
Fed-Chef Powell unter strafrechtlicher Untersuchung wegen Renovierung und Trumps Druck
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Jerome Powell, Vorsitzender des US Federal Reserve Board, hat am Sonntagabend eine strafrechtliche Untersuchung gegen ihn durch Bundesanwälte bestätigt. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die langjährige Renovierung der historischen Bürogebäude der Federal Reserve und die Frage, ob Powell dem Kongress gegenüber irreführende Angaben zu Umfang und Kosten des Projekts gemacht hat. Powell deutete an, dass die Untersuchung im breiteren Kontext des Drucks der Trump-Administration auf die Zinspolitik der Fed zu sehen sei.
Untersuchung gegen Fed-Chef Powell
Bundesstaatsanwälte haben eine strafrechtliche Untersuchung gegen Jerome Powell eingeleitet. Powell bestätigte am Sonntagabend, dass die Federal Reserve am Freitag Vorladungen der Grand Jury erhalten habe, die eine strafrechtliche Anklage im Zusammenhang mit seiner Aussage vor dem Senatsbankenausschuss im vergangenen Juni androhen. Diese Aussage betraf unter anderem ein mehrjähriges Projekt zur Renovierung der historischen Bürogebäude der Federal Reserve.
Die Ermittlungen werden von der US-Staatsanwaltschaft für den District of Columbia geleitet. Diese Behörde wird von US-Staatsanwältin Jeanine Pirro geführt, einer ehemaligen Staatsanwältin des Bundesstaates New York und Fox News-Moderatorin, die von Präsident Donald Trump in dieses Amt berufen wurde. Die strafrechtliche Untersuchung wurde im November 2025 von Jeanine Pirro genehmigt.
Hintergrund der Ermittlungen
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Renovierung des Hauptsitzes der Federal Reserve in Washington und die Frage, ob Powell dem Kongress gegenüber über den Umfang und die Kosten des Projekts gelogen hat. Die Ermittlungen umfassen eine Überprüfung von Powells öffentlichen Aussagen sowie eine detaillierte Prüfung interner Ausgabenaufzeichnungen, die mit der Sanierung verbunden sind. Es ist unklar, ob bereits eine Grand Jury einberufen oder Vorladungen ausgestellt wurden, obwohl Powells Mitarbeiter Berichten zufolge mehrfach kontaktiert wurden, um Dokumente im Zusammenhang mit dem Projekt bereitzustellen.
Powell betonte in einer Videoerklärung, die über den X-Account der Fed verbreitet wurde: „Ich habe tiefen Respekt vor der Rechtsstaatlichkeit und der Rechenschaftspflicht in unserer Demokratie. Niemand, schon gar nicht der Vorsitzende der Federal Reserve, steht über dem Gesetz, aber diese beispiellose Maßnahme sollte im breiteren Kontext der Drohungen und des anhaltenden Drucks der Regierung gesehen werden.“
Politischer Kontext und Trumps Kritik
Die Untersuchung fügt der langjährigen Konfrontation zwischen Donald Trump und der Federal Reserve eine bedeutende rechtliche Dimension hinzu. Trump hat Powell wiederholt kritisiert, weil dieser sich seinen Forderungen nach einer drastischen Senkung der Zinsen widersetzt hat, seit Trump im Januar 2025 das Weiße Haus betrat. Trump hat öffentlich die Möglichkeit einer Entlassung Powells angesprochen, obwohl er ihn 2017 für das Amt nominiert hatte.
Der US-Präsident hat die Renovierung als ein „2,5 Milliarden Dollar Projekt, das von Inkompetenz geprägt ist“, bezeichnet und auch die Möglichkeit rechtlicher Schritte im Zusammenhang mit der Renovierung angedeutet. In einem Interview mit der New York Times in der vergangenen Woche erklärte Trump, er habe sich bereits für einen Nachfolger Powells entschieden und bereite die Bekanntgabe seiner Wahl vor. Kevin A. Hassett, Trumps Chef-Wirtschaftsberater, gilt als führender Anwärter. Powells Amtszeit als Fed-Vorsitzender endet im Mai 2026, seine Ernennung als Gouverneur läuft jedoch bis Januar 2028.
Institutionelle Unabhängigkeit in Frage gestellt
Der Fall gegen Fed-Chef Powell reiht sich in ein breiteres Muster von Konflikten zwischen Trump und der Zentralbank ein. Frühere Bemühungen umfassten den Versuch, Lisa Cook, eine Fed-Gouverneurin, wegen angeblichen Hypothekenbetrugs zu entlassen. Nach US-Recht können Fed-Beamte nur „aus wichtigem Grund“ entfernt werden, was typischerweise als Fehlverhalten oder schwerwiegende Pflichtverletzung interpretiert wird. Der Oberste Gerichtshof soll am 21. Januar Argumente in Cooks Fall anhören.
Weder die Fed noch das Justizministerium haben eine offizielle Erklärung veröffentlicht, die die strafrechtliche Untersuchung gegen Fed-Chef Jerome Powell bestätigt. Der Kongress hat historisch versucht, die Fed zu isolieren, um ihre Unabhängigkeit zu gewährleisten.
Marktreaktion
Zum Zeitpunkt der Berichterstattung notierte der US Dollar Index (DXY) bei etwa 98,90, was einem Rückgang von 0,23 % an diesem Tag entsprach.