G7 berät über Notfall-Ölfreigabe: Rohölpreise explodieren nach Nahost-Konflikt

G7 berät über Notfall-Ölfreigabe: Rohölpreise explodieren nach Nahost-Konflikt

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Die G7-Finanzminister diskutieren eine koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven. Dies geschieht angesichts eines starken Anstiegs der Rohölpreise, ausgelöst durch den Konflikt im Nahen Osten. Die Maßnahme soll die globalen Energiemärkte stabilisieren und die wirtschaftlichen Auswirkungen abfedern.

G7 berät über Notfall-Ölfreigabe

G7-Finanzminister planen eine Telefonkonferenz am Montag, um eine koordinierte Freigabe von Notfall-Ölreserven zu erörtern. Die Diskussionen werden vom Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, koordiniert. Ziel ist es, die Auswirkungen des Konflikts im Iran zu bewerten und eine gemeinsame Freigabe von Erdöl aus strategischen Reserven in Betracht zu ziehen.

Drei G7-Länder, darunter die Vereinigten Staaten, haben bereits ihre Unterstützung für die Nutzung der Lagerbestände signalisiert. US-Beamte halten eine potenzielle Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel für angemessen, was etwa einem Viertel bis einem Drittel der öffentlichen IEA-Reserven von 1,2 Milliarden Barrel entspricht.

Hintergrund des Preisanstiegs

Der starke Anstieg der Rohölpreise wurde durch den Krieg im Iran ausgelöst. Am Montagmorgen verzeichneten die Benchmark-Rohölsorten zweistellige prozentuale Zuwächse. West Texas Intermediate (WTI), der wichtige US-Öl-Benchmark, notierte bei 103,80 US-Dollar, ein Plus von über 14 Prozent. Brent Crude, der internationale Benchmark, lag bei 105,88 US-Dollar, ebenfalls ein Anstieg von rund 14 Prozent.

Im frühen Handel stieg Brent Crude sogar um bis zu 29 Prozent auf 119,50 US-Dollar pro Barrel, bevor die Nachricht über das G7-Treffen die Preise leicht dämpfte und sie auf 106,73 US-Dollar stiegen. Vor dem Konflikt lag der Brent-Preis bei etwa 72 US-Dollar pro Barrel. Der Konflikt führte zur Schließung der Straße von Hormus für eine Woche, durch die etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Seegas-Tanker normalerweise passieren. Zudem wurden mindestens fünf Energieanlagen im und um Teheran getroffen, und Kuwaits nationale Ölgesellschaft kündigte eine vorsorgliche Produktionskürzung an.

Historische Reaktionen der IEA

Die IEA wurde 1974 als Reaktion auf die Ölkrise von 1973-1974 gegründet. Ihr Mandat ist es, Ländern bei der Koordinierung einer kollektiven Reaktion auf größere Störungen der Ölversorgung zu helfen. Seit ihrer Gründung unterhält die IEA einen gemeinsamen Notfallmechanismus, um globale Energiemärkte zu stabilisieren und die Wirtschaft in Zeiten starker Preisvolatilität zu schützen.

Das System wurde bisher fünfmal aktiviert:

  • Während des Ersten Golfkriegs 1991
  • Nach den Hurrikans Katrina und Rita 2005
  • Während der Libyen-Krise 2011
  • Zweimal nach Russlands Invasion in der Ukraine 2022

Auch die EU-Länder sind verpflichtet, Ölreserven für 90 Tage des Verbrauchs vorzuhalten.

Marktreaktionen und weitere Auswirkungen

Neben den Ölpreisen stiegen auch die Gaspreise erheblich. Der britische Monats-Gaspreis sprang um 19 Prozent auf 163 Pence pro Therm, während der kontinentaleuropäische Benchmark um 16 Prozent auf 62 Euro pro Megawattstunde zulegte. Die Aktienmärkte in Asien, den USA, Großbritannien und Kontinentaleuropa fielen am Montag. Der britische FTSE 100 Index sank um 1,9 Prozent, der deutsche Dax um fast 1 Prozent und der französische Cac 40 um 0,7 Prozent. Der Stoxx Europe 600 verlor 1,5 Prozent und machte damit alle Jahresgewinne zunichte.

Verbraucher weltweit spüren bereits die Auswirkungen: Lange Schlangen an Tankstellen und ein starker Anstieg der Kerosinpreise, was die Kosten für Flugreisen erhöht. Viele asiatische Raffinerien, die stark von Öl aus dem Nahen Osten abhängig sind, mussten ihre Betriebsraten senken, da sie versuchen, Alternativen zu den Lieferungen aus dem Persischen Golf zu finden.

Politische Stimmen und Ausblick

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump kommentierte am Sonntag, dass die steigenden Ölpreise ein "sehr kleiner Preis" für die USA und die Welt seien, um "Sicherheit und Frieden" zu gewährleisten. Er bezeichnete dies als eine "kurzfristige" Folge des Konflikts. Das iranische Regime warnte hingegen, dass US-israelische Angriffe die Preise noch weiter in die Höhe treiben könnten.

Einige US-Beamte erwägen laut Berichten auch die Möglichkeit, Sanktionen gegen russisches Öl aufzuheben, um den Markt zu stabilisieren. Die Situation im Nahen Osten bleibt ein kritischer Faktor für die globalen Energiemärkte und die Weltwirtschaft.

Erwähnte Persönlichkeiten