
Gen Z revolutioniert Alkoholkonsum: Der Aufstieg des Daycap und Wellness-Trends
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Die Gen Z und jüngere Millennials definieren den Alkoholkonsum neu: Sie trinken bewusster, früher am Tag und legen Wert auf Qualität statt Quantität. Dieser Wandel, oft als "Daycap"-Trend bezeichnet, zwingt die Alkoholindustrie und Gastronomie, ihre Produkte und Angebote an die neuen sozialen Rituale anzupassen.
Gen Z definiert den Alkoholkonsum neu
Die jüngeren Generationen, insbesondere die Gen Z, konsumieren Alkohol anders als ihre älteren Pendants. Sie trinken im Allgemeinen weniger und, wenn sie trinken, tun sie dies sehr bewusst. Dabei stehen Qualität, Geschmack und der soziale Kontext im Vordergrund, nicht die Menge.
Dieser achtsame Konsum spiegelt sich auch in Zahlen wider: Im Vereinigten Königreich geben 39 % der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren an, überhaupt keinen Alkohol zu trinken. In den USA konsumieren lediglich 18-20 % der unter 28-Jährigen regelmäßig Alkohol. Die "Sober Curious"-Bewegung, die zu einem bewussteren Umgang mit Alkohol anstelle von vollständiger Abstinenz aufruft, hat sich von einem Nischenphänomen zu einer kulturellen Kraft entwickelt.
Der Aufstieg des "Daycap": Alkohol am Tag, nicht in der Nacht
Ein zentraler Aspekt dieser Veränderung ist der sogenannte "Daycap" – ein Getränk, das man vor dem Abend hat, anstatt eines späten "Nightcaps". Es geht darum, spätabendliche Exzesse durch nachmittäglichen Genuss zu ersetzen. Laut einem Ipsos-Bericht aus dem Jahr 2025 gab es einen jährlichen Anstieg des Tageskonsums über alle Generationen hinweg.
Dieser Trend zeigt sich in der wachsenden Beliebtheit früherer sozialer Anlässe wie Brunchs, Festivals und Dinner-Reservierungen vor Sonnenuntergang. Das Online-Buchungsportal OpenTable verzeichnete einen deutlichen Anstieg der Restaurantreservierungen um 18 Uhr, national um 6 % und in London sogar um 11 %. Die neue nationale durchschnittliche Essenszeit liegt bei 18:12 Uhr.
Die Alkoholindustrie reagiert auf neue Konsumgewohnheiten
Alkoholmarken und Bars passen ihre Strategien an, um diesen veränderten Trinkgewohnheiten gerecht zu werden. Sie entwickeln Produkte und Marketingkampagnen, die auf Tagesmomente abzielen und die Definition eines "Trinkanlasses" neu gestalten.
- Absolut kooperierte kürzlich mit Tabasco und setzte stark auf die Brunch-Kultur, mit Teasern rund um den Bloody Mary Day und den National Hot Sauce Day. Caroline Begley, US VP of Marketing für Absolut, betonte im Februar, dass jüngere Konsumenten "anders trinken" und sehr bewusst die "Gelegenheit, die Stimmung, die Atmosphäre" in den Mittelpunkt stellen.
- Malibu zielt mit seinem neuen Malibu Pink (21 % ABV, Guaven-Geschmack) auf den "pre, pre-getting ready"-Moment ab.
- On The Rocks, eine Marke für trinkfertige Cocktails, beobachtet eine Ausweitung des Konsums über Bars hinaus auf kleinere, zwanglosere Zusammenkünfte. Daniel May, Senior Brand Director bei On The Rocks, sieht eine Nachfrage nach "hochwertigen, handwerklichen Erlebnissen" mit dem Komfort einer Dose.
Auch Investitionen in Festival-Aktivierungen wie Stagecoach und Rolling Loud unterstreichen, dass viele moderne Trinkanlässe nun bei Tageslicht stattfinden. Phil Mikhaylov, CEO und Mitbegründer von Unicorn Auctions, einer Wein- und Spirituosenplattform, beschreibt jüngere Käufer als strategisch und bereit, für Premium-Flaschen oder Erlebnisse auszugeben, da sie "besser trinken" statt mehr.
Wellness und Achtsamkeit prägen soziale Interaktionen
Der Wandel im Alkoholkonsum ist Teil einer breiteren kulturellen Verschiebung hin zu Wellness, Achtsamkeit und intentionalem Leben. Für die Gen Z ist die Priorisierung der mentalen Gesundheit entscheidend; Kater, Angstzustände und Post-Party-Blues werden zunehmend als unnötige Belastungen empfunden.
- "Soft Clubbing": Daten von Eventbrite zeigen ein explosionsartiges Wachstum wellnessorientierter Veranstaltungen, die Alkohol in den Hintergrund rücken. "Coffee Clubbing"-Events stiegen um 478 %, "Sauna Raves" um 256 % und "Morning Dance Parties" um 20 %.
- Alternative Getränke: Der Markt für THC-Seltzers, adaptogene Getränke, nootropische Mischungen sowie alkoholreduzierte oder alkoholfreie Optionen wächst stark. Diese Getränke versprechen Funktionen wie Energie, Leistung und Erholung.
- Neue soziale Rituale: Statt des traditionellen Nachtlebens konzentrieren sich soziale Kontakte zunehmend auf organisierte Tagesaktivitäten wie Gruppenfitness, Pickleball, Kaffeehaus-Brunches oder Bauernmärkte. Tara Oporto, CEO von Enchantra, fasst es zusammen: "Menschen wollen Verbindungen, die ihr Leben bereichern, nicht Verbindungen, die eine Erholung erfordern."
In Städten wie New York City entstehen bereits "Sober Bars" wie das No More Cafe und Mockingbird, die Mocktails und alkoholfreie Optionen anbieten. Veranstaltungen wie die Zero Proof NY Party ermöglichen es, Musik und Gemeinschaft ohne Alkoholeinfluss zu genießen. Dieser Trend wird durch Faktoren wie hybride Arbeitsmodelle, tragbare Technologie und ein erhöhtes Bewusstsein für psychische Gesundheit verstärkt, da "Brain Fog" und schlechte Schlafwerte nun messbare Kosten haben.