
Eurozone Inflation steigt auf 2,5%: Iran-Krieg treibt Energiepreise hoch
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Die Inflation in der Eurozone ist im März auf 2,5 Prozent gestiegen, ein deutlicher Anstieg gegenüber den 1,9 Prozent im Februar. Hauptursache für diesen Anstieg sind die stark gestiegenen Energiepreise, die durch den Iran-Krieg und die damit verbundenen Lieferengpässe im Persischen Golf ausgelöst wurden. Dies stellt die Europäische Zentralbank vor neue Herausforderungen bei ihrer Geldpolitik.
Inflation in der Eurozone steigt deutlich
Laut offiziellen Zahlen von Eurostat, die am Dienstag veröffentlicht wurden, erreichte die jährliche Inflationsrate in den 21 Ländern der Eurozone im März 2,5 Prozent. Dies markiert einen spürbaren Anstieg gegenüber den 1,9 Prozent, die im Februar vor Beginn des Iran-Krieges verzeichnet wurden. Die Verbraucherpreise in der Eurozone verzeichneten damit den schnellsten Anstieg seit über einem Jahr und überschritten erstmals seit November das 2-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB).
Energiepreise als Haupttreiber
Der Hauptgrund für den Inflationsanstieg liegt in den stark gestiegenen Energiepreisen, die direkt mit dem Iran-Krieg in Verbindung gebracht werden. Im März erhöhten sich die Energiepreise um 4,9 Prozent, nachdem sie im Februar noch um 3,1 Prozent gesunken waren. Dieser Anstieg ist der erste jährliche Zuwachs seit Anfang 2025 und spiegelt den Anstieg der globalen Rohölpreise wider, wobei Brent seit der Eskalation des Konflikts Ende Februar um über 50 Prozent auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen ist.
Der Iran hat den Großteil des Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus blockiert, eine Wasserstraße, durch die typischerweise etwa 20 Prozent des weltweiten Öls und Gases transportiert werden. Diese Blockade führt zu der Erwartung deutlich angespannterer Kraftstoffmärkte in den kommenden Wochen und Monaten.
Auswirkungen auf Verbraucher und Märkte
Die Auswirkungen der gestiegenen Kraftstoffpreise sind bereits im Alltag spürbar, beispielsweise auf dem großen Trionfale-Markt in Rom. Anna Caruso, Inhaberin eines Gemüsestandes, berichtete, dass die höheren Kraftstoffkosten sich in den Preisen für Zucchini, Auberginen und Obst niederschlagen. Sie erklärte: „Wenn der Kraftstoffpreis steigt, erhöhen diejenigen, die transportieren, den Gesamtpreis.“ Dies führe dazu, dass Kunden bei vielen Artikeln sagen, sie könnten es sich nicht leisten, und stattdessen zu günstigeren Alternativen greifen.
Paola Ianzi, eine weitere Standbesitzerin, bestätigte, dass ein Teil der Preiserhöhungen auf den Krieg zurückzuführen sei, da Diesel und Kraftstoff teurer geworden sind und die Transportunternehmen dies kompensieren müssen. Einige Preissteigerungen seien zwar auch saisonbedingt, doch der Einfluss des Krieges sei unverkennbar.
Blick auf weitere Preiskomponenten
Während die Energiepreise den größten Einfluss hatten, entwickelten sich andere Preiskategorien moderater. Die Lebensmittelpreisinflation lag bei 2,4 Prozent. Dienstleistungen, eine breite Kategorie von medizinischer Versorgung bis hin zu Friseurbesuchen, verzeichneten einen Anstieg von 3,2 Prozent, was eine leichte Abschwächung gegenüber den 3,4 Prozent im Vormonat darstellt.
Die Kerninflation, welche die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise ausschließt, sank im März leicht auf 2,3 Prozent von 2,4 Prozent im Februar. Dies deutet darauf hin, dass der aktuelle Inflationsschub hauptsächlich energiegetrieben ist. Industrielle Güter ohne Energieanteil stiegen lediglich um moderate 0,5 Prozent, was auf einen begrenzten Preisdruck in diesen Sektoren hindeutet.
Die EZB vor einem Dilemma
Die Europäische Zentralbank (EZB) steht angesichts des Inflationsanstiegs vor einem geldpolitischen Dilemma. EZB-Präsidentin Christine Lagarde äußerte, dass Unternehmen bei diesem Inflationsausbruch möglicherweise schneller Preise erhöhen könnten, da sie noch die "bitteren Erinnerungen" an die letzte Phase höherer Preise im Jahr 2022 hätten. Damals stieg die Inflation in den zweistelligen Bereich, als Russland die meisten Gaslieferungen nach Europa einstellte und die Ölpreise stark anstiegen.
Lagarde betonte zudem, dass die Reaktion "angemessen energisch oder hartnäckig" sein müsse, falls die Inflation erheblich vom Ziel abweicht. Die EZB-Ratsmitglieder prüfen nun, ob der Anstieg der Inflation eine geldpolitische Reaktion erfordert, insbesondere wenn höhere Energiepreise auf Löhne und Dienstleistungen übergreifen. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel mahnte jedoch zur Vorsicht: „Wir müssen wachsam sein, aber es gibt keinen Grund zur Eile.“ Die Zentralbank werde beobachten, ob Zweitrundeneffekte auftreten.
Die Finanzmärkte preisen bereits fast drei Zinserhöhungen in diesem Jahr vom aktuellen Niveau von 2,0 Prozent ein, wobei Erwartungen für einen möglichen Schritt bei der nächsten geldpolitischen Sitzung Ende April wachsen. Der Inflationsanstieg kommt zudem zu einer Zeit, in der das Wirtschaftswachstum im Euroraum bereits unter Druck steht. Die EZB hat ihre Wachstumsprognose kürzlich auf nur 0,9 Prozent BIP-Expansion für dieses Jahr gesenkt, gegenüber 1,5 Prozent im Jahr 2025. Für 2026 erwartet die EZB eine durchschnittliche Inflation von 2,6 Prozent.
Expertenmeinungen zur weiteren Entwicklung
Ökonomen sehen die entscheidende Frage darin, ob die höheren Energiekosten auf die breitere Inflationsdynamik übergreifen werden. Andrew Kenningham, Chefvolkswirt für Europa bei Capital Economics, merkte an, dass die jüngsten Zahlen nur begrenzte Klarheit über die Dauerhaftigkeit der Inflation bieten. Er betonte: „Dies wird von der Dauer und Schwere des Iran-Konflikts abhängen“, und verwies auf die Unsicherheit an den Energiemärkten.