Globale Neuausrichtung: Westliche Führer suchen Stabilität in China

Globale Neuausrichtung: Westliche Führer suchen Stabilität in China

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Im Januar 2026 strömten zahlreiche Staats- und Regierungschefs nach Peking, um Gespräche mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping zu führen und neue Geschäftsbeziehungen zu knüpfen. Diese diplomatische Offensive, die Besuche von mindestens fünf nationalen Führern umfasste, darunter der britische Premierminister Keir Starmer und der kanadische Premierminister Mark Carney, signalisiert eine Neuausrichtung der globalen Beziehungen, die maßgeblich durch die zunehmende Unsicherheit der US-Politik beeinflusst wird.

Globale Neuausrichtung: Westliche Führer suchen Dialog mit China

Die Reisen nach Peking, die für Kanada und Großbritannien die ersten seit mindestens acht Jahren waren, während der Besuch des irischen Premierministers am 5. Januar der erste seit 14 Jahren war, unterstreichen eine bewusste Strategie. China hatte seine Grenzen während der Covid-19-Pandemie geschlossen und erst Anfang 2023 wieder vollständig geöffnet. Uruguay's Präsident Yamandú Orsi wird nächste Woche erwartet, der erste südamerikanische Staatschef seit der Festnahme des venezolanischen Führers Nicolás Maduro durch US-Präsident Donald Trump Anfang Januar.

Yue Su, Chefökonomin der Economist Intelligence Unit, beschreibt diese Besuche als "verwaltete, selektive Neuausrichtungen angesichts der zunehmenden politischen Unsicherheit in den USA, und nicht als strategische Wende hin zu China". Sie fügt hinzu, dass "die Aufrechterhaltung offener Kommunikationskanäle mit Peking zunehmend der Abkopplung vorgezogen wird, insbesondere da die Vorteile selektiver Neuausrichtungen mit China sichtbarer werden und die US-Politik unberechenbarer geworden ist."

Trumps Politik als Katalysator für diplomatische Verschiebungen

Seit seinem Amtsantritt vor zwölf Monaten hat US-Präsident Donald Trump nicht nur Zölle gegen China, sondern auch gegen eine Reihe von US-Handelspartnern verhängt. In den letzten Monaten verstärkte er zudem seine Bemühungen, den US-Einfluss auf Venezuela, Iran und Grönland auszuweiten. Diese Politik hat bei traditionellen Verbündeten, insbesondere in Europa, zu Besorgnis über Washingtons Zuverlässigkeit in Sicherheits- und Handelsfragen geführt.

Für Peking bietet sich hier eine Gelegenheit, sich nicht nur als Partner für Entwicklungsländer, sondern auch als stabilisierende Kraft für die Welt zu präsentieren. Kerry Brown, Professor für Chinastudien am King's College London, merkt an, dass Großbritannien, ähnlich wie Kanada, die Europäische Union und andere westliche Nationen, Peking als eine strategische Realität betrachtet, die gemanagt werden muss. "Großbritannien muss Alternativen finden", sagte Brown, "jeder muss das, wirklich."

Europa navigiert im neuen globalen Umfeld

Die europäische Reaktion auf die transatlantische Kluft wird von einigen Medien als "Absicherung gegen die USA" beschrieben. Europa scheint die psychologischen Phasen der Verleugnung, Wut, des Verhandelns und der Depression durchlaufen zu haben und hat nun die Phase der Akzeptanz erreicht, indem es einen Weg nach vorne durch die Annahme des Multilateralismus einschlägt. Dies zeigt sich in einer Reihe intensiver Besuche europäischer Führer in China, darunter der finnische Premierminister Petteri Orpo und der irische Premierminister Micheál Martin. Auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz wird Berichten zufolge im Februar China besuchen.

Zhao Yongsheng, Forscher am Research Institute for Global Value Chains der Beijing's University of International Business and Economics, kommentiert, dass Trumps Haltung gegenüber traditionellen Allianzen Europa und China in die Arme treibt. "Aufgrund von Trumps Politik wurde die Europäische Union... gezwungen, sich mit China zu engagieren, und der Erwärmungsprozess der Beziehung beschleunigt sich", so Zhao. Ein Beispiel hierfür ist die Genehmigung der Pläne für eine neue chinesische Botschaft in London durch die britische Regierung, eine Entscheidung, die jahrelang aufgrund politischer und sicherheitstechnischer Bedenken blockiert war.

Wirtschaftliche Diversifikation und neue Partnerschaften

Die Neuausrichtung hat auch finanzielle Auswirkungen. Vincent Mortier, Chief Investment Officer bei Amundi SA, Europas größtem Vermögensverwalter, berichtet, dass immer mehr Kunden ihre Investitionen geografisch diversifizieren und Gelder aus US-Anlagen abziehen möchten. "Wir sehen, dass dieser Trend im April 2025 begann, sich aber diese Woche etwas beschleunigt hat", so Mortier.

Präsident Xi Jinping betonte während der Gespräche mit Premierminister Starmer die Notwendigkeit einer "langfristigen, stabilen umfassenden strategischen Partnerschaft" und forderte eine Vertiefung des Dialogs und der Zusammenarbeit in Zeiten globaler Turbulenzen. Er verwies auf die Ausweitung der Zusammenarbeit in Bereichen wie Bildung, Finanzen und Dienstleistungen sowie gemeinsame Forschung in Künstlicher Intelligenz, Biowissenschaften und kohlenstoffarmen Technologien. Zudem forderte er Großbritannien auf, ein "faires, gerechtes und nicht-diskriminierendes" Umfeld für chinesische Unternehmen zu schaffen und zeigte sich bereit, britischen Bürgern einseitig visumfreien Zugang zu gewähren. Premierminister Starmer, begleitet von über 50 Wirtschaftsführern, beschrieb seinen Besuch als Versuch, eine "ausgefeiltere Beziehung" zu China aufzubauen, die kommerzielle Chancen mit klaren Sicherheitsvorkehrungen in Einklang bringt.

Grenzen der Kooperation: Strukturelle Herausforderungen bleiben

Trotz der verbesserten Atmosphäre und des verstärkten Dialogs bleiben tiefere Streitigkeiten in den Bereichen Handel, Sicherheit und Geopolitik bestehen und begrenzen den Umfang einer grundlegenderen Neuausrichtung. Li Yaqi, Forscher an der S Rajaratnam School of International Studies (RSIS) in Singapur, erklärt: "Die Obergrenze für die Zusammenarbeit bleibt niedrig, weil die Einschränkungen strukturell sind." Er erwartet "verbesserte Atmosphären und Dialog, aber keinen vollständigen Neustart des strategischen Vertrauens."

Dies zeigt sich auch in der Vergangenheit: Beim G7-Gipfel 2021 unter dem damaligen Premierminister Boris Johnson wurde eine der härtesten westlichen Erklärungen zu China abgegeben, die Respekt für Menschenrechte und Grundfreiheiten forderte, Bedenken hinsichtlich Zwangsarbeit und unlauterer nicht-marktkonformer Praktiken äußerte und eine weitere Untersuchung des Ursprungs der Coronavirus-Pandemie in China forderte. Diese strukturellen Spannungen werden die Beziehungen zwischen China und den westlichen Mächten weiterhin prägen, selbst inmitten der aktuellen diplomatischen Annäherung.

Erwähnte Persönlichkeiten