
Gemini: Class-Action-Klage wegen IPO-Täuschung und Strategiewechsel
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Die Krypto-Börse Gemini sieht sich einer Class-Action-Klage von Aktionären gegenüber, die dem Unternehmen vorwerfen, wesentliche Informationen über einen Strategiewechsel zu Prognosemärkten verschwiegen und die Rentabilität des Kerngeschäfts übertrieben dargestellt zu haben. Diese mutmaßlichen Versäumnisse sollen zu einem erheblichen Wertverlust der Gemini-Aktie seit dem Börsengang geführt haben.
Class-Action-Klage gegen Gemini und Winklevoss-Brüder
Die Klage wurde diese Woche vor einem Bundesgericht im Southern District of New York eingereicht und richtet sich gegen Gemini sowie deren Gründer Tyler und Cameron Winklevoss. Die Aktionäre behaupten, Gemini habe Anleger im Vorfeld des Börsengangs im Herbst 2025 materiell in die Irre geführt. Marc Methvin wird als Kläger genannt, der die Klage im Namen der Aktionäre in Manhattan eingereicht hat.
Die Kläger fordern ein Geschworenenverfahren und Schadensersatz für Anleger, die Aktien zu angeblich "künstlich überhöhten Preisen" kurz nach dem IPO erworben haben. Die Klage betrifft Aktionäre, die zwischen dem 12. September 2025 und dem 17. Februar 2026 Gemini-Aktien gekauft haben.
Vorwürfe der Täuschung beim IPO
Laut Klageschrift hat Gemini die "Rentabilität ihres Kerngeschäfts als Krypto-Plattform übertrieben" und "ihr Engagement und/oder die Rentabilität des Wachstums ihres Geschäfts durch die Ausweitung ihrer internationalen Aktivitäten übertrieben". Die IPO-Dokumente vom September 2025 sollen Gemini als wachsende Krypto-Börse dargestellt haben, die sich auf die Erweiterung ihrer Nutzerbasis und internationale Präsenz konzentriert.
Die Aktionäre argumentieren weiter, dass Gemini Informationen zurückhielt, die gezeigt hätten, dass das Unternehmen vor einer "kostspieligen und disruptiven Umstrukturierung" stand. Diese strategische Neuausrichtung sei bereits vor dem Börsengang beschlossen, aber nicht offengelegt worden.
Strategiewechsel zu Prognosemärkten und "Gemini 2.0"
Ein zentraler Vorwurf ist, dass Gemini Pläne für einen signifikanten Strategiewechsel zu Prognosemärkten unzulässig verschwieg, als das Unternehmen im September 2025 an die Börse ging. Die Winklevoss-Brüder kündigten im Februar 2026 an, dass die neue Prognosemarkt-Plattform "Gemini 2.0" für Nutzer "im Mittelpunkt" stehen werde.
Die Klage behauptet, dass dieser "abrupte Unternehmenswechsel" zu einem Prognosemarkt-zentrierten Geschäftsmodell nicht in den IPO-Dokumenten erwähnt wurde. Im November 2025 hätten Gemini-Führungskräfte noch öffentlich die Fortschritte bei der internationalen Expansion gelobt.
Massive Umstrukturierung und Personalabbau
Im Februar 2026, nur wenige Monate nach dem Börsengang, entließ die Krypto-Börse über ein Viertel ihrer Belegschaft und zog sich vollständig aus Europa, dem Vereinigten Königreich und Australien zurück. Das Unternehmen begründete dies mit dem Plan, auf KI zu setzen, um die Unternehmenseffizienz zu steigern.
Gleichzeitig verließen der Chief Financial Officer Dan Chen, der Chief Operations Officer Marshall Beard und der Chief Legal Officer Tyler Meade das Unternehmen. Diese Ereignisse, so die Klage, seien vorhersehbare Folgen einer Strategie gewesen, die Gemini nicht offengelegt habe.
Drastischer Aktienkursverfall und finanzielle Auswirkungen
Seit dem Börsengang vor sechs Monaten hat die Gemini-Aktie (Nasdaq: GEMI) fast 85 % ihres Wertes verloren. Der Ausgabepreis lag bei 28 US-Dollar, erreichte kurzzeitig 40 US-Dollar, fiel aber bis zum 20. Februar 2026 auf ein Allzeittief von 5,82 US-Dollar. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung am Freitag lag der Kurs bei 5,66 US-Dollar, ein Rückgang von 5,8 % an diesem Tag.
Im gleichen Zeitraum verlor Bitcoin etwa 40 % seines Preises. Die Gemini-Aktionäre bestehen jedoch darauf, dass der Schaden am Gemini-Aktienkurs maßgeblich mit dem angeblichen Versäumnis des Unternehmens zusammenhängt, den Zustand seiner Geschäfte und seine Zukunftspläne offenzulegen.
Gemini meldete am Donnerstag, dass die Einnahmen im vierten Quartal um 39 % gegenüber dem Vorjahr auf 60,3 Millionen US-Dollar stiegen und damit die Analystenerwartungen von 51,7 Millionen US-Dollar übertrafen. Dennoch wurde für 2025 ein Nettoverlust von 582,8 Millionen US-Dollar ausgewiesen, wobei die Betriebskosten laut Klage um rund 40 % gestiegen sind. Gemini hat auf Anfragen zur Klage bisher nicht reagiert.