
Globale Zinsen: Realzinsen steigen, Inflationserwartungen konvergieren – Was wirklich zählt
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Die globalen Nominalzinsen konvergierten Anfang 2020 um die Nullmarke, wobei die 10-jährigen US-Zinsen unter 1 % lagen und die EU-Zinsen leicht negativ waren. Zentralbanken koordinierten damals ihre Geldpolitik, um umfassend Liquidität bereitzustellen. Seitdem hat sich die Geldpolitik jedoch teilweise auseinanderentwickelt, was zu einer Divergenz der Nominalzinsen führte, wobei die japanischen Zinsen weiterhin niedriger blieben als in anderen Industrieländern.
Blick unter die Haube: Realzinsen und Inflationserwartungen
Dieses Verhalten der Nominalzinsen verschleiert jedoch, was sich tatsächlich unter der Oberfläche abspielt. Nominalzinsen setzen sich näherungsweise aus Realzinsen – den Kosten des Geldes – und der Kompensation für die erwartete Inflation zusammen. Mithilfe des Swaps-Marktes oder des Marktes für inflationsindexierte Anleihen lassen sich diese beiden Komponenten aufschlüsseln. Die Entwicklung dieser Komponenten erzählt je nach Land oder Region sehr unterschiedliche Geschichten. Für eine detaillierte Analyse werden hier die USA, die EU, Japan und das Vereinigte Königreich betrachtet. Das Vereinigte Königreich ist zwar die kleinste Wirtschaftseinheit in dieser Gruppe, verfügt aber über den ältesten Markt für inflationsgebundene Anleihen.
Regionale Unterschiede: UK, Japan und die USA im Fokus
Im Jahr 2020 wies das Vereinigte Königreich die höchste implizite Inflation und die niedrigsten Realzinsen in dieser Gruppe auf. Die langfristigen Realzinsen im Vereinigten Königreich waren anhaltend deutlich niedriger als im Rest der entwickelten Welt, hauptsächlich aufgrund der Nachfrage von Pensionsfonds, die langfristige inflationsgebundene Anleihen extrem teuer machten. Am anderen Ende des Spektrums preisten Anleger in Japan anhaltend eine nahezu deflationäre Entwicklung ein, sodass Japan 2020 die niedrigste implizite Inflation und die höchsten Realzinsen hatte. Obwohl Japan und das Vereinigte Königreich sehr ähnliche 10-jährige Nominalzinsen aufwiesen, war die Zusammensetzung dieser Realzinsen somit grundverschieden. Die Realzinsen werden hier als Spread zwischen LIBOR/SOFR-Sätzen und den CPI-Swap-Sätzen dargestellt, nicht als Renditen inflationsgebundener Anleihen.
Konvergenz der Inflationserwartungen
Die Analyse zeigt, dass die Inflationserwartungen in vielen unterschiedlichen Volkswirtschaften konvergieren. Aktuell scheint diese Konvergenz in etwa auf das Niveau der USA von 2,5 % zuzusteuern, wobei Unterschiede in der Indexzusammensetzung berücksichtigt werden müssen. Es gibt zwar länderspezifische Unterschiede in den Inflationsdefinitionen und den verwendeten Indizes für Inflations-Swaps, die eine vollständige Konvergenz verhindern können. Dennoch ist der übergeordnete Trend der Annäherung deutlich erkennbar.
Realzinsen: Ein Spiegel des Wirtschaftswachstums
Im Gegensatz dazu konvergieren die Kosten des Geldes, also die Realzinsen, nicht merklich, obwohl sie in vielen Volkswirtschaften allmählich ansteigen. Realzinsen sollen in etwa das Gleichgewichtswachstum einer Wirtschaft widerspiegeln. Das aktuelle Bild deutet auf allmählich stärkere langfristige Gleichgewichtswachstumserwartungen in den USA, der EU, Japan und dem Vereinigten Königreich hin, wobei die USA das stärkste und Japan das schwächste erwartete Wachstum aufweisen. Bemerkenswert ist, dass der britische Realzins über den der EU gestiegen ist, was angesichts der aktuellen Lage in Europa als nachvollziehbar erscheint.
Fazit für Anleger und Wirtschaft
Diese Entwicklungen haben nach Einschätzung der Quelle keine unmittelbaren Auswirkungen auf "Hot Money"-Handelsstrategien. Es ist jedoch nützlich zu verstehen, dass die Unterschiede bei den Nominalzinsen zwischen den Volkswirtschaften zunehmend auf Differenzen bei den Realzinsen und weniger auf Unterschiede bei den erwarteten Inflationsraten zurückzuführen sind. Gleichzeitig ist festzustellen, dass die durchschnittlichen Kosten des Geldes weltweit steigen. Dies könnte letztlich Auswirkungen auf andere Asset-Klassen haben.