
EU und Australien besiegeln Freihandels- und Verteidigungspakt
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Die Europäische Union und Australien haben am Dienstag, den 24. März 2026, den finalen Text eines Freihandelsabkommens sowie eine neue Verteidigungspartnerschaft vereinbart. Dieser Durchbruch erfolgte nach rund zwei Jahren, nachdem die Verhandlungen im Oktober 2023 aufgrund von Forderungen Australiens nach besserem Zugang zum Rotfleischmarkt und Beschwerden über traditionell europäische Produktnamen wie Prosecco ins Stocken geraten waren.
Historischer Durchbruch nach langen Verhandlungen
Die Unterzeichnung des Abkommens durch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und den australischen Premierminister Anthony Albanese im australischen Parlament in Canberra markiert das Ende langwieriger Verhandlungen, die bereits 2018 begonnen hatten. Beide Seiten betonten, dass der Pakt den Nutzen eines regelbasierten Handels unterstreiche. Von der Leyen hob hervor: „Heute erzählen wir eine wichtige Geschichte in einer Welt, die sich tiefgreifend verändert. Einer Welt, in der Großmächte Zölle als Druckmittel und Lieferketten als Schwachstellen nutzen, die ausgenutzt werden können.“ Sie fügte hinzu: „In unserer Geschichte führt offener, regelbasierter Handel zu positiven Ergebnissen. Vertrauen zählt mehr als Transaktionen.“
Premierminister Albanese betonte, dass der Kontext, in dem das Abkommen erzielt wurde, ein wichtiger Faktor für die Wiederaufnahme der Verhandlungen war. „Dies ist sowohl die Europäische Union als auch Australien, die bekräftigen, dass wir an freien und fairen Handel glauben, dass wir verstehen, dass Handel den Wohlstand beider beteiligten Handelspartner fördert, dass es in unserem Interesse ist, dies zu erreichen“, so Albanese.
Strategische Neuausrichtung im Welthandel
Der Abschluss des Freihandelsabkommens kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sowohl die EU als auch Australien ihre Handelsnetzwerke diversifizieren und ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von China sowie ihre Anfälligkeit für unsichere US-Zölle reduzieren wollen. Das Abkommen soll die wirtschaftliche und strategische Partnerschaft stärken, das gegenseitige Bekenntnis zu offenem und regelbasiertem Handel demonstrieren und den Handel diversifizieren, um Australiens Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Widerstandsfähigkeit in einem zunehmend unsicheren globalen Handelsumfeld zu stärken.
Die EU war 2024 Australiens zweitgrößte Quelle für ausländische Direktinvestitionen, mit einem Gesamtinvestitionsbestand von 869,3 Milliarden US-Dollar. Das Abkommen wird Investitionen in beide Richtungen unterstützen und den Zugang zu einem Markt von rund 450 Millionen Menschen erleichtern.
Wirtschaftliche Vorteile für beide Seiten
Das Freihandelsabkommen wird für Australien erhebliche Vorteile bringen. 98 Prozent des aktuellen Wertes der australischen Exporte in die Europäische Union werden zollfrei sein. Dies umfasst die Beseitigung fast aller EU-Zölle auf Agrarprodukte wie Wein, Nüsse, Obst und Gemüse, Honig, Olivenöl, die meisten Milchprodukte, Weizen und Gerste sowie Meeresfrüchte.
- Australische Weinexporteure werden beispielsweise jährlich rund 37 Millionen US-Dollar durch den Wegfall der EU-Importzölle einsparen.
- Für andere wichtige Agrarprodukte werden kommerziell bedeutsame Zugänge durch neue oder erweiterte Zollkontingente geschaffen, darunter für Rindfleisch, Schaffleisch, Zucker, Reis, Weizengluten, Magermilchpulver und Naturbutter.
- Die EU wird zwei Zollkontingente von insgesamt 30.600 Tonnen für australisches Rotfleisch öffnen, wovon 55 % zollfrei sind.
- Fast alle australischen Exporte von Industriegütern und mineralischen Rohstoffen werden in der EU zollfrei sein. Dies umfasst kritische Mineralien und Wasserstoff, was Australiens Ambitionen als Supermacht für erneuerbare Energien unterstützt und zur Stabilisierung von Lieferketten beiträgt.
Auch die EU profitiert: Das Abkommen hilft der EU, die Versorgung mit kritischen Rohstoffen wie Lithium und Wolfram zu sichern. Für australische Verbraucher werden europäische Importe wie Wein, Spirituosen, Kekse, Schokolade und Pasta günstiger. Auch Landwirte und Unternehmen profitieren von günstigeren Kraftfahrzeugen und Maschinen aus Europa.
Besondere Regelungen und Ausnahmen
Im Rahmen des Handelsabkommens gibt es spezifische Regelungen für geografische Angaben. Australischen Produzenten von Prosecco, einem traditionellen Schaumwein aus Norditalien, wird die Verwendung des Namens für Exporte zehn Jahre nach Inkrafttreten des Paktes untersagt.
Gleichzeitig wurden die Rechte der Australier geschützt, weiterhin bekannte Begriffe wie Parmesan und Kransky zu verwenden. Australische Winzer dürfen Prosecco weiterhin im Inland herstellen und verkaufen. Für eine begrenzte Anzahl von Begriffen wie Feta, Romano und Gruyere wurden Übergangsfristen und längere Auslaufperioden vereinbart.
Eine neue Verteidigungspartnerschaft
Neben dem Freihandelsabkommen kündigten die Staats- und Regierungschefs eine neue Verteidigungspartnerschaft an. Diese soll eine engere militärische Zusammenarbeit ermöglichen und einen Rahmen für die Kooperation bei globalen Herausforderungen bieten.
Zu den Bereichen der Zusammenarbeit gehören:
- Verteidigungsindustrien
- Maritime Sicherheit
- Cybersicherheit
- Terrorismusbekämpfung
- Bekämpfung hybrider Bedrohungen wie Desinformation
Albanese betonte, dass die Partnerschaft das gemeinsame Engagement für globalen Frieden und Sicherheit zeige, einschließlich der „unerschütterlichen Unterstützung für die Ukraine angesichts der illegalen, umfassenden Invasion Russlands“.
Ausblick und weitere Schritte
Zudem beginnen Verhandlungen darüber, dass Australien ein assoziierter Partner des Forschungs- und Innovationsförderprogramms Horizon Europe wird. Ein Startdatum für das Freihandelsabkommen wurde noch nicht bekannt gegeben.
Dieses Abkommen reiht sich in eine Reihe von Handelsinitiativen der EU ein; so wird beispielsweise ein Freihandelsabkommen der EU mit vier südamerikanischen Ländern nach mehr als einem Vierteljahrhundert Verhandlungen am 1. Mai in Kraft treten.