Europäische Börsen im Minus: Ölpreise steigen, deutsche Wirtschaftsprognosen sinken

Europäische Börsen im Minus: Ölpreise steigen, deutsche Wirtschaftsprognosen sinken

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Die europäischen Aktienmärkte werden voraussichtlich mit negativen Vorzeichen in den Donnerstag starten. Eine gedämpfte Marktstimmung, angetrieben durch steigende Ölpreise und anhaltende geopolitische Unsicherheiten, prägt das aktuelle Bild.

Europäische Börsen unter Druck

Die wichtigsten europäischen Indizes werden zum Handelsstart Verluste verzeichnen. Laut Daten von IG wird der britische FTSE 100 voraussichtlich 0,7 % niedriger eröffnen, der deutsche DAX um 1,3 % fallen, der französische CAC 40 um 0,77 % nachgeben und der italienische FTSE MIB 0,9 % tiefer notieren. Bereits am Mittwoch hatten die europäischen Börsen die Gewinne ihrer US-Pendants verpasst und schlossen im Minus.

Die pan-europäischen Benchmark-Indizes bewegten sich im frühen Handel ebenfalls nach unten, wobei Rückgänge an den großen regionalen Börsen zu beobachten waren. Der Stoxx 600 verlor im späten Handel rund 0,9 %. Die Anleger reagieren zunehmend sensibel auf die Möglichkeit weiterer Störungen, insbesondere im Zusammenhang mit strategischen maritimen Korridoren.

Ölpreise steigen durch Nahost-Spannungen

Die Ölpreise ziehen weiter an, befeuert durch Berichte über die Abfangung iranischer Öltanker und die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten. Die internationale Benchmark Brent Crude stieg am Donnerstag um 1:19 Uhr ET um fast 1,3 % auf 103,19 US-Dollar pro Barrel. Auch WTI Crude legte um 0,5 % auf 90,03 US-Dollar zu, während Brent Crude um 0,7 % auf 99,15 US-Dollar stieg.

Medienberichte über die Abfangung von mindestens drei iranischen Öltankern durch die USA in asiatischen Gewässern verstärken die Unsicherheit über eine mögliche Eskalation des Nahost-Konflikts. Die Straße von Hormuz, eine entscheidende Passage für globale Energieflüsse, steht erneut im Fokus der Finanzmärkte. Iran signalisierte eine härtere Haltung, deutete die Schließung wichtiger Transitrouten an und sprach Warnungen vor Vergeltungsmaßnahmen aus.

Chris Beauchamp, Chef-Marktanalyst bei IG, kommentierte die Lage: „Die Euphorie vom Freitag ist der Verwirrung über den Status von Hormuz gewichen. Während Iran die Schließung erklärt hat, scheinen die Märkte, wie immer in dieser Krise, die positive Seite zu sehen.“ Er fügte hinzu, dass ein klarer Ausweg aus der Krise derzeit unmöglich vorhersehbar sei und sich die Energiekrise derweil täglich verschärfe.

Deutsche Wirtschaftsprognosen deutlich gesenkt

Die deutsche Regierung hat ihre Wirtschaftswachstumsprognosen für 2026 drastisch halbiert. Das Wirtschaftsministerium erwartet nun, dass Europas größte Volkswirtschaft in diesem Jahr nur noch um 0,5 % wachsen wird, gegenüber einer früheren Prognose von 1,3 %. Für 2027 wurde die BIP-Prognose von 1,3 % auf 0,9 % reduziert.

Als Gründe für die Herabstufungen nannte das Ministerium den Iran-Krieg und die Schließung der Straße von Hormuz. Diese Entwicklungen hätten zu steigenden Kosten für Haushalte und Unternehmen in Deutschland geführt. Die Beamten prognostizierten zudem, dass die Inflation in diesem Jahr auf 2,7 % und im nächsten Jahr auf 2,8 % steigen wird.

Sektorale Auswirkungen und weitere Marktindikatoren

Die steigenden Ölpreise wirken sich unterschiedlich auf die Sektoren aus:

  • Energieunternehmen wie Equinor, Aker BP, ENI, BP und Shell verzeichneten Gewinne, da sie direkt von höheren Rohölpreisen profitieren.
  • Reise- und Luftfahrtaktien gerieten unter Druck. Erhöhte Treibstoffkosten belasten die Rentabilität von Fluggesellschaften wie Ryanair, Lufthansa und easyJet erheblich.

An den asiatisch-pazifischen Märkten erreichten japanische und südkoreanische Aktien über Nacht Rekordhöhen, bevor sie nach den Berichten über die Abfangung iranischer Tanker ins negative Terrain zurückfielen. Die S&P 500 Futures zeigten sich am Mittwochabend wenig verändert oder leicht im Plus um 0,6 %. Der Nasdaq-Index war am Freitag um 0,55 % gefallen.

Auch Edelmetalle verzeichneten moderate Gewinne: Gold stieg um 0,8 % auf 4.750 US-Dollar, Silber um 1,6 % auf 78,00 US-Dollar. Der US-Dollar zeigte sich weitgehend unverändert.

Blick auf Unternehmenszahlen und Wirtschaftsdaten

Der Donnerstag ist ein ereignisreicher Tag für Unternehmensgewinnberichte in Europa. Zu den Unternehmen, die Zahlen vorlegen, gehören:

  • Roche
  • Nestle
  • SAP
  • Sanofi
  • Vinci
  • LSEG
  • Orange
  • Nokia
  • Heineken
  • STMicroelectronics
  • Dassault Systemes
  • Renault

Zusätzlich stehen wichtige Wirtschaftsdaten an, darunter die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für den Dienstleistungs- und Fertigungssektor der Eurozone und des Vereinigten Königreichs sowie Daten zu den Neuzulassungen von Autos in der EU. Diese Veröffentlichungen könnten weitere Impulse für die europäischen Märkte liefern.

Erwähnte Persönlichkeiten