
Gen Z verlässt San Francisco: Nashville und Orlando als neue Tech-Hotspots
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Die einst so begehrte Bay Area, insbesondere San Francisco, zog von Mitte der 2000er bis Ende der 2010er Jahre junge Absolventen an, getrieben vom Web 2.0- und Mobile-Tech-Boom. Die Stadt versprach hochbezahlte Jobs und einen entspannten Westküsten-Lebensstil. Doch in den letzten Jahren hat sich dieser Trend umgekehrt.
Jüngere Arbeitnehmer verlassen San Francisco zunehmend, auf der Suche nach erschwinglicheren Städten und einer besseren Work-Life-Balance. Was mit einem pandemiebedingten Exodus begann, bei dem viele näher an ihre Familien zogen oder einen anderen Lebensstil suchten, führte zu einer Verlagerung in Staaten wie Texas und Florida, wo Arbeitsplätze reichlich vorhanden und Mieten erschwinglicher waren. Eine Umfrage des globalen Architekturbüros Gensler zeigte, dass fast die Hälfte der jungen, kinderlosen Erwachsenen in San Francisco einen Umzug in Betracht zog.
"Welcomer Cities" als neue Anziehungspunkte
Ein aktueller Bericht des Immobilien- und Investmentmanagementunternehmens JLL beschreibt nun ein drittes Kapitel dieser Migrationsbewegung: Jüngere Generationen zieht es in sogenannte "Welcomer Cities" wie Nashville und Orlando. JLL definiert diese Städte als Orte, die weiterhin zahlreiche Unternehmensjobmöglichkeiten bieten, aber deutlich erschwinglicher sind als große Metropolen.
Travis McCready, Head of Industries, Leasing Advisory bei JLL, hebt hervor, dass Nashvilles ausgeprägte kulturelle Präsenz und Orlandos vorteilhafte Steuerpolitik sie zu starken Talentmagneten machen. Insgesamt verzeichneten "Welcomer Cities" in den letzten drei Jahren eine Netto-Migrationsrate von 5,2 %, während "Ankerstädte" wie New York und die Bay Area im gleichen Zeitraum nur ein Migrationswachstum von 0,6 % aufwiesen. Dies bedeutet, dass "Welcomer Cities" wie Nashville und Orlando nun ernstzunehmende Akteure in der Innovationsökonomie sind, so JLL, das Talentmigration, Büromarktdynamik und Unternehmensinvestitionen in 135 Städten weltweit verfolgt.
Die Kosten des Lebens: Ein entscheidender Faktor
Die Generation Z zieht es in den letzten Jahren verstärkt in erschwinglichere Städte, um der steigenden Lebenshaltungskostenkrise zu begegnen. Neben Texas und Florida haben viele auch den Mittleren Westen für sich entdeckt, wo Immobilienpreise etwa 30 % günstiger sind als an den Küsten. Eine Analyse von ConsumerAffairs aus dem Jahr 2025, basierend auf Daten des U.S. Census Bureau und des Federal Financial Institutions Examination Council (FFIEC), ergab, dass sieben der zehn zugänglichsten Metropolen für junge Eigenheimbesitzer im Mittleren Westen liegen. Kalifornien dominierte erwartungsgemäß die Liste der am wenigsten erschwinglichen Metropolregionen für die Gen Z.
Ein Kostenvergleich von Apartments.com verdeutlicht die Diskrepanz:
- Die Lebenshaltungskosten in San Francisco sind 80,6 % höher als in Orlando, und die Immobilienpreise sind 226,2 % höher.
- Im Vergleich zu Nashville sind die Lebenshaltungskosten in San Francisco 66,3 % höher, und Wohnraum ist fast 150 % teurer.
McCready betont, dass die Anziehungsfaktoren, die Menschen in erschwinglichkeits- und lifestyleorientierte Städte wie Nashville und Orlando ziehen, wahrscheinlich nicht verschwinden werden, da die Menschen dort ein Leben aufgebaut, Häuser gekauft und Wurzeln geschlagen haben.
Unternehmen folgen dem Trend: Corporate Migration
Die Verlagerung von Unternehmen verstärkt den Zuzug junger Menschen in diese Regionen. Im Jahr 2024 kündigte Oracle Pläne an, seinen "Welthauptsitz" in Nashville zu errichten, mit einer Kapitalinvestition von 1,2 Milliarden US-Dollar über ein Jahrzehnt und der Zusage, 8.500 Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Die Führung des Bundesstaates Tennessee bot einen Wirtschaftszuschuss von 65 Millionen US-Dollar an, um die Kosten zu decken. Aktuelle Berichte deuten jedoch darauf hin, dass Oracle Schwierigkeiten hat, Mitarbeiter für sein Büro zu gewinnen.
Auch Starbucks gab kürzlich bekannt, einen Unternehmens-Hub in Nashville zu eröffnen, der laut CoStar 250.000 Quadratfuß umfassen und Platz für bis zu 2.000 Mitarbeiter bieten soll. Mike Grams, COO von Starbucks, erklärte: "Mit diesen Wachstumsplänen sehen wir Nashville, Tennessee, als idealen Standort, um ein Büro zu eröffnen und eine strategischere Präsenz in der südöstlichen Region der USA aufzubauen." In Orlando verlagerte Travel + Leisure seinen globalen Hauptsitz in die Innenstadt – ein Schritt, den McCready als "ein beachtenswertes Signal" bezeichnete. Das in Boston ansässige Cybersicherheitsunternehmen SimSpace verlegte dieses Jahr ebenfalls seinen Hauptsitz nach Orlando, und das globale Bankensoftwareunternehmen Temenos, AMD und Charles Schwab haben in den letzten Jahren alle Expansionen in Orlando angekündigt.
Büroimmobilienmarkt im Umbruch
Trotz dieser Verlagerungen bedeutet dies keineswegs das Ende für Städte wie San Francisco oder New York. Es zeigt lediglich, dass sie nun stärker mit mittelgroßen Märkten konkurrieren. McCready merkt an, dass in etablierten Zentren wie New York und der Bay Area eine Erholung stattfindet, die jedoch sehr selektiv ist. Die Nachfrage konzentriert sich auf Orte und Räume mit hoher Zugänglichkeit, Sichtbarkeit und Zugang zu Annehmlichkeiten. Das Angebot in diesen Märkten ist jedoch stark begrenzt: Nur etwa 9 % der Büroflächen in der Bay Area und großen Ankerstädten wurden nach 2020 gebaut. Unternehmen, die sich in San Francisco oder New York konsolidieren möchten, konkurrieren daher um einen sehr kleinen Anteil wirklich begehrenswerter Flächen.
Für Unternehmen, die eine Standortverlagerung in Betracht ziehen, sprechen die Zahlen in aufstrebenden Innovationszentren wie Orlando oder Nashville eine überzeugende Sprache. Nashville gehörte 2025 zu den Top-Fünf-US-Märkten für das Verhältnis von Absorption zu Neubau, wobei 35 % des neuen Angebots im letzten Jahr absorbiert wurden, neben New York, Charlotte, Seattle und Phoenix. Die Mieten für Class A-Büroflächen liegen bei 43,52 US-Dollar pro Quadratfuß, was deutlich unter den Raten großer Städte liegt, aber in einem von McCready als "wirklich wettbewerbsfähig" beschriebenen Bereich.
Orlandos Leerstandsquote von 15,3 % liegt deutlich unter dem nationalen Durchschnitt von 22,4 %, und der Markt verzeichnet eine stetige Nachfrage nach hochwertigen, gut ausgestatteten Flächen. Dies steht im Gegensatz zur Bay Area, wo nur etwa 9 % des gesamten Bürobestands nach 2020 gebaut wurden und die Spitzenmieten durchschnittlich 1.296 US-Dollar pro Quadratmeter betragen. Class A+-Mieten in einer "Welcomer City" (wie Orlando oder Nashville) liegen laut JLL-Daten bei durchschnittlich 627 US-Dollar pro Quadratmeter, also etwa der Hälfte dieses Wertes. McCready fasst zusammen: "In San Francisco konkurrieren Sie um sehr wenig Platz gegen sehr finanzstarke etablierte Unternehmen. Aufstrebende Hubs bieten etwas zunehmend Seltenes: Wahlmöglichkeiten. Mehr modernes Inventar, wettbewerbsfähigere Mieten und – entscheidend – Talentpools, die wachsen, nicht nur zirkulieren."
Regionale Verschiebungen: Der Süden im Aufwind
Die Wanderungsbewegungen der Amerikaner im Jahr 2026 zeigen deutliche regionale Verschiebungen. Mehrere unabhängige Datenquellen stimmen darin überein, dass der Süden der USA die größten Zuwächse verzeichnet. Die "Vintage 2025"-Schätzungen des Census Bureau zeigen, dass South Carolina mit 1,5 % am schnellsten unter allen Staaten wuchs, gefolgt von Idaho (1,4 %), North Carolina (1,3 %) und Texas (1,2 %). In absoluten Zahlen führte Texas die Nation mit 391.243 neuen Einwohnern an, gefolgt von Florida (196.980) und North Carolina (145.907).
Der U-Haul Growth Index, der über 2,5 Millionen Einweg-LKW-Vermietungen pro Jahr verfolgt, stufte Texas für 2025 als den Wachstumsstaat Nr. 1 ein – ein Anstieg von Platz 2 im Vorjahr. Florida kletterte auf Platz 2, gefolgt von North Carolina, Tennessee und South Carolina. Die 49. jährliche "National Movers Study" von United Van Lines, basierend auf Full-Service-Haushaltsumzügen, zeigt ein leicht abweichendes Bild an der Spitze: Oregon belegte mit 64,5 % den ersten Platz bei den eingehenden Umzügen, ein dramatischer Sprung von Platz 8 im Vorjahr. South Carolina (60,8 %), Delaware (59,7 %) und North Carolina (57,8 %) rundeten die Spitzengruppe ab.
Die Region Süd wuchs laut Census-Schätzungen um 0,9 % – mehr als viermal so schnell wie der Nordosten mit 0,2 %. Eine genauere Betrachtung der Daten zeigt jedoch eine signifikante Verschiebung: Texas und Florida, die beiden größten Migrationsmagnete des letzten Jahrzehnts, werden von United Van Lines nun als "ausgeglichen" eingestuft, was bedeutet, dass eingehende und ausgehende Umzüge ungefähr gleich sind – ein Novum für beide Staaten in jüngster Zeit.
Kalifornien und die "Ankerstädte" im Wandel
Fünf Staaten verloren zwischen Juli 2024 und Juli 2025 laut Census-Schätzungen Einwohner: Kalifornien (minus ca. 9.000), Hawaii (2.000), Vermont (1.800), West Virginia (1.000 bis 2.000) und New Mexico (1.000). Kaliforniens Geschichte ist dabei die folgenreichste. Der Staat verzeichnet seit Jahren eine anhaltende Abwanderung von Einwohnern – etwa 230.000 Einwohner pro Jahr verlassen ihn netto in andere Staaten. In früheren Jahren glichen internationale Zuwanderung diese Verluste mehr als aus. Doch die Nettozuwanderung nach Kalifornien sank im Jahresvergleich um etwa 70 %, von 361.000 auf etwa 109.000, was den Staat in einen Bevölkerungsrückgang führte.
Der U-Haul Growth Index hat Kalifornien sechs Jahre in Folge auf dem letzten Platz (50 von 50 Staaten) eingestuft. New York (47.), New Jersey (48.) und Illinois (49.) blieben durchweg am unteren Ende. New Jersey hält eine besonders hartnäckige Auszeichnung: Es war acht Jahre in Folge der Staat mit der höchsten Abwanderung in der United Van Lines-Studie, obwohl sich seine Abwanderungsrate in den jüngsten Daten von 67 % auf 62 % verbesserte. Die Studie stellte fest, dass 21 % der eingehenden Umzüge nach New Jersey im Jahr 2025 Erwachsene im Alter von 18 bis 34 Jahren waren, was auf eine jüngere demografische Gruppe hindeutet.
Die Entwicklung zeigt, dass die Attraktivität der "Ankerstädte" zwar nicht verschwunden ist, sich aber die Dynamik des Arbeits- und Immobilienmarktes zugunsten der "Welcomer Cities" verschiebt. Für Unternehmen und junge Talente bieten diese aufstrebenden Hubs eine zunehmend attraktive Kombination aus Karrierechancen und Lebensqualität.