
Gig-Economy im Umbruch: Herausforderungen und Chancen für Selbstständige
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Die Gig-Economy, einst ein Synonym für flexible Nebentätigkeiten und lukrative Verdienstmöglichkeiten, befindet sich im Wandel. Fahrer von Ride-Hailing-Diensten und Essenslieferanten sehen sich zunehmendem Wettbewerb, sinkenden Einnahmen und der wachsenden Bedrohung durch autonome Fahrzeuge gegenüber, was viele dazu bringt, ihre berufliche Zukunft zu überdenken.
Gig-Arbeit im Wandel: Herausforderungen für Fahrer und Zusteller
Für viele Arbeitnehmer war das Fahren für Uber und Lyft oder das Ausliefern von Restaurantbestellungen für DoorDash ein Nebenverdienst oder sogar ein Lebensstil. Doch die Kombination aus Basissatzkürzungen und verstärktem Wettbewerb hat die Arbeit zunehmend schwieriger gemacht, wie Gig-Worker Business Insider seit Jahren berichten. Selbst diejenigen, die Ride-Hailing- oder Lieferdienste einst als lukrativ empfanden, suchen nun nach Alternativen.
Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Flexibilität und Autonomie der Plattformarbeit ein wichtiger Anziehungspunkt. Dies gilt insbesondere für junge Arbeitnehmer, die Betreuungsaufgaben oder Weiterbildungen mit Abendkursen unter einen Hut bringen müssen. So ermöglicht die Lieferarbeit der 29-jährigen Ms Azlyiana Mad Azmi, sich um ihre drei Kinder zu kümmern und gleichzeitig ein Einkommen zu erzielen, während diese in der Schule sind. Auch die Möglichkeit, Einnahmen täglich oder wöchentlich auszuzahlen, bietet eine sofortige Liquidität, die traditionelle Einstiegsjobs oft nicht bieten.
Der Aufstieg autonomer Fahrzeuge: Eine existenzielle Bedrohung?
Eine der größten zukünftigen Herausforderungen für Ride-Hailing-Fahrer ist die zunehmende Realität selbstfahrender Taxis, die von Unternehmen wie Waymo und Tesla betrieben werden. Obwohl diese derzeit nur in wenigen Städten verfügbar sind, wird sich dies in den kommenden Jahren voraussichtlich ändern. Uber-CEO Dara Khosrowshahi räumt ein, dass dieser Trend viele Gig-Worker wahrscheinlich arbeitslos machen wird.
Die Attraktivität der Selbstständigkeit: Flexibilität und Kontrolle
Trotz der Unsicherheiten in bestimmten Sektoren der Gig-Economy zeigt eine aktuelle nationale Umfrage von Gallup, dass 62 % der US-Erwachsenen die Selbstständigkeit gegenüber traditionellen Arbeitsplätzen bevorzugen. Dieser Trend spiegelt einen breiteren Wunsch nach Unabhängigkeit, Flexibilität und Work-Life-Balance wider, Werte, die in der heutigen Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die COVID-19-Pandemie und der Aufstieg der Fernarbeit haben diesen Wunsch nach Unabhängigkeit weiter verstärkt.
Die Hauptattraktivität der Selbstständigkeit liegt in ihrer Flexibilität. Umfrageteilnehmer nannten die Möglichkeit, ihre eigenen Zeitpläne festzulegen, als einen der überzeugendsten Gründe. Laut Gallup und McKinsey ist Flexibilität ein Kernmotivator für diejenigen, die eine Selbstständigkeit in Betracht ziehen oder bereits ausüben. Die Freiheit, die Art der Projekte oder Branchen zu wählen, führt zu höherer Arbeitszufriedenheit; eine Gallup-Studie ergab, dass Arbeitnehmer, die ihre Arbeit mit persönlichen Werten in Einklang bringen, dreimal häufiger eine höhere Zufriedenheit berichten.
Schattenseiten der Gig-Ökonomie: Geringe Bezahlung und fehlende Absicherung
Die Flexibilität der Gig-Arbeit geht jedoch oft mit erheblichen Nachteilen einher. Ein Bericht des Calgary Social Policy Collaborative (SPC) über die Gig-Economy in Alberta zeigt, dass Gig-Worker jährlich etwa 15.000 bis 25.000 US-Dollar weniger verdienen als in konventionellen Berufen. National verdienen 29 % der Gig-Worker unter dem Mindestlohn, verglichen mit nur 1 % der Arbeitnehmer in traditionellen Jobs.
Weitere wichtige Erkenntnisse des Berichts sind:
- Gig-Arbeit ist in Alberta häufiger bei Frauen und älteren Bevölkerungsgruppen verbreitet.
- Die häufigsten Arten von Gig-Arbeit sind Lieferdienste, gefolgt von professionellen Dienstleistungen und Ride-Sharing. Frauen sind seltener im Ride-Sharing und der Essenslieferung tätig, dafür aber häufiger in der Hausbetreuung und medizinischen Diensten, was auf geschlechtsspezifische Sicherheitsbedenken hindeutet.
- Gig-Worker haben eine wesentlich geringere Wahrscheinlichkeit, arbeitgeberfinanzierte Leistungen zu erhalten.
- Viele Gig-Worker halten mehrere Jobs oder betrachten einen Teilzeitjob als ihren Hauptarbeitgeber, was auf einen größeren finanziellen Bedarf und eine höhere Anfälligkeit hindeutet.
Trotz der genannten Vorteile der Flexibilität wurden in Interviews mit Gig-Workern auch Bedenken hinsichtlich Sicherheit, Ausbeutung und geringer Bezahlung geäußert. Im Gegensatz dazu bieten Direktvertriebsunternehmen oft lohnendere Vergütungspläne und größere Karrierechancen, da Gig-Jobs in der Regel einmalig sind und nur begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten bieten.
Ein Blick in die Zukunft: Was erwartet Gig-Worker?
Der Arbeitsmarkt entwickelt sich dramatisch weiter, und die Menschen sind offener denn je für alternative Einkommensquellen und Selbstständigkeit. Arbeitgeber beginnen, diesen Trend zu erkennen und passen ihre Strategien an, indem sie flexiblere Arbeitsmodelle oder kreative Möglichkeiten anbieten, um Talente zu halten. Unternehmen, die Autonomie und persönliches Wachstum ermöglichen, sind besser positioniert, um den sich ändernden Erwartungen der Arbeitnehmer gerecht zu werden.
Business Insider plant, auch 2026 weiter über die Erfahrungen von Gig-Workern zu berichten. Die Spannung zwischen dem Wunsch nach Flexibilität und den Herausforderungen durch sinkende Einnahmen und technologische Disruption wird die Gig-Economy in den kommenden Jahren prägen.