Exxon Mobil und Chevron: Gewinneinbruch trotz hoher Ölpreise durch Iran-Krieg

Exxon Mobil und Chevron: Gewinneinbruch trotz hoher Ölpreise durch Iran-Krieg

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Die beiden größten US-Ölkonzerne, Exxon Mobil und Chevron, haben im ersten Quartal 2026 einen erheblichen Rückgang ihrer Gewinne verzeichnet. Obwohl die Ölpreise aufgrund des Iran-Krieges stark anstiegen, führte dies nicht zu den erwarteten Mehreinnahmen, sondern zu dramatisch gefallenen Profiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Q1 2026 Finanzergebnisse im Detail

Exxon Mobil meldete einen Nettoertrag von 4,2 Milliarden US-Dollar oder 1,00 US-Dollar pro Aktie, ein Rückgang von 45 % gegenüber 7,7 Milliarden US-Dollar oder 1,76 US-Dollar pro Aktie im Vorjahr. Bereinigt um negative Zeiteffekte und andere Posten, erreichte das Unternehmen 8,8 Milliarden US-Dollar oder 2,09 US-Dollar pro Aktie. Die bereinigten Gewinne pro Aktie lagen bei 1,16 US-Dollar und übertrafen damit die Erwartungen der Wall Street. Der Umsatz betrug 85,14 Milliarden US-Dollar und übertraf ebenfalls die erwarteten 82,18 Milliarden US-Dollar.

Chevron verzeichnete einen Gewinn von 2,2 Milliarden US-Dollar oder 1,11 US-Dollar pro Aktie, ein Rückgang von 36 % gegenüber 3,5 Milliarden US-Dollar oder 2,00 US-Dollar pro Aktie im Vorjahr. Das Unternehmen verbuchte eine Belastung von 2,9 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit seinen finanziellen Absicherungen. Nach Anpassungen erzielte Chevron einen bereinigten Gewinn von 1,41 US-Dollar pro Aktie und übertraf damit die Schätzungen von 0,95 US-Dollar. Der Umsatz lag bei 48,61 Milliarden US-Dollar und verfehlte damit die Schätzungen von 52,1 Milliarden US-Dollar.

Der Einfluss des Iran-Krieges auf die Ölpreise und Lieferketten

Die Ölpreise waren in den ersten beiden Monaten des Jahres gedrückt, da der Markt einen Überschuss erwartete. Dies änderte sich jedoch schlagartig, nachdem die USA und Israel am 28. Februar Iran angriffen. Seitdem sind die Preise um 57 % gestiegen, da der Krieg die größte Ölversorgungsstörung in der Geschichte verursacht hat. Brent-Rohöl erreichte in den letzten Wochen über 112 US-Dollar pro Barrel, den höchsten Stand seit vier Jahren.

Chevron-CEO Mike Wirth erklärte gegenüber CNBC, dass das globale Energiesystem weiterhin extrem unter Druck stehe. Er prognostizierte steigende Ölpreise, bis die Straße von Hormus wieder geöffnet sei. Diese Meerenge ist seit Beginn der Kampfhandlungen weitgehend blockiert, was die Lieferketten massiv beeinträchtigt.

Absicherungsverluste und "Timing Effects"

Ein wesentlicher Faktor für die Gewinnrückgänge waren finanzielle Absicherungsgeschäfte. Exxon Mobil warnte bereits früher im Monat, dass der Iran-Krieg die Ergebnisse belasten würde. Das Unternehmen verlor fast 4 Milliarden US-Dollar bei offenen Absicherungen aufgrund eines sogenannten "Timing Effects". Der Wert der abgesicherten Produktlieferungen wurde im Quartal nicht berücksichtigt, da ihre Auslieferung noch nicht abgeschlossen war. Zusätzlich gab es einen Verlust von 700 Millionen US-Dollar bei geschlossenen Absicherungen, die nicht durch physische Lieferungen ausgeglichen wurden.

Exxons Finanzchef Neil Hansen erklärte, dass diese Buchhaltung oft lange vor dem Abschluss des Verkaufs des zugehörigen physischen Produkts erfolge. Diese Auswirkungen würden sich jedoch im Laufe der Zeit auflösen, da die Absicherungen nach Lieferung der Produkte letztendlich zu einem Nettogewinn in den Folgequartalen führen sollen. Insgesamt beliefen sich die Mark-to-Market-Derivateverluste von Exxon und Chevron zusammen auf etwa 7 Milliarden US-Dollar.

Produktionsausfälle und regionale Störungen

Der Iran-Krieg führte auch zu erheblichen Produktionsausfällen. Exxon Mobil und Chevron verloren im ersten Quartal etwa 6 % ihrer weltweiten Produktion. Diese Verluste sind größtenteils auf die Schließung der Straße von Hormus zurückzuführen.

Exxon Mobil bezieht etwa 20 % seiner Produktion aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, beides Regionen, die stark von den Schifffahrtsstörungen in der Straße von Hormus betroffen sind. Darüber hinaus wurden im vergangenen Monat zwei von Exxons Flüssigerdgas-Produktionslinien in Katar durch iranische Raketen beschädigt. Dies beeinträchtigt etwa 3 % der globalen Produktion des Unternehmens und könnte Jahre für die Reparatur in Anspruch nehmen.

Analystenperspektiven und Ausblick

Analysten haben ihre Prognosen für die Ergebnisse von Exxon und Chevron schnell gesenkt, nachdem die Unternehmen die Milliardenverluste aus Derivaten offengelegt hatten. Lloyd Byrne, Analyst bei Jefferies Financial Group Inc., kommentierte, dass der Nahe Osten zu einem "chaotischen Quartal" führe.

Trotz der aktuellen Herausforderungen und der Produktionsrückgänge durch den Iran-Krieg zeigte sich Chevron in der Vergangenheit widerstandsfähig. Das Unternehmen hat in den letzten vier Quartalen die Konsensschätzungen für den Gewinn übertroffen. Chevrons laufende Kostenrestrukturierung, die bis Ende 2026 Einsparungen von 3 bis 4 Milliarden US-Dollar anstrebt, könnte sich positiv auf zukünftige Cashflows auswirken. Für das Gesamtjahr 2026 prognostizieren Analysten für Chevron einen Umsatz von 214 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn pro Aktie von 13,55 US-Dollar, was eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr bedeuten würde.

Die Aktien von Exxon und Chevron zeigten sich nach Bekanntgabe der Ergebnisse im vorbörslichen Handel leicht positiv, da beide Unternehmen die Gewinnschätzungen der Wall Street übertrafen, trotz der erheblichen Belastungen durch den Iran-Krieg. Dies deutet darauf hin, dass der Markt die temporäre Natur der Absicherungsverluste und die zugrunde liegende Stärke der Unternehmen berücksichtigt.