Europäische Aktien unter Druck: Ölpreise über 100 Dollar befeuern Inflationssorgen

Europäische Aktien unter Druck: Ölpreise über 100 Dollar befeuern Inflationssorgen

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Die europäischen Aktienmärkte stehen zum Abschluss der Handelswoche unter erheblichem Druck. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten und dessen Auswirkungen auf das globale Wachstum sowie die Energieversorgung belasten die Anlegerstimmung erheblich. Insbesondere die anhaltend hohen Ölpreise befeuern Inflationsängste und führen zu Kursverlusten.

Europäische Börsen im Minus

Die wichtigsten europäischen Indizes werden voraussichtlich mit Verlusten in die letzte Handelssitzung der Woche starten. Laut IG-Daten wird der Londoner FTSE 100 voraussichtlich um 0,05 % fallen, der französische CAC 40 um 0,25 % und der deutsche DAX um 0,29 %. Bereits am Vortag schloss der paneuropäische Stoxx 600 etwa 0,7 % tiefer.

Am Donnerstag öffneten die europäischen Börsen ebenfalls mit Verlusten. Der Stoxx 600 fiel um 0,51 % auf 599 Punkte um 08:36 GMT. Der UK FTSE sank um 0,51 %, der deutsche DAX um 0,53 % und der französische CAC 40 um 0,59 %. Auch Italiens FTSE MIB (-0,35 %) und Spaniens Ibex (-0,99 %) verzeichneten Rückgänge.

Ölpreise über 100 Dollar: Konflikt im Fokus

Die Energiepreise bleiben nach einer turbulenten Woche an den globalen Märkten im Mittelpunkt. Die Ölpreise stiegen am Montag um rund 20 %, da der US-israelische Krieg mit dem Iran die Befürchtungen vor langanhaltenden Störungen der Energieversorgung verstärkte. Brent Rohöl, der internationale Benchmark, notierte zuletzt bei 100,96 Dollar pro Barrel, ein Plus von 0,5 %, und hält sich damit über der 100-Dollar-Marke.

Trotz der Ankündigung der Internationalen Energieagentur (IEA) am Mittwoch, eine Rekordmenge von 400 Millionen Barrel aus ihren Notreserven freizugeben, blieben die Brent-Preise über 100 Dollar. Die USA gaben am Freitag eine temporäre 30-Tage-Ausnahmegenehmigung für sanktioniertes russisches Öl im Seetransport heraus, um Bedenken hinsichtlich einer wachsenden Angebotsverknappung und steigender Preise zu zerstreuen. Das US-Energieministerium kündigte zudem die Freigabe von 172 Millionen Barrel Öl aus seiner Strategischen Erdölreserve an.

Geopolitische Spannungen und Versorgungsengpässe

Der Iran hat die Schließung der Straße von Hormus, einem wichtigen Nadelöhr für den globalen Öltransport, angekündigt. Irans neuer Oberster Führer Mojtaba Khamenei erklärte am Donnerstagabend, das Land werde den Schifffahrtsweg blockieren, der seit Ausbruch der Feindseligkeiten effektiv geschlossen ist und den raschen Anstieg der Ölpreise verursacht hat. Durch diese Meerenge werden typischerweise 20 % des weltweiten Öls verschifft.

US-Finanzminister Scott Bessent kündigte an, dass Geleitschutz für Schiffe durch die Straße von Hormus "sobald militärisch möglich" beginnen werde. US-Energieminister Chris Wright ergänzte, dies werde "relativ bald" geschehen, sei aber "jetzt noch nicht möglich". In den irakischen Gewässern wurden am Donnerstagmorgen zwei Tanker in Brand gesetzt, und der wichtige Ölexportterminal Omans in Salalah wurde nach einem iranischen Drohnenangriff evakuiert.

Breite wirtschaftliche Auswirkungen und Inflationssorgen

Die steigenden Kosten belasten die Märkte weltweit. Auch die asiatischen Aktienmärkte standen am Freitag unter Druck, wobei Japans Nikkei 225 und Südkoreas Kospi fielen. An der Wall Street zeigten sich die US-Futures zwar im Plus, mit einem Anstieg von 0,25 % für den S&P 500, 0,32 % für den Dow Jones Industrial Average und 0,12 % für den Nasdaq 100. Dennoch sind die US-Märkte im Wochenverlauf niedriger.

Die Sorge vor einer anhaltenden Inflation ist groß. Kathleen Brooks, Forschungsdirektorin bei XTB, kommentierte: "Der Konflikt hat sich diese Woche intensiviert, und je länger der Ölpreis erhöht bleibt, desto schädlicher und langanhaltender wird der Inflationsschock für die Weltwirtschaft sein." Sie fügte hinzu: "Wenn Ölpreise 100 Dollar pro Barrel erreichen, bleiben sie tendenziell um dieses Niveau. Im Jahr 2022 blieb WTI-Rohöl 87 Tage lang über 100 Dollar, daher muss der Markt auf langfristig erhöhte Ölpreise vorbereitet sein."

Analysten von Citi warnten zudem, dass die Schließung der Straße von Hormus auch die Versorgung mit Düngemitteln beeinträchtigen könnte, was die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben würde. Die Langlebigkeit solcher Störungen sei extrem wichtig und relevant für die Preise neuer Ernten. Die schwachen US-Arbeitsmarktdaten des Vormonats verstärken die Sorgen vor einer möglichen Stagflation, einer Kombination aus stagnierendem Wirtschaftswachstum und hoher Inflation.