
EU-Minister fordern Übergewinnsteuer: Energiekonzerne im Fokus
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Finanzminister aus fünf EU-Ländern fordern die Einführung einer EU-weiten Übergewinnsteuer für Energieunternehmen. Angesichts stark steigender Öl- und Gaspreise, die durch den Konflikt im Nahen Osten ausgelöst wurden, soll diese Maßnahme die Inflation eindämmen und Haushalte entlasten. Die Initiative greift auf ein ähnliches Instrument aus dem Jahr 2022 zurück.
EU-Finanzminister drängen auf neue Übergewinnsteuer
Finanzminister aus Spanien, Deutschland, Italien, Portugal und Österreich haben die Europäische Union aufgefordert, eine bloc-weite Übergewinnsteuer für Energieunternehmen einzuführen. Dies geht aus einem Brief hervor, den der spanische Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo kürzlich öffentlich machte. Die Minister äußerten darin ihre Besorgnis über die steigenden Öl- und Gaspreise, die die Inflation anheizen und Haushalte belasten könnten.
Der Brief, datiert auf Freitag, verweist auf "Marktverzerrungen", die durch den Preisanstieg verursacht werden. Die Minister betonten die Wichtigkeit, sicherzustellen, dass diese Belastung "fair verteilt" wird.
Der Nahost-Konflikt als Preistreiber
Der aktuelle Preisanstieg ist maßgeblich auf den Konflikt im Nahen Osten zurückzuführen, der die Ölpreise in die Höhe treibt. Insbesondere die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran, eine wichtige Engstelle für etwa 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gasverkehrs, droht die Kraftstoffmärkte über Monate hinweg zu belasten.
EU-Energiekommissar Dan Jorgensen warnte diese Woche, dass die Kraftstoffpreise auf absehbare Zeit voraussichtlich nicht "wieder normal werden". Seit Ende Februar sind die europäischen Gaspreise Berichten zufolge um mehr als 70 Prozent gestiegen. Die jährliche Inflationsrate in den 21 Ländern der Eurozone stieg im März auf 2,5 Prozent, von 1,9 Prozent im Februar, hauptsächlich bedingt durch höhere Ölpreise.
Historische Parallelen: Die Energiekrise 2022
Europa ist stark von importiertem Öl und Gas abhängig und daher anfällig für externe Schocks. Bereits 2022, nach dem umfassenden Einmarsch Russlands in die Ukraine, führte die EU eine "Solidaritätsabgabe" ein, die auch Obergrenzen für übermäßige Energiegewinne umfasste.
Diese Maßnahme zielte darauf ab, außergewöhnliche Gewinne aus dem Energieschock zu erfassen und einen Teil davon an Verbraucher und Unternehmen unter Druck umzuverteilen. Unter diesem System wurden laut einem Kommissionsbericht rund 29 Milliarden Euro von Öl- und Gasunternehmen eingenommen. Die damalige Regelung sah vor, dass die Abgabe auf steuerpflichtige Gewinne in den Jahren 2022 oder 2023 angewendet wurde, die mehr als 20 Prozent über dem durchschnittlichen jährlichen steuerpflichtigen Gewinn seit 2018 lagen.
Die Forderung: Ein EU-weites Beitragsinstrument
Die Minister argumentieren, dass angesichts der aktuellen Marktverzerrungen und fiskalischen Zwänge die Europäische Kommission zügig ein ähnliches EU-weites Beitragsinstrument auf einer soliden Rechtsgrundlage entwickeln sollte. Ein solches Instrument würde auch eine klare Botschaft senden, dass diejenigen, die von den Kriegsfolgen profitieren, ihren Teil zur Entlastung der Allgemeinheit beitragen müssen.
Eine Übergewinnsteuer ist eine höhere, temporäre Steuer, die von Regierungen auf spezifische Unternehmen oder Sektoren erhoben wird, die aufgrund unvorhergesehener, externer Ereignisse unerwartet hohe Gewinne erzielen. Die Initiative soll dazu beitragen, die Belastung für Haushalte und Unternehmen zu mindern und den Inflationsdruck zu reduzieren, ohne die öffentlichen Finanzen zusätzlich zu belasten.
Ausblick: Die Rolle der Europäischen Kommission
Die Europäische Kommission wird den Vorschlag der Minister voraussichtlich in den kommenden Wochen prüfen. EU-Beamte hatten bereits zuvor erwogen, krisenbedingte Maßnahmen aus der Zeit nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine wiederzubeleben, darunter temporäre Tarifbegrenzungen und die Besteuerung von Übergewinnen im Energiesektor.
Die Diskussion um eine solche Steuer ist politisch sensibel, doch Befürworter sehen darin ein Mittel zur Umverteilung von Gewinnen, die nicht auf produktive Investitionen oder Effizienzverbesserungen zurückzuführen sind. Die Maßnahme soll nicht nur Einnahmen für Nothilfen generieren, sondern auch eine gemeinsame EU-Antwort auf die Krise demonstrieren.