
Europas Finanzmärkte unter Druck: Ölpreise und Nahost-Konflikt treiben Inflation
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Die europäischen Finanzmärkte erleben eine Phase erhöhter Nervosität. Steigende Ölpreise und die Eskalation des Nahost-Konflikts haben die zuvor ruhige Erzählung von nachlassender Inflation und bevorstehenden Zinssenkungen abrupt beendet. Anleiheinvestoren reagieren besorgt, da die Gefahr einer wieder anziehenden Inflation die Märkte erfasst.
Anspannung an den Anleihemärkten Europas
Die europäischen Staatsanleihen verzeichneten am Montag erneut Abverkäufe, eine direkte Reaktion auf den Inflationsschock durch den sich ausweitenden Konflikt im Nahen Osten. Die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe stieg um 2,3 Basispunkte auf 2,886 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit einem Jahr. Die stärker zinsreagible zweijährige deutsche Rendite sprang um 8,6 Basispunkte auf 2,393 Prozent, den höchsten Wert seit September 2024.
Dieser Trend spiegelt wider, dass Staatsanleihen nicht mehr als klassischer sicherer Hafen, sondern als Inflationsopfer betrachtet werden. Angesichts der Störungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus und des Anstiegs der Rohölpreise auf den höchsten Stand seit 2022 konzentrieren sich Händler stärker auf die potenziellen Auswirkungen höherer Energiekosten auf die Inflation.
Steigende Inflationserwartungen und die EZB
Die Inflationserwartungen in der Eurozone kletterten an den Geldmärkten auf 2,25 Prozent, den höchsten Stand seit Juli 2024. Diese Entwicklung hat die Nervosität bei der Europäischen Zentralbank (EZB) verstärkt. Investoren ziehen nun die Möglichkeit in Betracht, dass der nächste Schritt der EZB möglicherweise keine Zinssenkung, sondern sogar eine Anhebung sein könnte.
Großbritannien besonders verwundbar
Während deutsche Bundesanleihen unter Druck standen, traf es britische Gilts noch härter. Die Renditen zweijähriger Gilts stiegen um bis zu 37 Basispunkte, der größte eintägige Anstieg seit dem Chaos der Liz-Truss-Ära im September 2022. Das britische Pfund fiel um 0,8 Prozent auf 1,331 US-Dollar, was den größten eintägigen Rückgang seit über einem Monat darstellt.
Die Märkte haben Zinssenkungen der Bank of England (BoE) für dieses Jahr nun vollständig eingepreist und sehen stattdessen eine signifikante Wahrscheinlichkeit für eine Viertelpunkt-Anhebung bis Dezember. Großbritannien gilt als besonders anfällig für einen Energiepreisschock, da es stark von importierter Energie abhängig ist und seine öffentlichen Finanzen fragil sind. Lloyds schätzte, dass ein Inflationsschock von etwa 2,5 Prozentpunkten den fiskalischen Spielraum der Regierung aufzehren könnte, noch bevor neue Maßnahmen zur Unterstützung der Lebenshaltungskosten ergriffen werden.
Globale Marktreaktionen und der Nahost-Konflikt
Die europäischen Aktienmärkte wurden am Dienstag voraussichtlich mit Verlusten eröffnen und damit die Rückgänge der vorherigen Sitzung fortsetzen. Am Montag fielen der pan-europäische Stoxx 600 um 1,6 Prozent, der deutsche DAX um 2,6 Prozent, Frankreichs CAC 40 um 2,2 Prozent und der britische FTSE 100 um 1,2 Prozent. Auch die US-Aktienfutures handelten niedriger, und die asiatischen Märkte, angeführt von Seoul und Japan, verzeichneten ebenfalls breite Verluste.
Der Dollar konnte seine Gewinne vom Vortag halten, während Gold aufgrund der Nachfrage nach sicheren Häfen über 5.350 US-Dollar pro Unze gehandelt wurde. Die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen stiegen auf 4,04 Prozent, da Investoren ihre Erwartungen an Zinssenkungen der Federal Reserve zurückschraubten.
Die Rolle des Öls und geopolitische Spannungen
Die Ölpreise setzten ihren Anstieg fort, wobei Brent-Rohöl-Futures über 2 Prozent auf fast 80 US-Dollar pro Barrel und WTI-Rohöl-Futures auf 73 US-Dollar pro Barrel kletterten. Dies geschah, nachdem die iranischen Revolutionsgarden die Schließung der Straße von Hormus, einer entscheidenden Wasserstraße für den Öltransport, bekannt gaben. Auch die europäischen Erdgaspreise schossen in die Höhe, nachdem Katar den Betrieb seiner Ras Laffan Flüssigerdgas (LNG)-Anlage, der weltweit größten LNG-Exportanlage, einstellte.
Die geopolitische Lage im Nahen Osten bleibt angespannt. US-Präsident Donald Trump hat keine neuen Details zu den Angriffen auf den Iran genannt, aber vier Kriegsziele dargelegt und die nukleare Bedrohung durch den Iran beschrieben. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach von einer "generationenübergreifenden" Chance, den Nahen Osten neu zu gestalten, während Außenminister Marco Rubio "die härtesten Schläge der US-Militärs" ankündigte. Eine französische Regierungsquelle erwähnte, dass die G7-Finanzminister eine mögliche gemeinsame Freigabe von Notölreserven diskutieren würden, was die Stimmung kurzzeitig beruhigte, aber die allgemeine Botschaft nicht änderte: Ölpreise über 100 US-Dollar verändern die Stimmung überall.