Europas neue Sorgenkinder: Warum BIF-Staaten hohe Kreditkosten zahlen

Europas neue Sorgenkinder: Warum BIF-Staaten hohe Kreditkosten zahlen

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Drei der größten Volkswirtschaften Europas – Großbritannien, Italien und Frankreich – sehen sich am Anleihemarkt mit einer Glaubwürdigkeitskrise konfrontiert. Investoren verlangen von diesen Ländern, die kollektiv als "BIFs" bezeichnet werden, hohe Prämien für die Kreditaufnahme, während die Spreads zu "Kernnationen" wie den USA und Deutschland deutlich zunehmen. Dies ist eine Reaktion auf Inflationssorgen und die Frage, wie effektiv diese Staaten ihre fiskalischen Herausforderungen bewältigen können.

Die "BIFs": Europas neue Sorgenkinder am Anleihemarkt

Der Begriff "BIFs" – ein Akronym für Britain, Italy, France – wurde von der Financial Times geprägt und erinnert an die "PIIGS" (Portugal, Ireland, Italy, Greece, Spain) der europäischen Staatsschuldenkrise von 2011. Während die Krise von 2011 primär Solvenzprobleme betraf, ringen die Regierungen in London, Rom und Paris heute mit einer Glaubwürdigkeitsherausforderung. Investoren gruppieren sie zunehmend als die neuen "fiskalischen Missetäter".

Craig Inches, Head of Rates and Cash bei Royal London Asset Management, stellte fest, dass die Spreads zu Kernnationen wie den USA und Deutschland zugenommen haben. Die drei Länder sind aufgrund der hohen Kosten, die ihre Regierungen für die Emission von Staatsschulden zahlen müssen, ins Visier der Investoren geraten. Die Risikoprämie – die Differenz zwischen den Zinsen, die ein europäisches Land für seine Schulden zahlt, und denen, die Deutschland zahlt – liegt bei den BIF-Staaten seit über einem Jahr über der Spaniens.

Steigende Renditen: Ein Blick auf die aktuellen Zahlen

Die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen zeigen die gestiegenen Kreditkosten deutlich. Am Dienstag lagen die Renditen für 10-jährige britische Gilts bei 4,865 %, für französische OATs bei 3,6388 % und für italienische Anleihen bei 3,7693 %. Zum Vergleich: 10-jährige US-Treasurys rentierten bei 4,2876 %, während 10-jährige deutsche Bundesanleihen bei 2,999 % lagen.

Im Februar dieses Jahres zahlte Deutschland auf seine 10-jährige Anleihe einen Jahreszins von 2,75 %, während Spanien bei 3,18 % lag. Frankreich und Italien zahlten rund 3,4 %, und das Vereinigte Königreich sogar 4,4 %. Dies platziert die spanische Risikoprämie bei 0,4 Prozentpunkten, während die französische und italienische bei etwa 0,6 Punkten und die britische bei fast 1,7 Punkten lagen.

Individuelle Herausforderungen der BIF-Staaten

Jedes der drei BIF-Länder steht vor eigenen, einzigartigen Problemen, wie Craig Inches betont:

  • Frankreich: Nach der Wahl 2024 entstand ein "hung parliament", das die Regierungsentscheidungen und Strukturreformen stark einschränkt.
  • Italien: Unter Giorgia Meloni hat Italien zwar eine stabilere Regierung als seit vielen Jahren, kämpft aber mit einer sehr hohen Schuldenquote im Verhältnis zum BIP und steigenden Defiziten.
  • Großbritannien: Obwohl das Vereinigte Königreich die niedrigste Schuldenquote in der Region aufweist und eine Labour-Regierung mit großer Mehrheit im Parlament hat, sieht es sich mit einem Glaubwürdigkeitsproblem bei den Kreditgebern konfrontiert. Ein großer Teil der britischen Schulden fließt in Schuldendienstkosten und den Sozialstaat, und jüngste "politische Spielereien" bereiten Investoren Sorgen.

Joan Ribas, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Pompeu Fabra, weist darauf hin, dass zwei Variablen diesen Wandel erklären: Die BIF-Staaten haben sehr hohe Schulden und sehr niedrige Wachstumsraten in ihren Volkswirtschaften. Beides zusammen erzeugt einen schwer zu durchbrechenden Teufelskreis.

Schuldenquoten und Wirtschaftswachstum im Fokus

Die öffentliche Verschuldung wird als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts (BIP) berechnet. Laut Eurostat-Daten für das dritte Quartal 2025 lag dieser Prozentsatz für die 21 Länder der Eurozone insgesamt bei 88,1 %. Italien und Frankreich überschreiten diesen Wert deutlich mit 137,8 % bzw. 117,7 %, nur übertroffen von Griechenland mit 149,7 %.

Neben den hohen Schuldenquoten tragen auch die geringen Wachstumsraten der Wirtschaften in Italien und Frankreich zu den Problemen bei. Wenn Volkswirtschaften nicht wirklich aus dieser Situation herauswachsen oder sich nicht durch Inflation daraus befreien können, bedeutet dies, dass zukünftige Emissionen zu höheren Renditen erfolgen müssen.

Die Rolle der "Bond Vigilantes" und externe Schocks

Die "Bond Vigilantes" – Händler, die auf hohe Zinsen bei Staatsanleihen aus sind – haben die Finanzminister Italiens, Frankreichs und Großbritanniens im Visier. Sie suchen nach Ländern, die ihre jährlichen Ausgaben nicht kontrollieren können. Der Konflikt im Nahen Osten hat die kurzfristigen Schuldenrenditen aufgrund von Inflationsschock-Ängsten in die Höhe getrieben und zusätzliche Kosten verursacht.

Das Vereinigte Königreich ist nach dem Brexit-Votum und der Reaktion auf Covid, die im Mini-Budget 2022 von Liz Truss und Jeremy Hunts 40-Milliarden-Pfund-Geschenk vor der Wahl 2023-24 gipfelte, für seine Anfälligkeit für Hysterie bekannt geworden. Die Rendite für 10-jährige britische Anleihen stieg von etwa 1 % Anfang 2022 auf 4 % zwei Jahre später und erreichte letzte Woche 4,9 %. Dies ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, darunter der Kauf und spätere Verkauf von Anleihen durch die Bank of England, die Ukraine-Kriegsbedingte Inflation über 10 % und kostspielige Rettungspakete. Das jährliche Defizit Großbritanniens sprang 2024 über 6 %.

Strategien und Ausblick: Kampf gegen hohe Zinskosten

Um den steigenden Zinskosten entgegenzuwirken, versuchen die BIF-Länder, die Laufzeiten ihrer Schuldenemissionen zu verkürzen und die Menge der längerfristigen Staatsanleihen zu reduzieren. Dies soll die langfristigen Kosten senken. Dennoch bleibt die Prämie, die die BIF-Länder für die Kreditaufnahme zahlen, hoch. Investoren verlangen höhere Laufzeitprämien, um diesen Staaten längerfristig Geld zu leihen.

Rachel Reeves, die Finanzministerin des Vereinigten Königreichs, hat sich vorgenommen, das jährliche Defizit bis 2031 unter 2 % zu senken. Für dieses Vorhaben erhielt sie Lob von Kristalina Georgieva, der Chefin des Internationalen Währungsfonds. Die strukturellen Belastungen, denen die BIF-Länder ausgesetzt sind, werden jedoch auch weiterhin die längerfristigen Renditen in die Höhe treiben.

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