
Fintech-Boom: Thread Bank CEO Black sieht Chancen im Embedded Banking
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In den letzten Monaten beantragen und erhalten immer mehr Krypto- und Fintech-Unternehmen nationale Treuhandlizenzen vom Office of the Comptroller of the Currency (OCC). Während dies für traditionelle Banken beunruhigend wirken mag, sieht Chris Black, CEO der Thread Bank, darin eine große Chance und Potenzial für Banken, ihr Geschäft auszubauen. Er betont die Notwendigkeit eines fairen Wettbewerbs und hoher Standards für alle Marktteilnehmer.
Der Boom der Banklizenzen für Fintechs und Krypto-Unternehmen
Der Trend, dass Fintechs und Krypto-Unternehmen Banklizenzen anstreben, ist unübersehbar. Im Dezember erhielten fünf Unternehmen nationale Treuhandlizenzen: Circle, Ripple, BitGo, Fidelity und Paxos. Weitere Anträge sind von Coinbase, Crypto.com und Bridge anhängig, während World Liberty Financial der Trump-Familie ebenfalls eine Lizenz für die Ausgabe und Verwahrung von Stablecoins beantragt hat.
Chris Black von Thread Bank sieht in dieser Entwicklung vor allem eine große Chance. Er ist überzeugt, dass der Bank-Charter, obwohl das Bankgeschäft oft als hochgradig standardisiert gilt, einen hohen Seltenheitswert besitzt, wenn man versteht, wie man ihn sicher, solide und effizient einsetzt. Dies sei die Grundlage des Geschäftsmodells der Thread Bank seit fast fünf Jahren.
Thread Bank: Fünf Jahre Erfahrung mit dem Bank-Charter
Die Idee zur Thread Bank entstand vor fünfeinhalb bis sechs Jahren, und die Rekapitalisierung der Civis Bank zur heutigen Thread Bank erfolgte im Mai 2021. Chris Black betont, dass sein Unternehmen auf dem Seltenheitswert der Banklizenz aufbaut, indem es die Grundlagen wie Kapital, Liquidität und solides Risikomanagement niemals kompromittiert. Gleichzeitig hinterfragt Thread Bank traditionelle Paradigmen in Bezug auf Geografie und Partnerschaften.
Black merkt an, dass viele neue Marktteilnehmer die Anforderungen und den Aufwand, der mit dem Betrieb einer Banklizenz verbunden ist, unterschätzen. Er erinnert an frühere Zyklen, in denen ein Ansturm auf Treuhandlizenzen stattfand, die später von fast allen Unternehmen wieder zurückgegeben wurden. Als Beispiel nennt er die Grasshopper Bank, die im vergangenen Jahr die AAA Trust erwarb, eine der letzten Banken, die eine solche Lizenz aus dieser früheren Welle zurückgab.
Systemisches Risiko und gleiche Wettbewerbsbedingungen
Die Sorge vor systemischen Risiken durch die Vergabe von Banklizenzen an Krypto-Unternehmen ist laut Chris Black berechtigt. Er ist jedoch ein Befürworter von Innovation und neuen Wegen, Bankprodukte und -dienstleistungen anzubieten, um unterversorgte Kunden zu erreichen. Entscheidend sei dabei ein "level playing field", also gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle.
Black fordert, dass die neuen, oft sehr gut finanzierten Akteure, wenn sie in den Markt eintreten, als vollwertige Banken behandelt und denselben strengen Standards unterworfen werden müssen wie etablierte Institute. Dazu gehören insbesondere die AML/CFT/BSA-Standards (Anti-Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung, Bankgeheimnis-Gesetz). Er warnt davor, dass eine "Limited Purpose Charter" oder ein "Skinny Master Account" der Federal Reserve, der einigen Unternehmen begrenzten Zugang zu den Zahlungsschienen der Fed ermöglichen würde, nicht zu niedrigeren Standards führen darf. Solche Systeme seien traditionell geschützt und nicht leichtfertig zu behandeln.
Die Chance des Embedded Banking
Chris Black sieht im Embedded Banking eine enorme Chance für etablierte Banken wie die Thread Bank. Ihr Geschäftsmodell konzentriert sich auf eingebettete Einlagen, eingebettete Kreditvergabe und eingebettete Händlerakquise. Diese Angebote sollen in der ersten Hälfte und im späteren Verlauf des Jahres weiter skaliert werden.
Die Digitalisierung der Wirtschaft schafft laut Black immer mehr Möglichkeiten für Partner und Marken – seien es Fintechs, Technologieunternehmen oder etablierte Marken – ihre Beziehungen zu bestehenden Kunden durch die Integration von Bankprodukten und -dienstleistungen zu vertiefen. Thread Bank konzentriert sich dabei stark auf den kommerziellen Bereich und Kleinunternehmen, insbesondere auf vertikalisierte Lösungen. Ein Beispiel hierfür sind Restaurants, für die spezialisierte Software (Vertical SaaS) entwickelt wird, die alle Aspekte des Geschäftsbetriebs abdeckt, von Zahlungen über Bestandsmanagement bis hin zu Personal.
Die Zukunft des Bankwesens: Überall Embedded Banking
Black ist überzeugt, dass Embedded Banking in Zukunft allgegenwärtig sein wird. Er glaubt, dass das traditionelle Bankmodell sich massiv anpassen muss, auch wenn es nicht vollständig verschwinden wird. Die Zukunft werde eine signifikante Konzentration auf nicht-geografische Ansätze erfordern, wobei die Beziehungen, die erfolgreiche Softwareunternehmen zu ihren Kunden haben, entscheidend sind.
Kapital fließt dorthin, wo es am dringendsten benötigt wird und wo die Reibung am geringsten ist. Dies wird die Integration von Bankdienstleistungen in andere Plattformen vorantreiben. Black erwartet, dass viele Banken Schwierigkeiten haben werden, sich anzupassen, aber auch große Chancen für diejenigen entstehen, die dies erfolgreich tun. Zudem könnten Korrespondenzbankbeziehungen wachsen, um Banken zu unterstützen, die nicht über die volle DNA für Embedded Banking verfügen, aber über Bilanzkapazitäten und andere Dienstleistungen.