
Fed-Chef Powell bleibt vorerst im Amt: DOJ-Ermittlung und Zinspolitik im Fokus
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US-Notenbankchef Jerome Powell hat bestätigt, dass er über das Ende seiner Amtszeit hinaus an der Spitze der Federal Reserve bleiben könnte. Grund dafür sind Verzögerungen bei der Bestätigung seines Nachfolgers sowie eine laufende Untersuchung des Justizministeriums (DOJ). Ein Bundesrichter hat die Vorwürfe gegen Powell kürzlich als politisch motiviert zurückgewiesen, doch das DOJ plant, diese Entscheidung anzufechten.
Powell bleibt vorerst im Amt
Jerome Powell erklärte am Mittwoch, dass er beabsichtigt, im Amt zu bleiben, bis ein Nachfolger bestätigt wurde. Seine Amtszeit als Vorsitzender endet am 26. Mai, seine Mitgliedschaft im Board of Governors läuft jedoch bis 2028. Powell betonte, er habe nicht die Absicht, das Board zu verlassen, solange die Untersuchung nicht "wirklich und wahrhaftig mit Transparenz und Endgültigkeit" abgeschlossen sei.
Diese Haltung könnte Powell auf unbestimmte Zeit an seinem Posten halten, da die Bestätigung eines Nachfolgers durch den Senat und der Abschluss der DOJ-Ermittlung noch ausstehen. Powell verwies auf die gesetzlichen Bestimmungen, die dies in solchen Fällen vorsehen, und nannte frühere Präzedenzfälle, die auch ihn selbst betrafen. Ob er den Rest seiner Amtszeit als Gouverneur bis 2028 dienen wird, ließ er offen.
Justizministerium-Ermittlung und richterliche Entscheidung
Die Untersuchung des Justizministeriums konzentriert sich auf Powells Aussage vom Juni letzten Jahres bezüglich Renovierungsarbeiten am Hauptsitz der Federal Reserve. Im Januar hatte Powell bekannt gegeben, dass die Federal Reserve Vorladungen der Grand Jury vom Justizministerium im Rahmen einer laufenden strafrechtlichen Untersuchung gegen ihn erhalten hatte. Diese Vorladungen drohten mit einer strafrechtlichen Anklage.
Ein Bundesrichter, Chief Judge James Boasberg vom U.S. District Court for the District of Columbia, wies die Vorladungen letzte Woche zurück. In seinem Urteil vom 11. März, das am Freitag entsiegelt wurde, stellte Boasberg fest, dass die Vorladungen lediglich ein Vorwand seien, um Powell unter Druck zu setzen, entweder niedrigere Zinsen zu befürworten oder zurückzutreten. Er sah "überwältigende Beweise", dass der Hauptzweck der Untersuchung darin bestand, Powell zu belästigen und zu drängen.
Boasberg zitierte in seiner Begründung auch frühere Äußerungen von Präsident Trump, der Powell wiederholt für seine Zinspolitik kritisiert hatte. Der Richter schrieb, die Regierung habe "keinerlei Beweise" dafür vorgelegt, dass Powell ein Verbrechen begangen habe, außer dem Präsidenten zu missfallen. U.S. Attorney Jeanine Pirro für den District of Columbia kündigte jedoch an, die Entscheidung anzufechten, da "niemand über dem Gesetz steht".
Nachfolge und politische Spannungen
Das Weiße Haus hatte den ehemaligen Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Powells Nachfolger nominiert. Eine Anhörung zur Bestätigung von Warsh wurde jedoch noch nicht angesetzt. Senator Thom Tillis (R-N.C.) hat angekündigt, gegen einen neuen Fed-Vorsitzenden zu stimmen, solange die DOJ-Untersuchung gegen Powell läuft. Tillis bezeichnete die Untersuchung als "schwachen und frivolen" Angriff auf die Unabhängigkeit der Fed.
Die Situation unterstreicht die anhaltenden Spannungen zwischen der Federal Reserve und der Trump-Administration. Präsident Trump hatte Powell, den er 2018 selbst ernannt hatte, wiederholt als "dumm" und "zu langsam" bezeichnet, weil er die Zinsen nicht schneller gesenkt hatte. Powell wies die Vorwürfe des "Betrugs" im Zusammenhang mit den Renovierungen zurück und nannte die DOJ-Untersuchung einen "Vorwand", um die Fed zu niedrigeren Zinsen zu drängen.
Ein weiterer Fall, der die Unabhängigkeit der Fed betrifft, ist die Klage von Fed-Gouverneurin Lisa Cook gegen Präsident Trump, nachdem dieser versucht hatte, sie im letzten Sommer zu entlassen. Der Oberste Gerichtshof, der im Januar eine Anhörung abhielt, zeigte sich skeptisch, dem Präsidenten so viel Macht über die Fed zu geben. Eine Entscheidung in Cooks Fall wird bis Juni erwartet.
Geldpolitik und Wirtschaftsausblick
Unabhängig von den personellen und rechtlichen Auseinandersetzungen hat der Offenmarktausschuss (FOMC) der Federal Reserve am Mittwoch mehrheitlich beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Der Zielbereich für den Leitzins bleibt bei 3,5 % bis 3,75 %. Lediglich Fed-Gouverneur Stephen Miran, der seit seiner Bestätigung im September auf erhebliche Zinssenkungen drängt, sprach sich für eine Senkung um einen Viertelpunkt aus.
Powell bekräftigte das Engagement der Federal Reserve, die Inflation auf das 2 %-Ziel zurückzuführen. Zinssenkungen würden vom weiteren Fortschritt bei der Inflationsbekämpfung abhängen. Die Inflation hatte sich im Januar auf 2,4 % abgeschwächt, nach etwa 2,7 % in den Vormonaten.
Die jüngsten Arbeitsmarktdaten waren uneinheitlich: Im Januar wurden 130.000 neue Stellen geschaffen, während im Folgemonat 92.000 Arbeitsplätze verloren gingen. Powell betonte jedoch, dass die Wirtschaft insgesamt gesund bleibe und die Arbeitslosigkeit niedrig sei. Er warnte jedoch vor Unsicherheiten, insbesondere angesichts geopolitischer Risiken wie den Spannungen im Nahen Osten und dem Krieg im Iran, die die Energiepreise kurzfristig in die Höhe treiben könnten. Die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen seien jedoch unklar.