Globale Märkte unter Druck: Öl, Lieferketten und neue Handelszölle

Globale Märkte unter Druck: Öl, Lieferketten und neue Handelszölle

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Die globalen Märkte stehen vor einer dreifachen Herausforderung: Der Nahost-Konflikt treibt die Ölpreise in die Höhe und stört Lieferketten, während die US-Regierung neue Handelsuntersuchungen einleitet. Diese Kombination aus volatilen Energiemärkten, angespannten Lieferketten und aufkeimenden Handelsspannungen sorgt für Unsicherheit und könnte weitreichende wirtschaftliche Folgen haben.

Eskalation im Nahen Osten treibt Ölpreise an

Die Spannungen im Nahen Osten haben sich zugespitzt, nachdem die Vereinigten Staaten und Israel Ende letzten Monats begannen, den Iran anzugreifen. Teheran reagierte darauf mit Angriffen auf Ziele im ölreichen Golf und der faktischen Schließung der Straße von Hormus. Am 11. März 2026 wurde nahe des Grenzübergangs Bashmagh iranisches Heizöl von einem Verkäufer umgepumpt.

Die Situation eskalierte weiter, als am Mittwochmorgen Ortszeit mindestens drei Handelsschiffe im oder nahe der Straße von Hormus von mutmaßlichen Projektilen getroffen wurden, wobei eines in Brand geriet und die Besatzung evakuiert werden musste. Iranische Angriffe auf wichtige Energieproduktionsanlagen in Katar und Saudi-Arabien haben zudem einen erheblichen Teil der weltweiten Energieversorgung gelähmt. Die Straße von Hormus ist ein kritischer Seeweg, durch den ein Fünftel des weltweiten Öls und mehr als ein Drittel der global gehandelten Düngemittel transportiert werden.

Rekordfreigaben und volatile Rohölmärkte

Als Reaktion auf die Auswirkungen des Nahost-Krieges auf die Energiemärkte hat die Internationale Energieagentur (IEA) am Mittwoch eine Rekordfreigabe von 400 Millionen Barrel Öl aus den Reserven ihrer Mitgliedsländer vereinbart – die größte Freigabe dieser Art überhaupt. Zusätzlich kündigten die USA an, 172 Millionen Barrel aus ihrer Strategischen Erdölreserve (SPR) zu entnehmen, um die Energiekosten zu senken.

Trotz dieser Maßnahmen zeigten sich die Märkte nicht beruhigt. Die Rohölpreise schlossen am Mittwoch über 4% höher, während die US-Märkte gemischt endeten und europäische Märkte niedriger schlossen. US-Aktienfutures gaben ebenfalls nach. Brent-Rohöl lag am Freitagmorgen US-Zeit bei etwa 84 Dollar pro Barrel, was einem Anstieg von etwa 15 Prozent gegenüber den Preisen vor dem Konflikt entspricht. Dieser Anstieg ist jedoch moderater im Vergleich zu früheren Krisen, wie dem Öl-Embargo von 1973-74, als sich die Preise in nur drei Monaten vervierfachten.

Die Abhängigkeit der Welt vom Öl aus dem Nahen Osten ist seitdem erheblich gesunken, wobei die USA heute der größte Produzent weltweit sind und rund 13 Millionen Barrel pro Tag fördern – mehr als Iran, Irak und die VAE zusammen. Sollten die Lieferunterbrechungen jedoch über einige Wochen hinausgehen, könnten die Ölpreise stark ansteigen. Eine Analyse von JPMorgan Chase deutet darauf hin, dass die sieben ölproduzierenden Golfstaaten ihre Rohöllagerkapazitäten in weniger als einem Monat erschöpfen könnten, falls die Straße von Hormus geschlossen bleibt. Sarah Schiffling, eine Expertin für Lieferketten an der Hanken School of Economics, betont, dass es "unglaublich schwierig" sei, das Volumen von durchschnittlich 20 Millionen Barrel Öl pro Tag zu ersetzen, das normalerweise die Straße von Hormus passiert.

Lieferketten unter Druck: Düngemittel und Agrarkosten

Neben den Auswirkungen auf den Ölmarkt hat die Schließung der Straße von Hormus seit Ende letzten Monats auch Düngemittellieferungen gestört. Dies erhöht das Risiko höherer Agrarkosten und letztlich der Lebensmittelinflation. Der Zeitpunkt ist kritisch, da Düngemittel früh im Anbauzyklus ausgebracht werden und die späteren Ernteerträge maßgeblich beeinflussen.

Der Nahost-Konflikt könnte die Lieferketten weiter beschädigen und zu einem Kipppunkt für die Weltwirtschaft werden, da auch andere Rohstoffe wie Aluminium betroffen sind.

Neue Handelsspannungen durch US-Zölle

Als ob die Volatilität an den globalen Märkten nicht ausreichte, leitete die Trump-Administration am Mittwoch Handelsuntersuchungen gegen mehr als ein Dutzend Länder ein. Ziel ist es, die reziproken Zölle von Präsident Donald Trump zu ersetzen, die kürzlich vom Obersten Gerichtshof als illegal eingestuft wurden. Die Untersuchungen werden gemäß Section 301 des Trade Act von 1974 durchgeführt, der es den USA erlaubt, Zölle auf importierte Waren aus Volkswirtschaften zu erheben, die unlautere Handelspraktiken betreiben.

Zu den asiatischen Volkswirtschaften, die untersucht werden, gehören:

  • China
  • Japan
  • Indien
  • Taiwan
  • Vietnam
  • Südkorea
  • Singapur
  • Indonesien
  • Malaysia
  • Kambodscha
  • Bangladesch
  • Thailand

Globale Wirtschaft vor dreifacher Herausforderung

Steigende Energiepreise drohen die Inflation anzuheizen und das Wirtschaftswachstum in Ländern weltweit zu hemmen. Sollte es zu einem anhaltenden Anstieg der Energiepreise kommen, würden die Kosten für alltägliche Güter steigen. Zentralbanken würden dann wahrscheinlich die Kreditkosten erhöhen, um die Inflation einzudämmen, was wiederum die Konsumausgaben dämpfen und das Wirtschaftswachstum bremsen würde.

Anne-Sophie Corbeau, Analystin am Center on Global Energy Policy der Columbia University, merkt an, dass es "wirklich eine Frage ist, wie lange die Störung der Ströme durch die Straße von Hormuz anhält und ob es zu einer Zerstörung physischer Vermögenswerte kommen wird." Der Markt preist derzeit eine kurze Störung und keine Zerstörung ein, aber das könnte sich in Zukunft ändern.

Die globale Wirtschaft, die bereits durch US-Präsident Donald Trumps Zölle und die von vielen als Auflösung der Nachkriegsordnung empfundene Politik erschüttert ist, steht nun vor einer seltenen und komplexen Herausforderung. Die Kombination aus volatilen Energiemärkten, angespannten Lieferketten und aufkeimenden Handelsspannungen stellt eine erhebliche Belastung dar.