Friendster & Vine Comeback: Nostalgie trifft auf neue Social-Media-Konzepte
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Zwei einst beliebte soziale Netzwerke, Friendster und Vine, feiern nach Jahren der Abwesenheit ihr Comeback. Doch die wiederbelebten Plattformen sind keine bloßen Kopien ihrer Vorgänger, sondern präsentieren sich mit neuen Konzepten und einem starken Fokus auf die Sehnsucht nach einem einfacheren Internet. Diese Entwicklung wirft Fragen nach der Zukunft der sozialen Interaktion und dem Potenzial von Nischenplattformen auf.
Die Rückkehr der Social-Media-Pioniere
Nachdem sie in den 2010er Jahren vom Markt verschwanden, erleben die sozialen Netzwerke Friendster und Vine im April 2026 eine Wiederauferstehung. Beide Apps sind jedoch "Frankenstein-Versionen" ihrer Vorgänger: Sie werden nicht von ihren ursprünglichen Gründern wiederbelebt und unterscheiden sich in Design und Nutzererfahrung erheblich von den Originalplattformen. Ein wesentlicher Treiber dieser Wiederbelebung ist die Nostalgie für ein einfacheres Internet, insbesondere bei jenen, die die frühen Tage mit einer rosaroten Brille betrachten.
Evan Henshaw-Plath, bekannt als Rabble und ein früherer Twitter-Mitarbeiter, steht hinter dem Vine-Reboot namens DiVine. Er beobachtet, dass Menschen die Ära der sozialen Medien vor ihrer massiven Kommerzialisierung vermissen. Es geht nicht nur um die Funktionen und das Gefühl der alten Apps, sondern auch um die damalige Zeit, wie der Trend, das Jahr 2016 zu romantisieren, zeigt.
DiVine: Vine neu gedacht und dezentral
Vine, 2012 von Twitter übernommen, wurde 2017 eingestellt und ebnete den Weg für den Aufstieg von TikTok und ähnlichen Kurzvideo-Feeds. Die Neuauflage DiVine hat Hunderttausende alter Vine-Videos aus digitalen Archiven wiederbelebt. Nutzer können neue, Vine-typische Sechs-Sekunden-Videos direkt in der App aufnehmen.
DiVine verfolgt eine strikte Anti-KI-Slop-Haltung und ist dezentral auf Nostr aufgebaut, einem Open-Source-Protokoll, das keinem einzelnen Unternehmen gehört. Das Projekt wird von And Other Stuff finanziert, einer gemeinnützigen Organisation, die einen Zuschuss von 10 Millionen US-Dollar von Jack Dorsey erhalten hat.
Friendster 2.0: Fokus auf reale Verbindungen
Friendster, ein soziales Netzwerk, das vor Myspace und Facebook existierte, wurde von Startup-Gründer Mike Carson neu aufgebaut. Die neue Version ist eine schnörkellose mobile Social App, die sich auf reale Freunde konzentriert. Nutzer können beispielsweise neue Freunde nur hinzufügen, indem sie ihre iPhones persönlich aneinanderhalten. Mike Carson gab an, etwa 30.000 US-Dollar für die Domain und die Markenrechte von Friendster bezahlt zu haben.
Die ursprüngliche Plattform, die am 22. März 2002 registriert wurde, stellte 2015 ihren Betrieb ein und das Unternehmen wurde 2018 formell geschlossen. Carson erwarb die Domain nach einer Auktion und sicherte sich die Markenrechte am 13. Mai 2025. Die im April 2026 unter Friendster Labs Inc. neu gestartete App, die sich kaum von der früheren Version unterscheidet, außer dem Namen, erreichte schnell Platz 12 in der Kategorie soziale Netzwerke im Apple App Store.
Die neue Friendster-App, derzeit nur für iPhones verfügbar, verzichtet auf Werbung und Empfehlungsalgorithmen. Sie integriert eine "Relationship Decay"-Funktion, bei der digitale Verbindungen mit der Zeit schwächer werden, wenn Nutzer nicht im realen Leben interagieren. Carson erklärte in einem Medium-Post, dass heutige soziale Netzwerke "viel Negativität fördern", während er die ursprünglichen Tage von Friendster als "positive und angenehme Erfahrung" in Erinnerung hat. Das neue Friendster verspricht, keine Nutzerdaten zu verkaufen und legt Wert auf eine private, werbefreie Umgebung ohne Bots oder Spam.
Ein Markt für Nostalgie und Alternativen
Friendster und DiVine sind nicht die einzigen Internet-Relikte, die in jüngster Zeit wiederbelebt wurden. Letztes Jahr wurde Digg, einst ein Rivale von Reddit, von seinem ursprünglichen Mitbegründer Kevin Rose und Alexis Ohanian (einem Mitbegründer von Reddit) wiederbelebt. Im März musste das Unternehmen jedoch sein Team verkleinern und seine Strategie überdenken.
Es besteht ein klarer Appetit unter Gründern, alternative soziale Plattformen zu entwickeln, insbesondere solche, die eine nostalgische Saite anschlagen. Neuere Startups wie Perfectly Imperfect oder Cosmos nutzen Nostalgie, um Plattformen zu schaffen, die an Tumblr erinnern. Diese Entwicklung spiegelt einen wachsenden Wunsch nach kleineren, bedeutungsvolleren Online-Interaktionen und einem Fokus auf Datenschutz wider.
Herausforderungen und die Macht der Community
Der Aufbau einer neuen sozialen Plattform ist ein harter Kampf, selbst mit einem wiedererkennbaren Namen aus einer früheren Ära. Nutzer sind den Plattformen treu, auf denen sie bereits Fuß gefasst haben, und sie zum Wechsel zu bewegen, kann eine Herausforderung sein, wie Digg-CEO Justin Mezzell in einem Brief auf der Plattform-Website schrieb. Friendster und DiVine könnten ähnlichen Schwierigkeiten begegnen.
Die große Frage ist, ob diese wiederbelebten Plattformen tatsächlich eine Gemeinschaft aufbauen können. Tech-Gründer können neue Räume schaffen oder alte neu interpretieren, aber es ist die Fähigkeit, Nutzer zum Bleiben, zur Rückkehr und zur Schaffung einer Kultur zu bewegen, die einer App Leben einhaucht. Evan Henshaw-Plath fasst es zusammen: "Es ist nicht die Software, es ist nicht der Gründer, es ist nicht das Team. Es ist die Gemeinschaft der Nutzer, die diese Dinge zum Funktionieren bringt." Die begrenzte Verfügbarkeit von Friendster auf iPhones könnte zudem die schnelle Akzeptanz in Märkten, in denen Android dominiert, beeinflussen.