Globale Lieferketten im Umbruch: Trumps Handelspolitik verschiebt Fokus von China

Globale Lieferketten im Umbruch: Trumps Handelspolitik verschiebt Fokus von China

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Die globalen Lieferketten durchlaufen eine tiefgreifende Transformation, die sich in den letzten zehn Jahren signifikant beschleunigt hat. Angetrieben durch die Handelspolitik der Trump-Administration, insbesondere die Einführung von Zöllen, verlagert sich der Fokus der Beschaffung zunehmend weg von China hin zu Ländern in Südostasien. Diese Diversifikation hat weitreichende Auswirkungen auf den internationalen Handel und die globale Fertigungslandschaft.

Globale Lieferketten im Wandel: Eine Dekade der Diversifikation

Die Abhängigkeit von Lieferanten aus China, Hongkong und Korea hat sich in den letzten zehn Jahren drastisch reduziert. Laut einer Analyse von Wells Fargo Supply Chain Finance sank der Anteil des Volumens dieser Region von 90 Prozent auf 50 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt eine langfristige Diversifizierung der Lieferketten wider, die während der ersten Trump-Administration und des Handelskonflikts erheblich an Fahrt aufnahm.

Jeremy Jansen, Leiter des globalen Originierungsgeschäfts bei Wells Fargo Supply Chain Finance, stellte fest, dass sich die Lieferantendiversifizierung weg von China nach den ersten Zollmaßnahmen von 2018 bis 2020 nahezu verdoppelte. Seit dem ersten Handelskrieg hat die schrittweise Zunahme der Diversifizierung der Lieferketten von China in die Region Südasien-Pazifik stetig zugenommen. Basierend auf den Lieferantenzahlen ist die Diversifizierung zwischen der nördlichen und südlichen Asien-Pazifik-Region nun ausgeglichen, bei 50/50.

Trumps Handelspolitik als Katalysator

Während der 1990er Jahre förderte die Welt den Abbau internationaler Handelsbarrieren, unter anderem durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) und die Gründung der Welthandelsorganisation (WTO). Dies führte zu einer komplexen globalen Lieferkette, in der die Vereinigten Staaten ihre Zollsätze senkten und Länder sich auf ihre komparativen Vorteile konzentrierten. Diese Weltordnung begann sich jedoch während der ersten Präsidentschaft von Donald Trump zu ändern, und diese Veränderungen wurden durch die Biden-Administration noch verstärkt. Acht Monate nach Beginn von Präsident Trumps zweiter Amtszeit haben die rasanten Veränderungen die internationalen Handelsnormen auf den Kopf gestellt.

Im Februar 2025 kündigte Präsident Trump Zollerhöhungen auf Stahl von „mindestens 25 Prozent“ an, die am 12. März 2025 in Kraft traten. Im Juni verdoppelte er die Stahlzölle per Executive Order auf 50 Prozent, wirksam ab dem 7. August 2025 für auf Schiffen verladenen Stahl. Am 2. April 2025 folgten neue „reziproke“ Zölle als Teil einer breiteren wirtschaftlichen Notstandsreaktion, darunter ein universeller 10-Prozent-Zoll auf die meisten Importe und ein 30-Prozent-Zoll auf Importe aus China, die als „Liberation Day“-Zölle bezeichnet wurden. Schon zuvor hatte Präsident Trump einen 25-Prozent-Zoll auf ausgewählte Waren aus Mexiko und Kanada verhängt. Die Begründungen der Regierung für diese Zölle umfassten Handelsdefizite, mangelnde Reziprozität im internationalen Handel und den Fentanyl-Handel.

Diese Zölle wurden hauptsächlich unter dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) verhängt, einem Gesetz, das zuvor noch nie zur Verhängung von Zöllen genutzt wurde und keinen formellen Untersuchungsprozess vorsieht. Obwohl kurz darauf eine 90-tägige Pause angekündigt wurde, blieben wichtige Teile, einschließlich des universellen 10-Prozent-Zolls, in Kraft. Gerichte, darunter der Court of International Trade und der Federal Circuit Court of Appeals, haben einige von Präsident Trumps Zollerhöhungen als rechtswidrig eingestuft, da IEEPA Zölle weder erwähnt noch autorisiert.

Neue Handelsrouten und Profiteure

Die Auswirkungen dieser Handelspolitik sind in den Handelsströmen deutlich sichtbar. Die Importe aus China in die USA sind laut Daten des Frachtanalyseunternehmens SONAR im Jahresvergleich um 26 Prozent gesunken. Gleichzeitig haben die Handelsvolumina von China in die Region Südasien-Pazifik erheblich zugenommen.

Laut Project 44, das Lieferkettenverschiebungen verfolgt, stieg Chinas Handel im Jahr 2025 mit Indonesien um 29,2 Prozent, mit Vietnam um 23 Prozent, mit Indien um 19,4 Prozent und mit Thailand um 4,3 Prozent. Im Gegenzug stieg das Containerhandelsvolumen in die USA im Jahresvergleich für Vietnam um 23 Prozent, für Thailand um 9,3 Prozent und für Indonesien um 5,4 Prozent. Die Migration mittelständischer Lieferanten lässt sich nach Taiwan, Vietnam, Indonesien, Thailand, Indien und Malaysia verfolgen.

Das Hin und Her im Handelskonflikt 2025

Das Jahr 2025 war geprägt von einer Kaskade von Zöllen, Exportkontrollen, teilweisen Handelswaffenstillständen und diplomatischen Gesprächen zwischen den USA und China. US-Präsident Donald Trump zielte mit Zöllen auf Importe im Wert von Milliarden von Dollar ab, um das Handelsdefizit zu verringern, die heimische Fertigung wiederzubeleben und den Fentanyl-Handel einzudämmen.

Die Dynamik des Konflikts zeigte sich in einer Reihe von Ereignissen:

  • November 2025: China kündigte an, den Zugang und die Investitionsmöglichkeiten für US-Unternehmen, insbesondere im Dienstleistungssektor, zu erweitern. Es pausierte Hafenabgaben für US-bezogene Schiffe und setzte Sanktionen gegen Tochtergesellschaften des südkoreanischen Schiffbauers Hanwha Ocean aus. China hob auch das Exportverbot für Gallium, Germanium und Antimon in die USA auf, wobei Lizenzen weiterhin erforderlich sind. Exportkontrollmaßnahmen vom 9. Oktober, darunter Beschränkungen für Seltene Erden, Lithiumbatteriematerialien und superharte Materialien, wurden ebenfalls ausgesetzt. China begann mit der Bildung eines neuen Lizenzierungssystems für Seltene Erden, um Lieferungen möglicherweise zu beschleunigen, und stellte US-Lizenzen für Sojabohnen- und Holzimporte wieder her. China kaufte US-Agrarprodukte, darunter Weizen- und Sorghumlieferungen, und setzte die Vergeltungszölle auf US-Importe ab dem 10. November aus, behielt jedoch einige Zölle als Reaktion auf Trumps „Liberation Day“-Zölle bei.
  • Oktober 2025: Trump und Xi Jinping erzielten in Südkorea einen neuen Handelswaffenstillstand, der Zollsenkungen, erhöhte US-Sojabohnenkäufe und Maßnahmen gegen den illegalen Fentanyl-Handel umfasste. Gespräche in Malaysia führten zu einem Rahmenabkommen. Die USA verurteilten chinesische Sanktionen gegen Hanwha Ocean als Zwang. Beide Nationen verhängten zusätzliche Hafenabgaben, und China sanktionierte fünf mit den USA verbundene Hanwha Ocean-Einheiten. China weitete seine Exportkontrollen für Seltene Erden aus, während die USA zusätzliche Abgaben und Exportkontrollen für kritische Software ankündigten und Boeing-bezogene Maßnahmen androhten. China untersuchte Qualcomm wegen des Kaufs von Autotalks.

Dieser komplexe Tanz aus Eskalation und Deeskalation unterstreicht die anhaltende Unsicherheit im internationalen Handel und die Notwendigkeit für Unternehmen, sich auf kurz- und langfristige Auswirkungen vorzubereiten, um von den Veränderungen in den globalen Lieferketten zu profitieren.

Erwähnte Persönlichkeiten