Globale Risiken 2026: Geoökonomie und KI prägen unsichere Zukunft

Globale Risiken 2026: Geoökonomie und KI prägen unsichere Zukunft

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Der aktuelle Global Risks Report 2026 des World Economic Forum (WEF) zeichnet ein düsteres Bild der globalen Zukunft: Die Welt steht am Scheideweg einer "Poly-Krisen"-Ära, geprägt von zunehmender Unsicherheit und Fragmentierung. Geoökonomische Konfrontation wird als die größte unmittelbare Gefahr identifiziert, während langfristig Klimawandel und die unkontrollierten Auswirkungen Künstlicher Intelligenz dominieren.

Globale Unsicherheit auf Rekordniveau

Laut dem am Mittwoch, 14. Januar, veröffentlichten Bericht erwarten die befragten Führungskräfte und Experten eine turbulente Zeit. Die Umfrage unter mehr als 1.300 globalen Führungspersönlichkeiten und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Regierung und internationalen Organisationen zeigt, dass die Hälfte der Befragten in den nächsten zwei Jahren mit turbulenten Zeiten rechnet, während nur 1 Prozent Ruhe erwartet. Weitere 40 Prozent gehen von einer unruhigen Entwicklung aus. Für die nächsten zehn Jahre ist die Prognose noch pessimistischer: 57 Prozent erwarten eine turbulente oder stürmische Welt.

John Doyle, CEO von Marsh, dem weltweit größten Versicherungsbroker, der mit dem WEF bei globalen Risiken zusammenarbeitet, beschreibt die aktuelle Situation als "Poly-Krisen". Er nennt Handelskriege, Kulturkriege, eine rasche technologische Revolution und die Auswirkungen extremer Wetterereignisse als aktuelle Herausforderungen für Unternehmen. Dies sei eine enorme Belastung für Unternehmen, die sie bewältigen müssen.

Geoökonomische Konfrontation: Die größte unmittelbare Gefahr

Die geoökonomische Konfrontation, angetrieben durch zunehmenden Wettbewerb und die Instrumentalisierung wirtschaftlicher Werkzeuge wie Zölle, Vorschriften, Lieferketten und Kapitalbeschränkungen, ist zum größten Geschäftsrisiko für die nächsten zwei Jahre aufgestiegen. Sie sprang im Ranking um acht Plätze nach oben und wird von 18 Prozent der Befragten als das wahrscheinlichste Ereignis angesehen, das 2026 eine globale Krise auslösen könnte. Der Bericht warnt, dass dies zu einer erheblichen Schrumpfung des Welthandels führen könnte.

Saadia Zahidi, Managing Director des World Economic Forum, schreibt, dass die Sorgen vor einem Wirtschaftsabschwung, steigender Inflation und potenziellen Vermögensblasen wachsen, da Länder mit hohen Schuldenlasten und volatilen Märkten konfrontiert sind. Die geoökonomische Konfrontation bedroht Lieferketten und die breitere globale Wirtschaftsinstabilität sowie die für die Bewältigung wirtschaftlicher Schocks erforderliche Kooperationsfähigkeit.

Kurzfristige Risikolandschaft: Konflikte, Desinformation und Polarisierung

Für das Jahr 2026 rangiert die geoökonomische Konfrontation an erster Stelle der unmittelbarsten Risiken. Ihr folgen staatlich bewaffnete Konflikte, extreme Wetterereignisse, gesellschaftliche Polarisierung sowie Fehlinformationen und Desinformation.

Im Zwei-Jahres-Horizont bleibt die geoökonomische Konfrontation das schwerwiegendste Risiko, gefolgt von Fehlinformationen und Desinformation sowie gesellschaftlicher Polarisierung. Staatlich bewaffnete Konflikte fallen in diesem Zeitraum auf den fünften Platz zurück, was darauf hindeutet, dass, obwohl Kriege eine dominierende Sorge bleiben, ihre wirtschaftlichen Auswirkungen immer zentraler werden. Wirtschaftliche Risiken verzeichneten kollektiv die stärksten Anstiege in den Rankings für den Zwei-Jahres-Horizont: Ein Wirtschaftsabschwung stieg um acht Positionen auf Platz 11, Inflation um acht Positionen auf Platz 21 und das Platzen einer Vermögensblase um sieben Positionen auf Platz 18.

Langfristige Sorgen: Klima und Künstliche Intelligenz

Über einen Zehn-Jahres-Horizont dominieren Umweltbedenken die Liste der größten Risiken. Extreme Wetterereignisse bleiben die größte Sorge der befragten Führungskräfte, gefolgt vom Verlust der Biodiversität und dem Kollaps von Ökosystemen sowie kritischen Veränderungen der Erdsysteme. Die globalen versicherten Verluste durch Naturkatastrophen werden für 2025 auf 107 Milliarden US-Dollar geschätzt und überschreiten damit zum sechsten Mal in Folge die 100-Milliarden-Dollar-Marke, ein starker Anstieg gegenüber den frühen 2000er Jahren.

Ein weiteres Risiko, das im Ranking schneller und höher gestiegen ist als jedes andere, ist das Potenzial für negative Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz (KI). Es kletterte von Platz 30 unter den kurzfristigen Risiken im letzten Jahr auf Platz fünf der langfristigen Risiken in den jüngsten Rankings. Arbeitsplatzverluste durch KI könnten zu massiven Einkommensungleichheiten, größeren gesellschaftlichen Spaltungen, einer Kontraktion der Konsumausgaben und Teufelskreisen aus wirtschaftlicher Schrumpfung und sozialer Unzufriedenheit führen. Der Bericht warnt, dass die Konvergenz und Beschleunigung von maschinellem Lernen und Quantencomputing zu Situationen führen könnte, "in denen der Mensch die Kontrolle verliert". Ungleichheit wird zudem als das am stärksten vernetzte Risiko der nächsten zehn Jahre identifiziert.

Ein Aufruf zur Zusammenarbeit in einer fragmentierten Welt

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass all diese Risiken die notwendige Zusammenarbeit zur Bewältigung wirtschaftlicher Schocks behindern. Fast sieben von zehn Befragten (68 Prozent) erwarten, dass sich die Welt im nächsten Jahrzehnt in Richtung einer multipolaren oder fragmentierten Ordnung bewegen wird. Børge Brende, Präsident und CEO des WEF, betont: "Eine neue Wettbewerbsordnung nimmt Gestalt an, da Großmächte versuchen, ihre Interessensphären zu sichern. Diese sich wandelnde Landschaft, in der Zusammenarbeit deutlich anders aussieht als gestern, spiegelt eine pragmatische Realität wider: Kollaborative Ansätze und der Geist des Dialogs bleiben unerlässlich."

Das Jahrestreffen des Forums in Davos, das vom 19. bis 23. Januar 2026 stattfindet, wird sich auf die Wiederherstellung eines "Geistes des Dialogs" konzentrieren. Saadia Zahidi fügt hinzu: "Der Global Risks Report bietet ein Frühwarnsystem, da das Zeitalter des Wettbewerbs globale Risiken – von geoökonomischer Konfrontation über unkontrollierte Technologie bis hin zu steigenden Schulden – verstärkt und unsere kollektive Fähigkeit, sie anzugehen, verändert. Aber keines dieser Risiken ist eine ausgemachte Sache." Die Herausforderungen unterstreichen sowohl das Ausmaß der potenziellen Gefahren als auch die gemeinsame Verantwortung, die Zukunft zu gestalten.

Erwähnte Persönlichkeiten