisiert, da Shein den Nutzern nicht klar erklärt, warum bestimmte Produkte vorgeschlagen werden.
Verkauf illegaler Produkte im Fokus
Die Kommission untersucht auch die Systeme, die Shein zur Begrenzung des Verkaufs illegaler Produkte in der Europäischen Union implementiert hat. Dazu gehören insbesondere Artikel wie "kinderähnliche Sexpuppen", die als Material für sexuellen Kindesmissbrauch identifiziert wurden. In Frankreich wurden bereits im vergangenen Jahr illegale Gegenstände wie Schusswaffen, Messer und kinderähnliche Sexpuppen auf der Shein-Website gefunden.
Frühere Kontroversen und internationale Prüfungen
Die aktuelle Untersuchung ist nicht die erste Auseinandersetzung Sheins mit Regulierungsbehörden. Bereits im Mai warf die EU dem Unternehmen vor, Kunden mit falschen Rabatten und irreführenden Informationen zu täuschen, Rückerstattungen nicht zu bearbeiten und Kontaktinformationen des Kundendienstes zu verbergen – ein Verstoß gegen EU-Recht. Letztes Jahr versuchte die französische Regierung, die Shein-Website im Land zu sperren, was ein Pariser Gericht jedoch ablehnte, stattdessen aber eine Altersverifikation für Erwachsenenprodukte und Bußgelder bei Verstößen anordnete.
Auch international steht Shein unter Beobachtung: Südkoreanische Behörden fanden wiederholt giftige Substanzen in Shein-Produkten, die über den gesetzlichen Grenzwerten lagen. Im Dezember kündigte ein Gericht in Texas eine Untersuchung wegen "unethischer Arbeitspraktiken und des Verkaufs unsicherer Konsumgüter" an. Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton betonte, dass jedes Unternehmen, das bei Arbeitsstandards oder Produktsicherheit Abstriche mache, zur Rechenschaft gezogen werde.
Sheins Reaktion und mögliche Konsequenzen
Shein hat erklärt, seine Verpflichtungen ernst zu nehmen und weiterhin mit der Kommission zu kooperieren. Das Unternehmen gibt an, erheblich in die Einhaltung des DSA investiert zu haben. Zu den genannten Maßnahmen gehören "umfassende systemische Risikobewertungen und Minderungsrahmen, verbesserter Schutz für jüngere Nutzer und fortlaufende Arbeit an der Gestaltung unserer Dienste, die ein sicheres und vertrauenswürdiges Nutzererlebnis fördern." Shein betont: "Der Schutz von Minderjährigen und die Reduzierung des Risikos schädlicher Inhalte und Verhaltensweisen stehen im Mittelpunkt der Entwicklung und des Betriebs unserer Plattform."
Sollte die Untersuchung ergeben, dass Shein die erforderlichen Vorschriften nicht einhält, könnte das Unternehmen gezwungen sein, seine Praktiken anzupassen oder mit erheblichen Geldstrafen belegt werden.