
Ford vollzieht Kehrtwende: Fokus auf Hybride und kleinere E-Fahrzeuge
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Der US-Automobilhersteller Ford vollzieht eine strategische Kehrtwende in seiner Elektrofahrzeugproduktion. Das Unternehmen wird sich von der Priorisierung großer, rein elektrischer Fahrzeuge abwenden und stattdessen verstärkt auf Hybridmodelle sowie eine neue Familie kleinerer, erschwinglicher Elektrofahrzeuge setzen. Diese Neuausrichtung ist mit einer erheblichen finanziellen Belastung verbunden.
Strategiewechsel bei Ford: Abschied von großen E-Fahrzeugen
Ford gab am Montag bekannt, die Produktion ausgewählter größerer Elektrofahrzeuge zu depriorisieren, da sich deren Geschäftsmodell aufgrund geringerer Nachfrage, hoher Kosten und regulatorischer Änderungen verschlechtert habe. Das Unternehmen plant zudem, die Produktion von elektrischen Nutzfahrzeugen, die für den US-amerikanischen und europäischen Markt vorgesehen waren, einzustellen. Als Konsequenz dieser Umstrukturierung erwartet Ford eine Belastung von rund 19,5 Milliarden US-Dollar, wovon der Großteil im aktuellen Quartal verbucht werden soll.
Ein prominentes Beispiel für diese Neuausrichtung ist der F-150 Lightning, die elektrische Variante des Bestseller-Pickups von Ford. Die Produktion des aktuellen F-150 Lightning wurde gestoppt, um die Produktion von Benzin- und Hybridfahrzeugen zu priorisieren. Ford wird stattdessen eine "hochvolumige Familie kleinerer, hocheffizienter und erschwinglicher Elektrofahrzeuge" produzieren, beginnend mit einem mittelgroßen Pickup-Truck im Jahr 2027.
Fokus auf Hybride und kleinere E-Modelle
Ford verstärkt seine Pipeline für Hybridfahrzeuge erheblich. Bis 2030 sollen etwa 50 % des weltweiten Ford-Volumens aus Hybriden, Extended-Range-EVs und Elektrofahrzeugen bestehen, gegenüber 17 % heute. Die nächste Generation des F-150 Lightning wird als Hybridfahrzeug konzipiert sein, das Batterieleistung mit einem Benzinmotor kombiniert und eine geschätzte Reichweite von über 700 Meilen bieten soll.
Dieser Schritt ist eine Reaktion auf die sich ändernden Marktbedingungen. Ford CEO Jim Farley erklärte in einem Bloomberg-Interview, dass "es wirklich der Kunde war, der seine Entscheidung geändert hat." Im November verzeichnete Ford einen Anstieg der Hybridverkäufe um 30 %, während die Nachfrage nach teureren Elektrofahrzeugen zurückging.
Kundenpräferenz und politische Rahmenbedingungen
Die Verschiebung der Kundenpräferenzen spielt eine zentrale Rolle in Fords neuer Strategie. Jim Farley betonte, dass der EV-Markt in den USA von 12 % der Branche auf nur 5 % gesunken sei, was eine "große Entscheidungsgrundlage" für das Unternehmen darstellte. Er räumte auch ein, dass das Ende der staatlichen Steuergutschrift von 7.500 US-Dollar für Elektrofahrzeuge im Herbst die Nachfrage erheblich reduziert habe.
Die Änderungen in Fords EV-Plänen erfolgen auch im Kontext politischer Entwicklungen. Die Trump-Administration hat Anreize für den EV-Sektor zurückgefahren und härtere Kraftstoffeffizienzstandards, die unter der Biden-Regierung eingeführt wurden, widerrufen. Jim Farley lobte damals die Angleichung der Kraftstoffeffizienzstandards an die Marktgegebenheiten als "einen Gewinn für Kunden und den gesunden Menschenverstand".
Neuausrichtung der Produktion und Investitionen
Im Zuge der strategischen Neuausrichtung werden mehrere Produktionsstätten umfunktioniert. Das Tennessee Electric Vehicle Center wird in Tennessee Truck Plant umbenannt und soll ab 2029 neue, erschwingliche benzinbetriebene Lkw anstelle von Elektrofahrzeugen bauen. Auch die Pläne für neue elektrische Nutzfahrzeuge in Europa und Nordamerika wurden gestrichen und durch Benzin- und Hybridmodelle ersetzt, die ab 2029 im Ford-Montagewerk in Ohio gefertigt werden sollen.
Die geplante Batteriefabrik BlueOval Battery Park Michigan in Marshall, die mit 3,5 Milliarden US-Dollar und erheblichen Subventionen des Bundesstaates Michigan unterstützt wird, wird ihre Produktion ebenfalls drastisch umstellen. Statt Batterien für größere Elektrofahrzeuge sollen dort nun Batterien für den privaten Gebrauch sowie für das neue Energiespeichergeschäft hergestellt werden.
Einstieg ins Batterie-Energiespeichergeschäft
Ford kündigte zudem die Gründung eines neuen Batterie-Energiespeichergeschäfts an. Ein Werk in Kentucky wird umgerüstet, um Produkte für Rechenzentren und Energieversorger herzustellen. Das Unternehmen plant, in den nächsten zwei Jahren rund 2 Milliarden US-Dollar in dieses Geschäft zu investieren und strebt bis Ende 2027 eine jährliche Kapazität von 20 Gigawattstunden an. Dies soll Ford zu einem wichtigen Akteur in diesem schnell wachsenden Markt machen, dessen Nachfrage unter anderem durch das Wachstum von KI-Rechenzentren und den Bedarf an Netzaufrüstungen steigt.
Finanzielle Auswirkungen und Zukunftsaussichten
Die strategische Neuausrichtung soll Fords EV-Sparte, Model e, bis 2029 profitabel machen. Das Unternehmen hatte in den letzten Jahren erhebliche Verluste im EV-Bereich verzeichnet, darunter 5,1 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr und insgesamt 13 Milliarden US-Dollar seit 2023. Die Abschreibungen spiegeln auch die Erkenntnis wider, dass Ford zu viel Batterieproduktionskapazität aufgebaut hatte und mit großen, verlustbringenden Elektrofahrzeugen einen Irrweg eingeschlagen hatte.
Trotz der hohen Abschreibungen hob Ford seine Gewinnprognose für 2025 vor Zinsen und Steuern auf 7 Milliarden US-Dollar an, gegenüber einer früheren Schätzung von 6 bis 6,5 Milliarden US-Dollar. Der Aktienkurs von Ford blieb nach der Ankündigung weitgehend stabil und ist seit Jahresbeginn um etwa 38 % gestiegen. Die Umstellung der Strategie wird als kundengetriebener Schritt gesehen, um ein "stärkeres, widerstandsfähigeres und profitableres Ford" zu schaffen, so CEO Jim Farley.