Europas erstes Microgrid-Datenzentrum: Autarke Energie für den KI-Boom

Europas erstes Microgrid-Datenzentrum: Autarke Energie für den KI-Boom

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Vor den Toren Dublins, der Hauptstadt Irlands, hat ein Datenzentrum als erstes in Europa auf ein unabhängiges, sogenanntes "islanded" Microgrid gesetzt, um seine Server zu betreiben. Dieser Schritt könnte einen Präzedenzfall für die europäische Dateninfrastruktur schaffen, da der Kontinent versucht, vom KI-Boom zu profitieren und gleichzeitig jahrzehntelange Verzögerungen bei Stromnetzanschlüssen zu bewältigen.

Europas erster Schritt zur autarken Dateninfrastruktur

Das neue Datenzentrum, betrieben vom Stromversorgungslösungsanbieter AVK und dem Entwickler digitaler Infrastruktur Pure Data Centre Group, markiert einen potenziellen Wendepunkt. Microgrids sind lokalisierte Energiesysteme, die Strom erzeugen, speichern und verteilen können. Sie ermöglichen es Einrichtungen, unabhängig vom nationalen Stromnetz zu operieren. AVK-CEO Ben Pritchard betont die Notwendigkeit solcher Lösungen: "Da diese Datenzentren größer werden und wir sehen, dass KI-Workloads und diese Daten immer mehr zu einem Merkmal unseres täglichen Lebens werden, belastet das das Netz nur noch mehr. Wir müssen also eine andere Lösung finden." Die Europäische Kommission schätzt, dass der Block bis 2040 Investitionen von mindestens 1,2 Billionen Euro (1,39 Billionen US-Dollar) benötigt.

Irlands Energie-Dilemma und die Lösung

Irland war eines von zwei europäischen Ländern, die ein Moratorium für neue Datenzentrumsanwendungen verhängt hatten, da die energieintensiven Einrichtungen das nationale Stromnetz stark belasten. Im Jahr 2024 verbrauchten Datenzentren erstaunliche 22 % des Stroms des kleinen Landes. Der irische Netzbetreiber EirGrid warnte Ende Februar, dass die Deckung des Strombedarfs "herausfordernd" sein könnte, wobei Datenzentren als Haupttreiber des Nachfragewachstums identifiziert wurden.

Ende letzten Jahres lockerten die irischen Behörden das Moratorium jedoch, da der KI-Boom die Stimmung hinsichtlich des wirtschaftlichen Potenzials der Rechenzentren änderte. Neue Datenzentren, die an das Netz angeschlossen werden, müssen nun steuerbaren Strom liefern – also Strom, der je nach Bedarf des nationalen Netzes ein- oder ausgeschaltet werden kann – oder über Energiespeicherkapazitäten verfügen. Zudem müssen sie laut den Richtlinien der irischen Regulierungsbehörde CRU mindestens 80 % ihres jährlichen Bedarfs aus in Irland erzeugtem erneuerbarem Strom decken. Pure DC Präsidentin Dawn Childs erklärte gegenüber CNBC: "Die Alternative in Irland war, zu warten, buchstäblich auf eine unbekannte Zeit zu warten, um einen Netzanschluss zu bekommen, und auch heute noch ist es nicht möglich, einen Netzanschluss zu bekommen. Die Schaffung eines Microgrids ermöglichte es uns, unser Projekt voranzutreiben." Das Dubliner Datenzentrum, das sowohl Cloud- als auch KI-Workloads ausführen kann, hat eine Gesamtkapazität von etwa 110 Megawatt. Die gesamten prognostizierten Investitionen in den Standort belaufen sich auf etwa 1 Milliarde Euro (1,2 Milliarden US-Dollar). Die Anlage wird derzeit von Erdgasmotoren angetrieben, mit der Möglichkeit, auf hydriertes Pflanzenöl (HVO) umzusteigen. Auch Biomethan wurde als Stromquelle getestet.

Microgrids: Ein globaler Trend erreicht Europa

Der globale Microgrid-Markt hatte 2025 einen Wert von rund 29 Milliarden US-Dollar, wobei der europäische Markt aufgrund seiner alternden Infrastruktur voraussichtlich um fast 10 % pro Jahr wachsen wird, so Schätzungen von Global Market Insights. Während Investitionen in die Modernisierung des nationalen Netzes getätigt werden, wird erwartet, dass Unternehmen zunehmend auf unmittelbarere Energielösungen zurückgreifen. Microgrids werden in Europa bereits zur Stromversorgung von Industriestandorten und Anlagen eingesetzt, doch im Vergleich zu den USA gibt es noch nicht viele Beispiele für die Stromversorgung von Datenzentren.

Unternehmen wie ABB, Siemens und Schneider Electric entwickeln die Technologie aktiv weiter. Siemens sieht "potenzielle Möglichkeiten" für die Implementierung von Microgrids an Datenzentrumsstandorten und führt derzeit Gespräche mit mehreren Kunden. AVK, das bis 2030 eine Bewertung von mindestens einer Milliarde Dollar erreichen soll, konzentrierte sich zunächst auf Notstromerzeugung, bevor es sich zu einem umfassenden Stromlösungsanbieter entwickelte. Ben Pritchard, CEO von AVK, bemerkt, dass der US-Markt den europäischen Block aufgrund der hohen Nachfrage beim Rollout überholt hat. Er sieht zudem eine neue Art von Investoren – Infrastrukturfonds –, die Microgrids bauen, besitzen und betreiben, um Datenzentren mit Strom zu versorgen. Diese Anlageklasse soll in den nächsten drei bis fünf Jahren reifen.

Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit als Herausforderung

Eine der größten Herausforderungen für den Markt ist die nachhaltige Implementierung von Microgrids, da sich ein Großteil der Diskussion um den Einsatz von Gasturbinen oder Brennstoffzellen dreht, so Diego Diaz Hernandez, Partner bei McKinsey. Er betont, dass die technische Machbarkeit, diese Anlagen zu Netzteilnehmern zu machen, gegeben ist, die regulatorischen und politischen Rahmenbedingungen jedoch noch fehlen. In den USA verlangen Netzbetreiber bereits 50 bis 100 Stunden Flexibilität pro Jahr, um den Druck auf das Netz zu mindern.

Die Sicherstellung einer zuverlässigen Stromversorgung sowie die Überwindung regulatorischer Hürden sind entscheidend. Während in den USA etwa 30 % der Datenzentren Microgrid- oder andere "Behind-the-Meter"-Lösungen wie Brennstoffzellen und Gasturbinen nutzen, lag dieser Anteil in Europa vor 18 Monaten bei nur 5–10 % und ist seitdem auf etwa 20 % gestiegen. Dies unterstreicht das wachsende Interesse und die Notwendigkeit solcher autarken Energiekonzepte für die europäische Dateninfrastruktur.

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