
Finanzinnovationen: Banken setzen auf Token, KI und Blockchain
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Die Finanzwelt befindet sich im Wandel, angetrieben durch innovative Technologien, die traditionelle Bankdienstleistungen neu definieren. Von tokenisierten Einlagen über künstliche Intelligenz im Kundenservice bis hin zur Expansion von Buy Now, Pay Later (BNPL) und der breiteren Akzeptanz von Stablecoins und Blockchain-Lösungen – Finanzinstitute und Fintechs gestalten die Zukunft des Zahlungsverkehrs und der Vermögensverwaltung.
Tokenisierte Einlagen: Banken setzen auf neue Effizienz
Eine wachsende Zahl von Banken, darunter BMO und die britische Monument Bank, setzen auf tokenisierte Einlagen als Alternative zu Stablecoins. Diese Einlagen stellen einen Anspruch auf eine Einlage bei einer lizenzierten Bank dar und nutzen ein verteiltes Ledger, ähnlich der Struktur von Kryptowährungen, sind jedoch durch spezifische Bankvermögenswerte gedeckt, was sie als weniger riskant erscheinen lässt.
BMO arbeitet mit der CME Group und Google Cloud zusammen, um institutionellen Kunden schnellere Zahlungsabwicklungen zu ermöglichen. Dieser Dienst soll es Kunden erlauben, Werte kontinuierlich für Margin-, Sicherheiten- und Abwicklungs-Workflows zu bewegen. Derek Vernon, Head of North American Treasury and Payment Solutions bei BMO, betonte, dass diese Fähigkeit einen bedeutenden Fortschritt darstellt, um regulierte Geldbewegungen in eine moderne, programmierbare Umgebung zu bringen und Finanzierungslücken sowie operative Reibungsverluste zu reduzieren.
Die britische Monument Bank geht einen Schritt weiter und tokenisiert Privatkundeneinlagen über eine öffentliche Blockchain in Zusammenarbeit mit der Midnight Foundation. In einer ersten Phase sollen etwa 300 Millionen US-Dollar (ca. 250 Millionen Pfund Sterling) an zinsbringenden Einlagen auf die Blockchain gebracht werden. Diese Einlagen sind in Britischen Pfund einlösbar und durch das britische Äquivalent der FDIC versichert. Zukünftig plant Monument, weitere Produkte wie Private-Equity-Investitionen, Rohstofffonds und andere Angebote für Ultra-High-Net-Worth-Kunden auf Blockchains zu platzieren.
Künstliche Intelligenz revolutioniert den Kundenservice
Die britische Starling Bank führt den "Starling Assistant" ein, ein Agentic AI-Tool, das Kunden beim Budgetieren, Abfragen ihrer Zahlungshistorie und beim Aufbau finanzieller Kompetenzen unterstützt. Angetrieben von Google Gemini und Google Cloud, ermöglicht der Assistent Kunden, über natürliche Sprache per Text und Stimme mit einem großen Sprachmodell zu interagieren. Kunden können personalisierte Sparziele und Rechnungszahlungen einrichten und ihre Zahlungsgewohnheiten analysieren lassen.
Harriet Rees, Chief Information Officer der Starling Group, sieht darin eine neue Ära des Bankings, die durch Agentic AI angetrieben wird. Der Assistent soll Kunden helfen, gute Geldgewohnheiten zu entwickeln und ihre Finanzen besser zu organisieren. Während Agentic AI intern bereits für Entwicklerassistenz, Investmentbanking, Kleinunternehmensanalyse und IT-Support (sogar an der New York Stock Exchange) eingesetzt wird, sind kundenorientierte AI-Agenten noch selten. Starling plant, den Dienst bald um Funktionen für Steuerzahlungen oder spezifische Zahlungshistorien zu erweitern.
BNPL-Markt expandiert: Fokus auf B2B und Agentic Commerce
Der Buy Now, Pay Later (BNPL)-Markt wächst weiter, mit neuen Entwicklungen im B2B-Bereich und im Agentic Commerce. Die norwegische Bank DNB hat sich mit dem B2B-Zahlungs-Fintech Two zusammengetan, um BNPL-Kredite in der nordischen Region anzubieten. Diese Partnerschaft ermöglicht es nordischen Unternehmen, Kredite über eine KI-gestützte Bewertung ohne manuellen Papierkram zu beantragen. DNB und Two übernehmen das Kreditrisiko, sodass Händler taggleiche Abrechnungen erhalten, ohne dass die Kredite in ihren Bilanzen erscheinen. Kristian Næss Fladset von DNB sieht darin eine Modernisierung des Zahlungsverkehrs für Geschäftskunden.
Der australische BNPL-Anbieter Zip Co. entwickelt einen Rahmen für Agentic Commerce, eine Form des Handels, bei der KI-Agenten autonom im Namen von Menschen Transaktionen durchführen. In Zusammenarbeit mit der Zahlungsplattform IXOPAY führt Zip einen "Unified Trust Layer" ein. Dieser soll die aufkommenden Herausforderungen in Bezug auf Vertrauen und Haftung im Agentic Commerce für Händler und Zahlungsdienstleister adressieren. Rory Herriman von Zip betont, dass traditionelle Betrugsmodelle auf statischen Anmeldeinformationen basieren, aber Agenten keine Menschen sind und ihr Risiko anders auftritt. Der Rahmen soll Vertrauen in einem System messbar und erklärbar machen, das ursprünglich nicht dafür gebaut wurde. Auch andere BNPL-Anbieter wie Klarna und Affirm zeigen Interesse an Agentic Commerce.
Stablecoins und Blockchain: Globale Expansion und Infrastruktur
Fintechs und Banken investieren Milliarden in die Unterstützung von Stablecoins und die Nutzung von Blockchain-Technologien. Das digitale Asset-Technologieunternehmen Rain hat seine Visa-Mitgliedschaft auf die Region Asien-Pazifik ausgeweitet. Diese erweiterte Partnerschaft ermöglicht es Rains Kunden, ab dem zweiten Quartal Verbraucher- und Unternehmens-Stablecoin-Zahlungskarten in der Region zu unterstützen. Farooq Malik, CEO von Rain, hebt hervor, dass dies Partnern ermöglicht, globale Programme über eine einzige Plattform zu skalieren, während Stablecoins die Geldbewegung im Hintergrund verbessern.
Circle, der Emittent des Stablecoins USDC, hat eine Partnerschaft mit dem südafrikanischen Unternehmen Sasai Fintech geschlossen, um die Akzeptanz von USDC in Afrika voranzutreiben. Sasai Fintech, das Technologien für Geschäftszahlungen, grenzüberschreitende Zahlungen und mobile Wallets anbietet, wird mit Circle zusammenarbeiten, um potenzielle Anwendungsfälle für USDC zu identifizieren und die Abwicklungszeiten für seine Kunden zu verkürzen. Jeremy Allaire, CEO von Circle, sieht in Schwellenländern eine große Chance für Stablecoin-Adoption und internet-native Innovation.
Visa tritt dem Canton Network als einer von 40 "Super Validatoren" bei. Canton ist eine Blockchain, die speziell für regulierte Finanzinstitute entwickelt wurde. Visa möchte durch seine Beteiligung Bedenken hinsichtlich der Transaktionsprivatsphäre ausräumen, die viele Banken bisher von der Nutzung von Blockchain abgehalten haben. Rubail Birwadker von Visa betont, dass Visa-typisches Vertrauen, Governance und operative Strenge in die datenschutzfreundliche Blockchain-Infrastruktur eingebracht werden, damit regulierte Finanzinstitute Zahlungen On-Chain bringen können, ohne ihre Arbeitsweise überdenken zu müssen.
Die philippinische digitale Finanzplattform Maya arbeitet mit dem Krypto-Zahlungsunternehmen Lydian zusammen, um digitale Asset-Zahlungen für alltägliche Verbraucher zugänglich zu machen. Kunden können einen QR-Code scannen und "Mit Krypto bezahlen" auswählen. Händler können diese Zahlungen akzeptieren und erhalten die Abrechnung noch am selben Tag in der lokalen Währung, dem philippinischen Peso. Maya stellt dabei eine regulierte Infrastrukturschicht bereit, die Wallet-Screening, Travel Rule-Compliance und Meldungen an die Zentralbank unterstützt. Shailesh Baidwan von Maya sieht darin einen sicheren und regulatorisch konformen Rahmen für die Integration digitaler Asset-Zahlungen in den Mainstream-Handel.