Frauen im Berufsleben: RTO, KI und die Suche nach Flexibilität

Frauen im Berufsleben: RTO, KI und die Suche nach Flexibilität

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Die Rückkehrpflicht ins Büro (RTO), die zunehmende KI-Automatisierung und die anhaltende Last der unbezahlten Sorgearbeit führen dazu, dass immer mehr Frauen das traditionelle Berufsleben verlassen. Viele Mütter suchen in flexiblen Teilzeit- oder Freiberuflichkeitsmodellen nach Wegen, um Familie und Karriere besser zu vereinbaren.

Der Rückzug der Frauen aus dem Berufsleben

Nachdem Frauen während der Pandemie Beschäftigungszuwächse verzeichnen konnten, erleben sie nun einen Rückgang ihrer Präsenz am Arbeitsmarkt. Die Zahl der berufstätigen Mütter von Kleinkindern im Alter von 25 bis 44 Jahren sank laut einem Bericht der Washington Post von Januar bis Juni des letzten Jahres um fast 3 % und erreichte damit den niedrigsten Stand seit über drei Jahren. Im Dezember schieden 91.000 Frauen über 20 Jahren aus dem Erwerbsleben aus, während die Zahl der beschäftigten Männer über 20 Jahren im selben Monat um 10.000 anstieg, so eine Analyse des National Women's Law Center.

Lindsay Thomas, eine Mutter von zwei Kindern, verhandelte nach der Geburt ihres zweiten Kindes im Jahr 2024 eine Teilzeit- und Remote-Version ihrer Kommunikationsrolle in der medizinischen Forschung, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Sie arbeitet nun zwischen 2 und 40 Stunden im Monat und nimmt zusätzlich freiberufliche Aufträge an. Ohne die Möglichkeit zur Freiberuflichkeit hätte sie sich entschieden, ganz zu Hause zu bleiben, obwohl sie sich nicht als Hausfrau sah.

Die Rolle von KI und Automatisierung

Künstliche Intelligenz (KI) trägt ebenfalls zum Geschlechterungleichgewicht am Arbeitsmarkt bei. Ein Bericht von Anthropic vom März ergab, dass Frauen in Berufen mit hoher KI-Automatisierungswahrscheinlichkeit ein um 16 % höheres Risiko für Entlassungen haben. Dies deutet darauf hin, dass KI-Technologien Frauen überproportional gefährden könnten.

In Indien könnte KI die Erwerbsbeteiligung von Frauen unverhältnismäßig stark beeinträchtigen. Dies liegt an der Konzentration von Frauen in automatisierbaren Dienstleistungsberufen und ihrer überwältigenden Präsenz in informellen Beschäftigungsverhältnissen, so eine Studie des Talentstrategieunternehmens Avtar Career Creators. Ohne inklusive Qualifizierungs-, Umschulungs- und Übergangsschutzmaßnahmen könnte KI die Verdrängung von Frauen aus dem Arbeitsmarkt beschleunigen und die wirtschaftliche Kluft vertiefen.

Rückkehrpflicht ins Büro (RTO) als treibende Kraft

Eine Zunahme der Rückkehrpflicht ins Büro (Return-to-Office, RTO) zwingt Frauen unverhältnismäßig oft dazu, sich zwischen Job und familiären Verpflichtungen zu entscheiden. Die RTO-Mandate in der US-Wirtschaft beschleunigten sich 2025 erheblich: Die Anforderungen an Vollzeit-Büropräsenz bei Fortune-500-Unternehmen stiegen im zweiten Quartal 2025 auf 24 %, gegenüber 13 % Ende 2024, so der Flex Index.

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen im Haupterwerbsalter erreichte im August 2024 einen Rekordwert von 78,4 %, begann aber mit der Verbreitung der RTO-Mandate zu sinken und lag im Mai 2025 bei 77,7 %. Eine Umfrage der Freelance-Plattform Upwork ergab, dass mehr als die Hälfte der Führungskräfte nach der Einführung von RTO-Richtlinien einen überproportionalen Verlust von Frauen meldeten. Die Fluktuation weiblicher Angestellter in diesen Unternehmen ist mit 82 % höher als in jenen, die Remote-Arbeit ermöglichen.

Forschungsergebnisse, veröffentlicht in Organization Science, zeigen zudem, dass 31 % der befragten professionellen Frauen in Hybridjobs im Büro Diskriminierung erlebten, verglichen mit 17 % im Homeoffice. Insbesondere in männerdominierten Umfeldern war die Wahrscheinlichkeit von Diskriminierung vor Ort mit 58 % deutlich höher als bei Remote-Arbeit (26 %). Remote-Arbeit fungiert hier als "Schutzschild" gegen alltägliche Geschlechterdiskriminierung.

Die Last der unbezahlten Arbeit und fehlende Flexibilität

Frauen verdienen im Durchschnitt 85 % dessen, was Männer verdienen, und übernehmen doppelt so viel unbezahlte Haus- und Pflegearbeit zu Hause. Die "Doppelschicht" – die Kombination aus bezahlter Arbeit und unbezahlter Sorgearbeit – führt zu hohem Stress und Schlafmangel, was Burnout und andere gesundheitliche Probleme verursachen kann. Die National Time Use Survey in Indien ergab, dass Frauen 289 Minuten pro Tag für unbezahlte Hausarbeit aufwenden, verglichen mit 88 Minuten bei Männern.

Brea Starmer, CEO der Personalvermittlungsfirma Lions and Tigers, die sich auf Teilzeitkräfte konzentriert, kommentiert: "Die eigentliche Reibung besteht darin, dass wir einfach keine Systeme aufgebaut haben, die es Menschen ermöglichen, ihre Arbeit und ihr Leben und ihre Wünsche zu integrieren." Nur 40 % der Unternehmen in den USA boten 2023 bezahlten Elternurlaub an, so eine Umfrage der Society for Human Resources Management. Neha Ruch, Autorin von "The Power Pause", betont, dass es nicht nur darum geht, Frauen in den frühen Jahren der Elternschaft zu halten, sondern die Bedürfnisse von Eltern über die gesamte "longitudinale Erfahrung" hinweg zu berücksichtigen.

Freiberuflichkeit als Ausweg und neue Chancen

In einem schwierigen Arbeitsmarkt bietet die Freiberuflichkeit berufstätigen Eltern, insbesondere Frauen, eine Möglichkeit, mehr Kontrolle zurückzugewinnen. Lindsay Thomas und Erin Bartholomew, die nach einer Entlassung 2024 ihre eigene Marketingberatung gründete, fanden in der Freiberuflichkeit die gewünschte Flexibilität und Balance. Jaime Hollander, die zuvor täglich drei bis vier Stunden pendelte, wechselte ebenfalls zur freiberuflichen Marketing- und Textertätigkeit, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben.

Arbeitgeber erkennen zunehmend den Wert von Teilzeit- und Vertragskräften. Eine Umfrage von Upwork unter 350 Führungskräften im letzten Herbst ergab, dass 77 % angaben, dass KI den Bedarf an freiberuflichen Fachkräften mit spezialisierten Fähigkeiten erhöht. Gabby Burlacu vom Upwork Research Institute merkt an, dass Führungskräfte heute "weit offener für die Zusammenarbeit mit den qualifiziertesten Talenten sind, insbesondere den KI-fähigen Talenten". Obwohl Upwork keine Geschlechterdaten erfasst, waren in einem aktuellen Bericht 44 % der freiberuflichen Wissensarbeiter Frauen, verglichen mit 41 % in ähnlichen Vollzeitpositionen.

Die Kehrseite der Medaille: Wer bleibt auf der Strecke?

Während einige Frauen in der Freiberuflichkeit Flexibilität finden, bleiben andere außen vor. Frauen in Berufen mit strikten 9-to-5-Büropräsenzpflichten oder in Sektoren wie Bildung, Einzelhandel und Gesundheitswesen können ihre Arbeitszeiten oft nicht selbst bestimmen. Alleinverdienende Eltern können es sich oft nicht leisten, in Teilzeit zu arbeiten, da die Kosten für Kinderbetreuung ihr Gehalt übersteigen.

Das Verlassen einer Vollzeitstelle kann auch die Karriereentwicklung in Führungspositionen beeinträchtigen und zu Einbußen bei Altersvorsorgebeiträgen führen. Wenn Unternehmen ihre Arbeitszeiten und Remote-Arbeitsrichtlinien nicht anpassen oder Rollen für die KI-Zukunft nicht absichern, werden viele Frauen gezwungen sein, ihre Karriere und Prioritäten neu zu überdenken. Für sie ist der Wechsel in Teilzeit oder das Verlassen des Jobs möglicherweise keine freie Wahl, sondern eine Notwendigkeit.

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