Europas Flughäfen im Visier: Hybridkriegsführung stört Luftverkehr und Wirtschaft

Europas Flughäfen im Visier: Hybridkriegsführung stört Luftverkehr und Wirtschaft

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In den letzten Monaten wurden europäische Flughäfen wiederholt durch Drohnen- und Ballonvorfälle gestört, was zu massiven Flugausfällen und Reiseverzögerungen führte. Experten deuten diese Ereignisse als Teil einer umfassenderen russischen Hybridkriegsführung, die darauf abzielt, Gesellschaften zu destabilisieren und die Infrastruktur zu beeinträchtigen. Die Vorfälle verdeutlichen eine neue Realität für Europa seit dem Beginn des Ukraine-Krieges 2022.

Drohnen legen Flughäfen lahm: Eine neue Form der Störung

Am 22. September wurde der Flughafen Kopenhagen für fast vier Stunden geschlossen, nachdem mehrere große Drohnen in der Nähe gesichtet worden waren. Dies führte zur Umleitung von über 50 Flügen und zur Annullierung von mehr als 100 weiteren. Am selben Tag kam es auch am Flughafen Oslo in Norwegen zu Störungen bei 30 Flügen aufgrund einer mutmaßlichen Drohnensichtung.

Im Oktober wurde der Flughafen München innerhalb von 24 Stunden zweimal durch Drohnenvorfälle beeinträchtigt. Insgesamt wurden dadurch die Reisepläne von über 10.000 Menschen durchkreuzt. Diese Vorfälle sind nicht nur eine Belästigung für Reisende, sondern werden von Analysten und politischen Führern als Beispiele russischer Hybridkriegsführung eingestuft.

Hybridkriegsführung: Strategie der plausiblen Leugnung

Die Strategie der Hybridkriegsführung nutzt plausible Leugnung, um eine Gesellschaft zu untergraben. Sie kann Desinformation und Cyberangriffe umfassen, wie Blaise Metreweli, die Chefin des britischen Secret Intelligence Service, am 15. Dezember in ihrer Antrittsrede betonte: "Die neue Frontlinie ist überall." Diese Taktiken zielen darauf ab, Unsicherheit zu schaffen und die öffentliche Ordnung zu stören, ohne eine direkte militärische Konfrontation zu riskieren.

Von Ballons in Litauen bis zu Drohnen in Polen: Vielfältige Vorfälle

Besonders betroffen ist Litauen, wo der Flughafen Vilnius in den letzten zehn Wochen 15 Mal geschlossen wurde. Ursache waren jedoch keine Drohnen, sondern Ballons, die Zigarettenkisten aus Belarus über die Grenze schmuggelten. Sean Patrick, Senior Aviation Security Analyst bei Osprey Flight Solutions, erklärte dazu: "Es ist ziemlich clever, dies von russischer Seite auszunutzen, diese Systeme zu verwenden, und sie haben Litauen dazu gedrängt, diesen Notstand auszurufen."

Dreizehn Tage vor den Vorfällen in Skandinavien flogen etwa 20 russische Drohnen über die Grenze nach Polen. Der Luftraum über vier polnischen Flughäfen wurde geschlossen, während NATO-Kräfte Jets aufsteigen ließen und bis zu vier der Drohnen abschossen. Polen berief daraufhin Artikel 4 des NATO-Vertrags ein, der Konsultationen bei einer dringenden Situation vorsieht – die erste Anwendung seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022.

Während des Kopenhagener Vorfalls wurde zudem ein mit Russland verbundenes Schiff vor der dänischen Küste geortet. Das französische Militär enterte später den Öltanker, und der Kapitän, ein chinesischer Staatsbürger, wurde wegen Verweigerung von Anweisungen der französischen Marine angeklagt. Patrick merkte an: "Viele dieser Schiffe haben ihre Namen erst kürzlich geändert. Sie haben neue Flaggen. Das macht es sehr schwer zu verfolgen, wer was tut, wer für wen arbeitet."

Allerdings sind die Verbindungen zu Russland nicht immer eindeutig. Die norwegische Polizei stellte ihre Ermittlungen zum Oslo-Vorfall ein, da es nicht genügend Beweise für tatsächliche Drohnen gab. Der russische Präsident Wladimir Putin hat eine Beteiligung seines Landes bestritten. Ein Analystenbericht von Osprey Flight Solutions stellte fest: "Es bleibt unbestätigt, ob alle/einige der... Vorfälle direkt miteinander verbunden sind." Osprey schätzt, dass "einige der Drohnensichtungen wahrscheinlich Fehlidentifikationen sind – d.h. keine Drohnen."

Eskalation der Bedrohung: Von Paketbomben zu Sabotageversuchen

Die Drohnenvorfälle könnten ein Vorbote schlimmerer Entwicklungen sein. Im Juli 2024 explodierte ein Paket in einem DHL-Frachtzentrum in Leipzig, Deutschland. Der Leiter des deutschen Verfassungsschutzes sprach von einem "glücklichen Zufall", dass das verspätete Paket am Boden Feuer fing und nicht während des Fluges. Ähnliche Brände ereigneten sich in Depots in Polen und Großbritannien.

Im September erhoben litauische Staatsanwälte Anklage gegen 15 Personen wegen Terrorismusdelikten. Sie gaben an, dass die Personen, die Verbindungen zum russischen Geheimdienst haben sollen, Sprengsätze in vibrierenden Massagekissen platziert hatten, die mit elektronischen Zeitschaltuhren ausgelöst wurden. Die Pakete wurden alle aus Litauen versandt. Ermittler vermuten, dass es sich hierbei um Testläufe handelte, die auf die Sabotage von Flügen in die USA und Kanada abzielten.

Sean Patrick äußerte seine Besorgnis: "Man kann sich nicht vorstellen, dass Europa wegen einiger Ballons in Litauen in den Krieg mit Russland zieht. Und dann ist die Frage, wo ist die Grenze? Will Europa herausfinden, wo die Grenze ist?" Er fügte hinzu: "Das ist die Sorge. Wenn sie eine Eisenbahn in die Luft jagen oder einen Brandanschlag auf einem Transatlantikflug verüben, was ist der nächste Schritt? Wollen die Leute diesen nächsten Schritt herausfinden?"

Europas Reaktion und die anhaltende Spannung

Die Vorfälle verdeutlichen, dass die Europäer seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine im Jahr 2022 einer neuen Realität gegenüberstehen. Sogar der Flughafen Dublin, über 1.500 Meilen von Kiew entfernt, erlebte einen Drohnenvorfall, kurz nachdem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dort eingetroffen war.

Einige europäische Staats- und Regierungschefs fordern den Bau einer "Drohnenmauer" – ein Luftverteidigungssystem im Osten des Kontinents, um Drohnen aus Russland abzuwehren. Während die Diskussionen über ein Friedensabkommen in der Ukraine andauern, dürften die Spannungen hoch bleiben. Patrick prognostiziert: "Selbst wenn der Ukraine-Krieg zu einem Stillstand, einem Waffenstillstand oder einem Friedensabkommen kommt, denke ich, dass wir erwarten können, dass Russland diese Aktivitäten fortsetzt. Sie haben jetzt Geschmack daran gefunden."

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