
Farbedelsteine als Investment: Luxusgüter im Fokus der Anleger
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In Zeiten wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit suchen wohlhabende Konsumenten verstärkt nach stabilen Wertanlagen. Dabei rückt eine unerwartete Anlageklasse in den Fokus: hochwertiger Schmuck. Insbesondere farbige Edelsteine etablieren sich zunehmend als attraktive Sachwerte und bieten Anlegern eine Alternative zu traditionellen Investitionen.
Schmuck als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten
Die Flucht in Sachwerte ist ein wiederkehrendes Muster in Phasen erhöhter Marktvolatilität und Inflation. Thorne Perkin, Präsident der Investmentfirma Papamarkou Wellner Perkin, betont, dass materielle Vermögenswerte dazu neigen, ihren Wert zu erhalten oder sogar zu steigern, wenn die Inflation steigt. Luca Solca, globaler Leiter für Luxusgüter bei Bernstein, schätzt, dass etwa ein Drittel des erneuten Interesses an gold- und edelsteinlastigem Schmuck auf dieses "Flight-to-Safety"-Verhalten von Investoren zurückzuführen ist.
Ein bemerkenswertes Beispiel für diese Entwicklung war der Verkauf einer Tiffany & Co. Halskette mit einem Paraiba-Turmalin und Diamanten bei einer Christie's Auktion im Dezember. Das Schmuckstück erzielte über 4,2 Millionen US-Dollar, das Zehnfache des unteren Schätzwertes. Mario Ortelli, Managing Partner bei Ortelli&Co., sieht in diesem Trend ein klares "defensives Element", da die Attraktivität von Sachwertanlagen bei makroökonomischer Volatilität zunimmt.
Der Aufstieg der Farbedelsteine
Während der Luxusmarkt insgesamt eine gewisse Abschwächung erlebt, verzeichnet der Bereich "Hard Luxury" – zu dem Uhren und edler Schmuck gehören – in den letzten zwei Jahren ein deutliches Wachstum. Caroline Reyl, Senior Investment Manager bei Pictet, beobachtet eine Verschiebung weg von "Soft Luxury"-Artikeln wie Handtaschen, deren Preise aufgrund starker Nachfrage und Lieferkettenproblemen extrem gestiegen waren. Gleichzeitig haben Qualitätsbedenken bei einigen dieser Produkte zugenommen, wie eine Bernstein-Studie zeigt, die fallende Auktionspreise für Hermès-Handtaschen und gesunkene Wiederverkaufspämien feststellte.
Farbedelsteine wie Rubine, Saphire und Smaragde sind besonders gefragt und gehören zu den am schnellsten wachsenden Segmenten im Schmuckbereich. Lucrezia Buccellati, Schmuckdesignerin und Co-Kreativdirektorin des italienischen Hauses Buccellati, hebt hervor, dass dies insbesondere in asiatischen Märkten zutrifft. Diese Steine ermöglichen kreativere Designs und sprechen Käufer an, die unverwechselbare und persönliche Stücke suchen.
Warum Farbedelsteine Diamanten übertreffen
Die Attraktivität von Farbedelsteinen liegt in ihrer Seltenheit und Einzigartigkeit. Im Gegensatz zu Diamanten, die von relativ strukturierten Versorgungssystemen profitieren, sind feine Farbedelsteine geologisch knapp und oft einzigartig in ihrem Charakter. Ankur Daga, Gründer und CEO des E-Commerce-Unternehmens Angara, weist auf einen "echten Mangel an edelsteinwürdigem Material" hin, das aus der Erde kommt. Er erklärt, dass es schwieriger ist, farbige Edelsteine im Labor zu replizieren.
Die Einschlüsse – Mineralien, die während der Bildung im Stein eingeschlossen sind – verleihen Farbedelsteinen Charakter und können ihren Wert steigern. Jacqueline DiSante, Vizepräsidentin und Verkaufsleiterin der Schmuckabteilung von Christie's New York, vergleicht jeden Farbedelstein mit einem Kunstwerk: "Keine zwei sind genau gleich, und ich denke, das macht sie für den heutigen Markt so interessant." In einer Welt, in der laborgewachsene Diamanten zunehmend verfügbar sind, bieten Saphire, Rubine oder Smaragde eine unvergleichliche Authentizität.
Experten wie Daga erwarten, dass Farbedelsteine schneller an Wert gewinnen werden als Gold. Bei Auktionen von Sotheby's und Christie's werden diese Edelsteine zu Preisen gehandelt, die noch vor fünf Jahren undenkbar gewesen wären. Farbedelsteine erzielen dort oft das Zwei- bis Dreifache der oberen Schätzwerte, was als "sehr ungewöhnlich" gilt. Die Beliebtheit zeigt sich auch in Verlobungsringen: Schätzungsweise 15 % der heutigen Verlobungsringe enthalten einen Farbedelstein, gegenüber 5 % vor einem Jahrzehnt. Prominente wie Kate Middleton, Eva Longoria und Halle Berry haben diesen Trend zusätzlich befeuert.
Mehr als nur Wert: Emotion und Prestige
Neben dem reinen Investmentaspekt spielt auch eine emotionale Komponente eine Rolle. Thorne Perkin bezeichnet Schmuck als "Leidenschaftsinvestition", bei der Konsumenten auch vom "Element des Prestiges" angezogen werden. Mario Ortelli stimmt dem zu und betont, dass Markenwert, Handwerkskunst und das Element der Knappheit die Wahrnehmung von Beständigkeit und Werterhalt verstärken.
Ortelli zufolge haben Markenschmuckstücke historisch gesehen langfristig jährliche Preissteigerungen im mittleren bis hohen einstelligen Bereich erfahren, abhängig von Marke und Design. Er merkt an, dass Besitzer über einen Horizont von 5-10 Jahren oft über ihrem ursprünglichen Kaufpreis aussteigen können, da der Wiederverkauf in der Regel mit einem moderaten Abschlag zum aktuellen Einzelhandelspreis erfolgt.
Die Rolle von Gold und Markenwert
Steigende Goldpreise haben ebenfalls zur Attraktivität von Schmuck als Investment beigetragen. Gold, lange als sicherer Hafen betrachtet, erreichte im Januar seinen höchsten Preis aller Zeiten mit über 5.100 US-Dollar pro Unze. Obwohl die Preise seitdem leicht nachgegeben haben, liegt der Wert immer noch bei über 4.500 US-Dollar pro Unze. Andrew Brown, Gründer und CEO der Luxus-Wiederverkaufsplattform MyGemma, sieht in den Rekord-Goldpreisen einen Anreiz für Sammler, Stücke zu verkaufen.
Die Langlebigkeit von Schmuck auf dem Wiederverkaufsmarkt ist ein weiterer wichtiger Faktor. Brown berichtet, dass Kunden Markenschmuck oft Jahre nach dem Kauf wiederverkaufen, wobei die Preise deutlich besser halten als bei Designer-Handtaschen, die durch Gebrauch schneller Abnutzungserscheinungen zeigen. Ankur Daga betont, dass Leder nicht viel intrinsischen Wert besitzt, während Gold als sehr wertvolles Asset zunehmend verstanden wird.
Die Reputation als langfristiger Wertspeicher wird durch die Haltbarkeit und den Markenwert bekannter Häuser wie Cartier, Van Cleef & Arpels, Tiffany & Co. und Bulgari untermauert. Brown schätzt, dass diese vier Marken rund 90 % der Schmuckverkäufe von MyGemma ausmachen. Der intrinsische Wert des Metalls schafft einen Preisboden für goldlastigen Schmuck, während außergewöhnliche Edelsteine erhebliche Sammlerprämien erzielen können.