
Flugpreise steigen rasant: Kerosinkosten explodieren durch Nahostkonflikt
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Die Kosten für Flugtickets steigen rasant an, eine direkte Folge des Konflikts im Nahen Osten, der die Kerosinpreise in die Höhe treibt. Airlines sehen sich gezwungen, diese Mehrkosten an die Passagiere weiterzugeben, was Reisen deutlich verteuert und die Branche vor große Herausforderungen stellt.
Kerosinpreise explodieren: Der Nahostkonflikt als Treiber
Die Preise für Flugzeugtreibstoff sind seit Beginn des Iran-Krieges, der am 27. Februar 2026 begann, schneller gestiegen als die Rohölpreise. Daten von S&P Global Platts zeigen, dass die Benchmarks Jet CIF NWE Cargo (Nordwesteuropa) und Jet Kero 54 USGC Prompt Pipeline (US-Golfküste) seit dem 27. Februar um 120 % bzw. 82 % gestiegen sind. Im selben Zeitraum erhöhten sich die Brent Crude Öl-Futures um etwa 50 % auf über 100 US-Dollar pro Barrel.
Diese Entwicklung führt zu einem sich ausweitenden "Crack Spread", der Differenz zwischen Rohöl und raffiniertem Kerosin, und verdeutlicht die enormen Risiken für die Luftfahrtbranche. Der physische Benchmark für sofortige Öllieferungen, Spot Dated Brent, hat sich auf 141 US-Dollar pro Barrel verdoppelt. Laut IATA-Daten erreichte der globale Durchschnittspreis für Kerosin in der Woche bis zum 20. März 2026 197 US-Dollar pro Barrel, ein Anstieg von über 105 % gegenüber 95,95 US-Dollar nur einen Monat zuvor.
Der Preisanstieg ist direkt auf den Nahostkonflikt zurückzuführen, der Ende Februar 2026 ausbrach. Am 28. Februar 2026 löste eine gemeinsame US-israelische Militäroperation gegen den Iran einen regionalen Konflikt aus. Iran reagierte am 4. März mit der Schließung der Straße von Hormus, einer Meerenge, durch die etwa 20 % des weltweiten Öl- und Gashandels fließen. Diese Schließung trieb die Rohölpreise erstmals seit Jahren über 100 US-Dollar pro Barrel, wobei Brent Crude kurzzeitig auf über 120 US-Dollar stieg.
Airlines unter Druck: Unterschiedliche Strategien gegen den Kostenschock
Kerosinkosten stellen nach den Personalkosten den größten Ausgabenposten für Fluggesellschaften dar und machen typischerweise 30-40 % der Betriebskosten aus. US-Fluggesellschaften sind den Preisschwankungen besonders stark ausgesetzt, da sie im Gegensatz zu ihren europäischen Pendants keine Finanzderivate zur Absicherung gegen Kerosinpreise nutzen. Delta Air Lines CEO Ed Bastian bemerkte dazu: "Dies wird das erste Mal sein, dass wir als Branche einen so plötzlichen Treibstoffschock ohne Absicherungen durchmachen." Obwohl Delta eine Ölraffinerie in Pennsylvania besitzt, wird diese den "Crack" nicht vollständig abdecken können.
Als Reaktion auf die steigenden Kosten haben einige US-Airlines bereits Maßnahmen ergriffen. United Airlines und JetBlue haben die Gebühren für aufgegebenes Gepäck um 10 US-Dollar erhöht. United Airlines CEO Scott Kirby erklärte, dass die Fluggesellschaft in diesem Jahr darauf abzielt, den Anstieg der Kerosinpreise "vollständig auszugleichen". Er deutete an, dass die anhaltend starke Nachfrage es United ermöglichen könnte, die Flugpreise zu erhöhen, ohne dabei zu viele Kunden zu verlieren.
In Europa ist die Situation teilweise anders. Viele Fluggesellschaften nutzen Finanzderivate zur Absicherung gegen Kerosinkosten. Ryanair beispielsweise hat 80 % seines Kerosins bis nächsten März zu einem niedrigeren Preis abgesichert, wie CEO Michael O'Leary mitteilte. Der Chef der Billigfluggesellschaft berichtete zudem von gesunden Buchungszahlen, da mehr Europäer Urlaube näher an der Heimat wählen. Die Lufthansa Group, Europas umsatzstärkste Fluggesellschaft, erwägt jedoch die Streichung unrentabler Routen und die vorzeitige Ausmusterung älterer Flugzeuge, unter Verweis auf das "hochvolatile" geopolitische Umfeld und "Marktschwankungen". Trotzdem bleibe die Nachfrage nach Reisen hoch, auch wenn Preiserhöhungen bereits umgesetzt wurden. Scandinavian Airlines (SAS), die ihr Hedging-Programm letztes Jahr aussetzte, kündigte die Stornierung von etwa 1.000 Flügen in diesem Monat aufgrund des "starken Anstiegs der Kerosinpreise" an.
Was Reisende erwartet: Deutlich höhere Ticketpreise und Zuschläge
Die Auswirkungen der explodierenden Kerosinpreise sind für Reisende bereits spürbar und variieren je nach Fluggesellschaft und Route.
- US-Inlandsflüge: Laut Daten der Deutschen Bank kosten durchschnittliche transkontinentale US-Flüge, die 21 Tage im Voraus gebucht werden, etwa 50 % mehr als vor einem Jahr. CNBC berichtet, dass US-Inlandsflüge bei Buchungen drei Wochen im Voraus um 10-50 % gestiegen sind.
- Asien-Pazifik-Flüge: Auf einigen Routen haben sich die Flugpreise verdreifacht, wobei Kerosinzuschläge auf Langstreckenflügen bis zu 400 US-Dollar pro Ticket betragen können.
- Durchschnittliche US-Flugpreise: In der letzten Märzwoche 2026 erreichten sie 465 US-Dollar, den höchsten Stand für diesen Zeitraum seit mindestens 2019. Im Jahresvergleich sind die US-Flugpreise laut NerdWallet Travel Price Index um 7,1 % gegenüber Februar 2025 gestiegen.
Fluggesellschaften kommunizieren Preiserhöhungen auf unterschiedliche Weise. Einige fügen explizite Kerosinzuschläge als separaten Posten auf dem Ticket hinzu, während andere stillschweigend die Basistarife erhöhen. Cathay Pacific gilt als besonders transparent und hat eine detaillierte Seite mit Zuschlagsaktualisierungen veröffentlicht. Die Airline hat sich verpflichtet, die Zuschläge während der Krise alle zwei Wochen statt monatlich zu überprüfen, mit neuen Zuschlägen ab dem 1. April 2026.