Ford's EV-Kehrtwende: 19,5 Mrd. $ Abschreibung & Fokus auf Hybride

Ford's EV-Kehrtwende: 19,5 Mrd. $ Abschreibung & Fokus auf Hybride

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Ford vollzieht eine drastische Kehrtwende in seiner Elektrofahrzeugstrategie und nimmt eine Abschreibung von 19,5 Milliarden US-Dollar vor. Das Unternehmen stoppt die Produktion des rein elektrischen F-150 Lightning und fokussiert sich stattdessen auf Hybrid- und Extended-Range-Elektrofahrzeuge (EREVs), um auf die veränderte Kundennachfrage und das Ende staatlicher Subventionen zu reagieren. Dieser Schritt ist ein klares Signal für die gesamte Automobilindustrie, die sich den neuen Realitäten des EV-Marktes stellen muss.

Fords Strategiewechsel: Eine 19,5 Milliarden Dollar schwere Kehrtwende

Ford CEO Jim Farley hatte bereits vor Monaten gewarnt, dass das Ende der fast zwei Jahrzehnte bestehenden Steuergutschrift für Elektrofahrzeuge den US-Markt halbieren würde. Nun sieht sich das Unternehmen selbst mit dieser Realität konfrontiert. Ford kündigte diese Woche an, die Produktion des ursprünglichen elektrischen F-150 Lightning einzustellen, der einst als Branchen-Durchbruch gefeiert wurde.

Stattdessen wird ein Teil der bestehenden Belegschaft auf die Produktion einer Hybridversion des Pickups umgestellt, die einen benzinbetriebenen Generator zur Aufladung der Batterie nutzt – ein sogenanntes Extended Range Electric Vehicle (EREV). Diese "kundengetriebene Verschiebung" führt zu einer Belastung von 19,5 Milliarden US-Dollar, die Ford ab 2026 verbuchen wird.

Der Markt spricht: Nachlassende Nachfrage und Subventionsende

Farley äußerte sich im September auf dem Ford Pro Accelerate Gipfel in Detroit, dass die E-Auto-Branche zwar "lebendig" bleibe, aber "kleiner, viel kleiner als gedacht" werde. Das Ende der 7.500 US-Dollar hohen Verbraucherprämie sei ein "Game-Changer", der die EV-Verkäufe in den USA von zuvor 10-12% auf 5% fallen lassen könnte.

Im Gespräch mit CNBC am Montag bestätigte Farley, dass der EV-Markt in den USA tatsächlich bereits auf rund 5% geschrumpft sei. Er erklärte, dass Fords EV-Angebot nicht mit der Kundennachfrage übereinstimmte, insbesondere im oberen Preissegment. "Die sehr hochpreisigen E-Fahrzeuge, die 50.000, 60.000, 70.000, 80.000 Dollar teuren Fahrzeuge, sie verkauften sich einfach nicht", so Farley.

Die US-Verkäufe von Elektrofahrzeugen fielen im November um etwa 40%, nachdem die 7.500 US-Dollar Verbraucher-Steuergutschrift am 30. September ausgelaufen war. Diese Anreize waren über 15 Jahre lang in Kraft, um die Nachfrage anzukurbeln. Die Politik der Trump-Administration, die die staatliche Unterstützung für EVs reduzierte und die Abgasnormen lockerte, trug ebenfalls zur Eintrübung der Aussichten bei.

Konkrete Maßnahmen: Abschied vom F-150 Lightning und neue Prioritäten

Als Teil seiner Neuausrichtung wird Ford nicht nur die Produktion des F-150 Lightning in seiner reinen Elektroform einstellen, sondern auch einen geplanten Elektro-Lkw der nächsten Generation, Codename T3, sowie geplante elektrische Nutzfahrzeuge streichen. Stattdessen wird das Unternehmen stark auf Benzin- und Hybridmodelle setzen. Farley betonte: "Wir folgen den Kunden dorthin, wo der Markt ist, nicht dorthin, wo die Leute dachten, er würde sein, sondern dorthin, wo er heute ist."

Die 2022 von Farley gegründete Model E Division, die als Startup innerhalb des Konzerns Innovationen im Bereich Elektrofahrzeuge vorantreiben sollte, hat in weniger als drei Jahren 13 Milliarden US-Dollar verloren. Dies übertrifft Fords Nettoeinkommen für 2024 von 5,9 Milliarden US-Dollar deutlich. Farley räumte ein, dass er wusste, dass es "geschäftlich brutal" werden würde.

Ford plant, Tausende von Arbeitskräften einzustellen, obwohl es kurzfristig zu Entlassungen in einem gemeinsam betriebenen Batteriewerk kommen wird. Das Batteriewerk in Kentucky, das Teil eines Joint Ventures mit Südkoreas SK On war, wird stattdessen auf Batteriespeicher für Versorgungsunternehmen, Solarentwickler und KI-Rechenzentren umgestellt.

Finanzielle Auswirkungen und Zukunftsaussichten

Die Abschreibung von 19,5 Milliarden US-Dollar ist die größte EV-Wertminderung in der Geschichte der US-Autoindustrie. Sie setzt sich zusammen aus:

  • Rund 8,5 Milliarden US-Dollar für die Streichung geplanter EV-Modelle.
  • Rund 6 Milliarden US-Dollar für die Auflösung des Batterie-Joint Ventures mit SK On.
  • Rund 5 Milliarden US-Dollar für "programmbezogene Ausgaben".

Ford erwartet, dass die Model E Division erst 2029 profitabel sein wird, drei Jahre später als ursprünglich für 2026 anvisiert. Bis 2030 prognostiziert das Unternehmen, dass Hybride, EREVs und reine EVs die Hälfte der weltweiten Ford-Verkäufe ausmachen werden, ein deutlicher Anstieg von derzeit etwa 17%. Farley betonte, dass der Großteil davon "Hybrid und EREV" sein wird.

Trotz der Herausforderungen hob Ford seine Prognose für das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern für 2025 auf etwa 7 Milliarden US-Dollar an, von zuvor 6 bis 6,5 Milliarden US-Dollar. Ford plant weiterhin einen 30.000 US-Dollar teuren EV-Pickup bis 2027. Andrew Frick, Leiter der Benzin- und Elektrofahrzeugsparte von Ford, kommentierte: "Anstatt Milliarden mehr für große EVs auszugeben, die jetzt keinen Weg zur Profitabilität haben, investieren wir dieses Geld in Bereiche mit höheren Renditen."

Branchenweite Tendenz: Ein "schmerzhafter Reset"

Fords Strategiewechsel ist das bisher deutlichste Beispiel für den Rückzug der Autoindustrie von rein batteriebetriebenen Modellen. Analysten von Morgan Stanley bezeichneten die Abschreibungen als einen "schmerzhaften Reset für das Unternehmen", der jedoch unerlässlich sei, um sich an die Verbraucherinteressen anzupassen und letztendlich die Profitabilität zu verbessern.

Auch andere große US-Autohersteller sind betroffen: General Motors nahm im Oktober eine Belastung von 1,6 Milliarden US-Dollar vor und warnte vor weiteren Belastungen. Stellantis hat ebenfalls einige seiner EV-Pläne zurückgefahren, darunter die Streichung eines geplanten elektrischen Ram Pickups zugunsten von Hybriden. Barclays-Analysten sehen Fords Schritt als "Schritt in die richtige Richtung", der auch für andere zu erwarten sei, angesichts des "dramatisch schwächeren US-EV-Umfelds".

Erwähnte Persönlichkeiten