F-35: Die wahren Kosten des teuersten Rüstungsprogramms der Geschichte

F-35: Die wahren Kosten des teuersten Rüstungsprogramms der Geschichte

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Das F-35-Programm von Lockheed Martin gilt als das teuerste Rüstungsprojekt der Geschichte mit geschätzten 2,1 Billionen US-Dollar über seine Lebensdauer bis 2088. Die immensen Kosten resultieren nicht primär aus dem Stückpreis des hochentwickelten Stealth-Kampfjets, sondern aus dem gigantischen Umfang, der langen Nutzungsdauer und insbesondere den Aufwendungen für Wartung und Instandhaltung.

Das F-35-Programm: Ein Überblick der Kosten

Das F-35-Programm von Lockheed Martin, das über 2.400 Jets bis 2049 produzieren soll, wird voraussichtlich 2,1 Billionen US-Dollar über seine Lebensdauer bis 2088 kosten. Dieser Kampfjet der fünften Generation wurde entwickelt, um mehrere Flugzeugtypen zu ersetzen, eine breite Palette von Missionen zu erfüllen und Radarerkennung zu vermeiden. Seine fortschrittliche Technologie spiegelt einen breiteren Trend zu komplexerer und kostspieligerer Militärtechnologie wider.

Instandhaltung als Hauptkostentreiber

Der Großteil der Gesamtkosten des F-35-Programms entsteht nach der Produktion. Laut einem Bericht des Government Accountability Office (GAO) aus dem Jahr 2024 machen die Instandhaltung – also die Kosten für Wartung und Reparatur der Flugzeuge über die Zeit – etwa 75 % der geschätzten Gesamtkosten aus. Die Notwendigkeit von Ersatzteilen und Logistiksystemen wächst über Jahrzehnte hinweg, was die Gesamtkosten des Programms stetig in die Höhe treibt.

Die Schätzungen für die Instandhaltung stiegen von etwa 1,1 Billionen US-Dollar im Jahr 2018 auf rund 1,58 Billionen US-Dollar im Jahr 2023. Das GAO führte dies teilweise auf eine längere Flugzeit pro Flugzeug zurück. Paul Saunier, ein pensionierter Lockheed Martin Ingenieur, der am F-35 arbeitete, erklärte, dass der Bedarf an Ersatzteilen mit dem Verschleiß und "Lebenszyklusschäden" des Jets zunimmt.

Ein Sprecher von Lockheed Martin teilte mit, dass die Kosten zur Aufrechterhaltung der gesamten Flotte zwar gestiegen sind, die jährlichen Instandhaltungskosten pro Flugzeug in den letzten zehn Jahren jedoch um etwa ein Drittel gesunken sind. Trotzdem liegen die Kosten pro Flugzeug weiterhin deutlich über dem ursprünglichen Ziel von 4,1 Millionen US-Dollar für jedes Flugzeug der Air Force.

Stückkosten im Vergleich: F-35 ist nicht das teuerste Flugzeug

Ein einzelner F-35 ist nicht das teuerste Flugzeug im US-Arsenal. Die F-15EX Eagle II kostet beispielsweise etwa 99 Millionen US-Dollar in der Produktion, verglichen mit rund 90 Millionen US-Dollar für die F-35. Andere Flugzeuge wie der B-2 Spirit Stealth Bomber kosten durchschnittlich 2 Milliarden US-Dollar pro Stück.

Die beworbenen "Flyaway-Kosten" für eine F-35A der Lots 15, 16 und 17 liegen bei etwa 82 Millionen US-Dollar, was für einen Kampfjet dieser Klasse als "unglaublich günstig" bezeichnet wird. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass die "Flyaway-Kosten" nur den Anfang darstellen. Ein Kampfjet ist in diesem Zustand zwar flugfähig, aber nicht kampfbereit oder integrierbar. Die tatsächlichen Gesamtkosten für den Betrieb, die Ausbildung und das gesamte Ökosystem über 40 Jahre sind erheblich höher.

Strukturelle Kostenfaktoren und Produktionsumfang

Die Ersatzteile für die F-35 sind teuer, da sie von einem begrenzten Kreis autorisierter Lieferanten stammen. Diese sind oft an die US-Verteidigungsindustrie oder andere fortgeschrittene Volkswirtschaften wie Großbritannien, Australien und Kanada gebunden. Amerikanische Fabriken haben höhere Lohnkosten und leiden unter Arbeitskräftemangel, was die Preise weiter in die Höhe treibt. Allein in den USA sichert die F-35-Produktion schätzungsweise 317.000 Arbeitsplätze.

Die F-35-Flotte ist mit drei verschiedenen Varianten etwa 25-mal größer als das F-15EX-Programm, was zu den prognostizierten Instandhaltungskosten von über einer Billion US-Dollar beiträgt. Lockheed Martin liefert durchschnittlich 150 Jets pro Jahr aus. Konkurrenten wie Boeings F-15EX, Dassaults Rafale und der Eurofighter Typhoon produzieren hingegen nur wenige Dutzend Jets pro Jahr.

Im Jahr 2024 lieferte Lockheed 110 F-35s aus, für 2025 waren zwischen 170 und 190 geplant, einschließlich der Behebung früherer Softwareprobleme. Bis 2025 wurden über 1.200 F-35s ausgeliefert.

Die Rolle von Lockheed Martin und geistiges Eigentum

Ein GAO-Bericht aus dem Jahr 2025 stellte fest, dass das US-Militär möglicherweise nicht über die erforderlichen Datenrechte verfügt, um Wartungsarbeiten ohne einen autorisierten Auftragnehmer durchzuführen. Da Lockheed Martin das geistige Eigentum für die F-35 besitzt, ist die Regierung für bestimmte Wartungsarbeiten, einschließlich Software-Diagnosen und Triebwerksreparaturen, auf das Unternehmen angewiesen.

Kongressabgeordneter Pat Ryan, ein US-Armeeveteran, äußerte Bedenken: "Das Letzte, was unsere Truppen tun sollten, ist, auf Auftragnehmer zu warten, die mehr für langsamere Reparaturen verlangen." Im Juli 2025 führten die Senatoren Elizabeth Warren und Tim Sheehy den "Warrior Right to Repair Act" ein, der dem Militär Zugang zu Daten und geistigem Eigentum von Waffensystemen ermöglichen soll.

Ein Sprecher von Lockheed Martin betonte, dass Regierungskunden bereits Zugang zu den für den Betrieb und die Wartung der F-35 erforderlichen Daten haben. Das Unternehmen arbeite mit dem Joint Program Office des Verteidigungsministeriums zusammen, um den Zugang zu Analysetools zu erweitern.

Historische Entwicklung der Rüstungsbeschaffung

Der Preis der F-35 spiegelt einen längeren Wandel in der Art und Weise wider, wie die USA Waffen bauen. Während des Zweiten Weltkriegs setzte die USA auf Massenproduktion; eine B-17 Bomber kostete 1944 etwa 200.000 US-Dollar (heute rund 3,5 Millionen US-Dollar). Nach dem Krieg verlagerte sich der Fokus auf fortgeschrittene Fähigkeiten, was die Produktionskosten in die Höhe trieb.

Die Konsolidierung der US-Unternehmen nach dem Kalten Krieg führte dazu, dass bis 1997 aus 51 großen Auftragnehmern nur noch fünf wurden: Lockheed Martin, Raytheon (jetzt RTX), Boeing, General Dynamics und Northrop Grumman. Shelby Oakley, Direktorin der GAO-Abteilung für Vertragsvergabe und nationale Sicherheitsbeschaffung, merkte an, dass dies der Regierung wenig Verhandlungsmacht lässt. Moderne Waffenprogramme sind zudem von Verzögerungen betroffen; die F-35 wurde beispielsweise erst 2011 statt wie ursprünglich erwartet 2008 ausgeliefert.

Die einzigartigen Fähigkeiten der F-35

Die F-35 Lightning II wird als "Supercomputer mit Super-Sensorik und Super-Fusion" beschrieben, der in einer eigenen Klasse existiert. Sie reduziert den Bedarf an zusätzlichen Systemen wie AEW&C und elektronischer Kriegsführung, da sie ein umfassendes Lagebild des Gefechtsfeldes bietet und in der elektronischen Kriegsführung hervorragend ist. Selbst eine begrenzte Anzahl von F-35s kann die Fähigkeiten bestehender Flotten von Kampfjets der vierten Generation erheblich steigern, wie beispielsweise die Eurofighter Typhoons in Großbritannien, Deutschland und Italien.

Die F-35 hat ihre Fähigkeiten im Iran-Krieg unter Beweis gestellt, indem sie verteidigten Luftraum durchdrang, Luftverteidigung unterdrückte und präzise Schläge gegen hochrangige Ziele ausführte. Ihre Sensorfusion lieferte Kommandeuren ein integriertes Bild des Schlachtfeldes, das ebenso entscheidend war wie die Waffen selbst.

Strategische Debatte: Meisterwerk für den falschen Krieg?

Trotz ihrer unbestreitbaren Leistungsfähigkeit wird die F-35 von einigen als "Meisterwerk, das für den falschen Krieg gebaut wurde" betrachtet. Moderne Konflikte, wie der Drohnenkrieg in der Ukraine oder Marinegefechte im Roten Meer, bevorzugen zunehmend Systeme, die in großem Maßstab produziert und bei Verlust ersetzt werden können. Kritiker argumentieren, dass eine Streitmacht, die überwiegend auf einer einzigen, teuren Plattform mit geringer Produktionskapazität basiert, nicht für lange, langwierige Kriege ausgelegt ist.

Kriegsspiele, die ein Taiwan-Szenario untersuchen, zeigen, dass die meisten Flugzeugverluste am Boden statt in der Luft auftreten. Dies deutet auf die Notwendigkeit einer ausgewogenen Streitmacht hin, die die einzigartigen Fähigkeiten der F-35 nutzt, aber auch ihre Grenzen durch die Beschaffung unbemannter Systeme absichert. Die Debatte dreht sich nicht nur darum, wie viel die USA ausgeben, sondern auch darum, wie diese Mittel in Ausrüstung, Zeitpläne und langfristigen Wert für Steuerzahler und Militärangehörige umgesetzt werden.

Erwähnte Persönlichkeiten