
EUR/USD: Euro-Rallye nach dovish Fed-Signalen und schwachen US-Daten
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Der EUR/USD-Kurs hat in jüngster Zeit einen deutlichen Anstieg verzeichnet und notierte am Freitag bei 1,1735 US-Dollar. Dieser Aufschwung ist maßgeblich auf eine zunehmend dovishere Haltung der US-Notenbank Federal Reserve sowie auf schwache US-Wirtschaftsdaten zurückzuführen, die den Dollar unter Druck setzten. Die Märkte preisen nun eine lockerere Geldpolitik der Fed ein, während andere Zentralbanken eine straffere Linie verfolgen könnten.
Fed-Signale treiben den Dollar-Verkauf an
Die jüngste Zinsentscheidung der Federal Reserve, die mit einer dritten Zinssenkung in Folge einherging, überraschte die Märkte mit einer akkommodierenderen Haltung als erwartet. Fed-Vorsitzender Jerome Powell schloss weitere Zinserhöhungen explizit aus. Die aktualisierten "Dot Plot"-Projektionen der Fed deuten zudem auf nur eine weitere Zinssenkung für 2026 hin, was einen gemesseneren Lockerungspfad als zuvor signalisiert.
Die Fed kündigte außerdem den Kauf kurzfristiger Staatsanleihen an, um die Liquidität des Bankensystems zu stärken, was die Renditen von Staatsanleihen sinken ließ. Die Leitzinsen wurden auf 3,50 %–3,75 % gesenkt, den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Eine seltene Abstimmungsverteilung von 9 zu 3 zeigte jedoch die Uneinigkeit im Ausschuss, wobei zwei Beamte keine Senkung und einer eine größere Senkung wünschte.
Powell betonte eine "Abwarten-und-Beobachten"-Haltung und deutete an, dass das Komitee eine Pause einlegen könnte, sofern sich der Arbeitsmarkt nicht erheblich verschlechtert. Führende Fed-Vertreter wie John Williams, Präsident der New York Fed, Christopher Waller und Mary Daly von der San Francisco Fed äußerten sich ebenfalls dovish. Sie signalisierten Spielraum für Anpassungen hin zu einem neutralen Niveau und eine Notwendigkeit weiterer Lockerungen angesichts der Abschwächung des Arbeitsmarktes.
Schwache US-Wirtschaftsdaten verstärken den Druck
Zusätzlich zu den dovish Signalen der Fed trugen schwache US-Wirtschaftsdaten zur Dollar-Schwäche bei. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen in der letzten Woche so schnell wie seit fast viereinhalb Jahren nicht mehr und erreichten für die Woche bis zum 6. Dezember 236.000, über den revidierten 192.000 der Vorwoche. Dies deutet auf eine Schwäche am Arbeitsmarkt hin.
Auch andere Indikatoren zeigten eine Abkühlung: Der Erzeugerpreisindex (PPI) stieg im Monatsvergleich nur um 0,3 %, während die Kernrate mit 0,2 % unter den Erwartungen lag. Die Einzelhandelsumsätze in den USA stiegen im September nur um magere 0,2 %, ebenfalls unter den Prognosen. Der Retail Sales Control Group, ein direkter Input für das BIP, schrumpfte sogar um 0,1 %.
Diese Daten, zusammen mit einem Rückgang des ADP-Beschäftigungsdurchschnitts über vier Wochen von -2,5 Tausend auf -13,5 Tausend, untermauern die Argumente für eine unterstützendere Geldpolitik. Laut dem CME FedWatch Tool preisen Händler nun eine Wahrscheinlichkeit von 84–85 % für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf der FOMC-Sitzung vom 9. bis 10. Dezember ein, gegenüber 30 % eine Woche zuvor.
Divergierende Geldpolitik und Euro-Stärke
Das breitere externe Umfeld entwickelt sich zunehmend ungünstig für den US-Dollar. Während die Fed ein langsameres Tempo der Lockerung signalisiert, preisen die Märkte gleichzeitig eine relativ straffere geldpolitische Entwicklung für die Zentralbanken in Australien, Kanada und der Eurozone ein. Diese Divergenz hat den Dollar in dieser Woche gegenüber den meisten wichtigen Währungen nach unten getrieben, wobei der stärkste Rückgang gegenüber dem Euro zu verzeichnen war.
Der US Dollar Index (DXY), der die Performance des Dollars gegenüber sechs Währungen abbildet, fiel auf 98,34 und unterschritt die Marke von 100,00, was den niedrigsten Stand seit fünf Sitzungen darstellt. Der Euro konnte diesen Moment nutzen und setzte seinen stetigen Anstieg im Dezember fort. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, äußerte sich, dass die Geldpolitik in einer guten Position sei und die Bank ihre Projektionen im Dezember aktualisieren könnte.
Technische Analyse: EUR/USD im Aufwind
Aus technischer Sicht zeigt der EUR/USD-Kurs einen robusten Aufwärtstrend. Auf dem H4-Chart notiert das Paar nahe einer wichtigen Widerstandszone bei 1,1760–1,1780 und hält sich fest über dem mittleren Bollinger Band, was die Dominanz der Käufer bestätigt. Ein Aufwärtstrend und eine allmähliche Ausweitung des oberen Bandes signalisieren steigende Volatilität und anhaltendes Momentum nach einem Ausbruch auf neue Höchststände.
Solange der Preis über der Unterstützung von 1,1709 bleibt, besteht ein starkes Potenzial, die Marke von 1,1780 zu testen. Ein entscheidender Ausbruch und Schlusskurs über dieser Zone würde den Weg in Richtung 1,1850 ebnen. Sollte es zu einem Rücksetzer kommen, liegt die nächste wichtige Unterstützung bei 1,1650, dem vorherigen Ausbruchspunkt. Ein Bruch unter 1,1547 wäre erforderlich, um eine tiefere Korrektur in Richtung des unteren Bollinger Bandes zu signalisieren.
Auf dem H1-Chart konsolidiert das Paar nach einer starken Impulswelle, die den Widerstandsbereich von 1,1760–1,1780 ansteuerte. Die aktuelle Korrektur findet eine erste Unterstützung bei 1,1709. Obwohl der Stochastic-Oszillator aus dem überkauften Bereich zurückgeht, bleibt die zugrunde liegende Struktur bullisch, da der Preis über dem mittleren Bollinger Band handelt, das nun als dynamische Unterstützung dient.
Ein bestätigter Ausbruch über 1,1780 würde eine Fortsetzung des Aufwärtstrends signalisieren, mit nachfolgenden Zielen bei 1,1820 und 1,1850. Umgekehrt würde ein nachhaltiger Rückgang unter 1,1709 die erste technische Indikation für ein nachlassendes bullisches Momentum liefern und möglicherweise eine Korrektur in Richtung der nächsten Nachfragezone im Bereich von 1,1650–1,1620 auslösen.
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