
GM: Milliardenverluste durch EV-Rückzug – Strategiewechsel in der Autobranche
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General Motors (GM) sieht sich mit erheblichen finanziellen Belastungen konfrontiert, da der Konzern seine ambitionierten Pläne für Elektrofahrzeuge (EVs) in den USA zurückfährt. Das Unternehmen meldete für das vierte Quartal Belastungen von rund 6 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit der Neuausrichtung seiner EV-Strategie, zusätzlich zu 1,1 Milliarden US-Dollar für Restrukturierungen in China. Diese Entscheidung spiegelt eine nachlassende Nachfrage und veränderte politische Rahmenbedingungen wider, die die gesamte Automobilbranche betreffen.
Finanzielle Auswirkungen des EV-Rückzugs
General Motors gab in einer behördlichen Einreichung bekannt, dass es im vierten Quartal Belastungen von etwa 6 Milliarden US-Dollar verbuchen wird. Diese resultieren hauptsächlich aus der Reduzierung der EV-Pläne in den USA. Weitere 1,1 Milliarden US-Dollar sind auf Restrukturierungen im China-Geschäft zurückzuführen, was eine einmalige Ergebnisbelastung von insgesamt 7,1 Milliarden US-Dollar darstellt.
Die EV-bezogenen Belastungen umfassen hauptsächlich Vertragskündigungen, Lieferantenabfindungen und Wertminderungen von Vermögenswerten. Etwa 4,2 Milliarden US-Dollar dieser Abschreibung sind Cash-Kosten, die mit gekündigten Verträgen und Abfindungen in der Lieferkette von GM verbunden sind. Diese Posten werden als Sonderposten in den Ergebnissen des vierten Quartals ausgewiesen.
Bereits im dritten Quartal hatte GM eine Abschreibung von 1,6 Milliarden US-Dollar vorgenommen, als das Unternehmen begann, seine EV-Strategie anzupassen. Die gesamten EV-bezogenen Wertminderungen belaufen sich damit auf rund 7,6 Milliarden US-Dollar. GM erwartet für 2026 weitere EV-bezogene Kosten aus laufenden Verhandlungen mit Lieferanten, diese sollen jedoch geringer ausfallen als im Vorjahr.
Gründe für die strategische Neuausrichtung
Der Rückzug von GM ist eng mit einer Verlangsamung der branchenweiten Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in Nordamerika im Jahr 2025 verbunden. Diese Entwicklung wurde durch das Auslaufen wichtiger staatlicher Anreize und eine Reduzierung der Emissionsvorschriften verstärkt. Insbesondere das Ende der bundesweiten Steuergutschrift von 7.500 US-Dollar für Elektrofahrzeuge trug maßgeblich zum Nachfragerückgang bei.
Nachdem Käufer vor dem Auslaufen der Steuergutschrift im dritten Quartal 2025 noch verstärkt Elektroautos erworben hatten, fielen die Verkaufszahlen in den letzten Monaten des Jahres drastisch. Die EV-Verkäufe von GM sanken im vierten Quartal um 43 Prozent. Politische Änderungen unter der Regierung von Donald Trump, die wichtige EV-freundliche Maßnahmen der Biden-Ära rückgängig gemacht hat, spielten ebenfalls eine Rolle.
Als Reaktion darauf hat GM seine EV-Kapazitäten proaktiv reduziert. Dazu gehört die Umstellung des Montagewerks in Orion, Michigan, von der EV-Produktion auf die Herstellung von Full-Size-SUVs und Pickups mit Verbrennungsmotoren. Zudem wurde die Kapazität für Batteriezellen verringert, indem der Anteil an der Ultium Cells LLC-Anlage in Lansing an LG Energy Solution verkauft wurde.
Branchenweiter Trend zur Anpassung
GM ist nicht der einzige Automobilhersteller, der seine EV-Pläne überdenkt. Ford kündigte bereits im Dezember an, seine EV-Produktion zurückzufahren, was voraussichtlich Kosten von fast 20 Milliarden US-Dollar verursachen wird. Ford begründete dies mit einer Erosion des Geschäftsmodells für bestimmte größere Elektrofahrzeuge aufgrund geringerer Nachfrage, hoher Kosten und regulatorischer Änderungen.
Auch andere Hersteller wie Honda, Jeep und Ram haben aktuelle oder geplante EV-Modelle für den US-Markt gestrichen. Porsche meldete im September eine Belastung von 1,8 Milliarden Euro (2,2 Milliarden US-Dollar), da das Unternehmen wieder stärker auf Hybrid- und Benzinfahrzeuge setzt. Branchenweit verlangsamte sich das Wachstum der EV-Verkäufe erheblich: Laut Omdia stiegen die EV-Verkäufe im Jahr 2025 nur um 1,2 Prozent. Edmunds schätzt, dass Elektrofahrzeuge im Jahr 2026 nur etwa 6 Prozent der US-Fahrzeugverkäufe ausmachen werden, gegenüber 7,4 Prozent im Vorjahr.
GMs zukünftiger Kurs bei Elektrofahrzeugen
Trotz der erheblichen finanziellen Belastungen betont GM, dass das Unternehmen Elektrofahrzeuge nicht vollständig aufgibt. GM bietet weiterhin etwa ein Dutzend EV-Modelle in den USA an, was die breiteste Palette unter den traditionellen Automobilherstellern darstellt. Das Unternehmen plant, diese Modelle weiterhin für Verbraucher verfügbar zu halten.
Die Produktionsvolumina werden jedoch an die tatsächliche Nachfrage angepasst. GMs CEO Mary Barra hatte 2021 noch das Ziel ausgegeben, bis 2035 ausschließlich Elektrofahrzeuge anzubieten. Sie bekräftigte jedoch, dass EVs eine langfristige Priorität bleiben, die Investitionen aber flexibel an die aktuelle Konsumentennachfrage angepasst werden.
Die Aktien von GM fielen nach der Ankündigung im nachbörslichen Handel um etwa 2 Prozent, nachdem sie die reguläre Sitzung mit einem Plus von 3,9 Prozent bei 85,13 US-Dollar beendet hatten. Trotz der aktuellen Herausforderungen zeigte die Aktie über das letzte Jahr eine starke Performance, mit einem deutlichen Anstieg inmitten allgemeiner Marktzugewinne, auch wenn die Stimmung für Elektrofahrzeuge abgekühlt ist.