
Goldman Sachs Q1: Starke Zahlen, fallender Kurs – Kaufgelegenheit?
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Goldman Sachs hat im ersten Quartal Ergebnisse vorgelegt, die die Erwartungen übertrafen, doch der Aktienkurs gab nach. Trotz geopolitischer Spannungen und eines anfänglichen Kursrückgangs sehen Analysten und das Management weiterhin eine positive Entwicklung, insbesondere im Investment Banking und bei den Kapitalmärkten.
Quartalsergebnisse übertreffen Erwartungen
Goldman Sachs meldete für das erste Quartal, das am 31. März endete, solide Finanzergebnisse. Der Umsatz stieg um 14,4 % auf 17,23 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die von LSEG erwarteten 16,97 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn pro Aktie (EPS) sprang im Jahresvergleich um 24,3 % auf 17,55 US-Dollar und lag damit ebenfalls über den Schätzungen von 16,30 US-Dollar, die von LSEG prognostiziert wurden.
Diese Ergebnisse markieren das zweithöchste Quartalsergebnis in der Geschichte des Unternehmens. Die Zahlen bestätigen, dass Goldman Sachs die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertreffen konnte.
Aktienkurs unter Druck trotz starker Zahlen
Trotz der positiven Quartalszahlen verzeichnete die Goldman Sachs-Aktie am Berichtstag einen Rückgang. Im Nachmittagshandel fiel der Kurs um etwas mehr als 2 % auf rund 886 US-Dollar pro Aktie. Zeitweise lag der Kurs sogar über 4,5 % unter dem Eröffnungswert.
Vor der Veröffentlichung der Ergebnisse am Montag, dem 13. April, hatte die Aktie noch bei 900,69 US-Dollar gehandelt und ein Plus von 4,2 % verzeichnet. Im Jahresverlauf weist die Aktie nur einen geringen Vorsprung auf, hat aber in den letzten 12 Monaten beeindruckende 94,8 % zugelegt. Nach Ansicht des CNBC Investing Club wird der aktuelle Rücksetzer als Kaufgelegenheit betrachtet, sobald sich der Markt nach den Banken-Quartalsberichten stabilisiert hat. Jim Cramer riet dazu, einige Tage abzuwarten, bis sich der Kurs stabilisiert, bevor man handelt.
Geopolitische Lage und die US-Wirtschaft
Die erneuten Spannungen im Krieg mit dem Iran trugen zur Unsicherheit bei und beeinflussten die Marktstimmung. Dennoch sind die Gründe für eine positive Einschätzung der Aktie intakt. Die US-Wirtschaft ist nach Einschätzung von Goldman Sachs besser auf Ölpreisspitzen vorbereitet als angenommen.
Analysten von Goldman Sachs prognostizierten Ende März, dass das reale US-BIP-Wachstum in diesem Jahr selbst in einem schwerwiegenden Szenario, in dem Rohöl über 150 US-Dollar steigt und die Störung des Verkehrs durch die Straße von Hormus bis Mai anhält, über 1 % liegen wird. Eine Beruhigung der Spannungen könnte zudem den erheblichen Auftragsbestand der Bank für Deals freisetzen.
Solomons optimistische Einschätzung für M&A und IPOs
CEO David Solomon äußerte sich auf der Telefonkonferenz optimistisch über das Umfeld für Investmentbanking-Aktivitäten, insbesondere im Bereich M&A. Er betonte, dass CEOs zwar die geopolitische Lage beobachten, dies aber durch die Chance auf Skalierung und Wertschöpfung in Unternehmen mit bedeutendem technologischem Wandel ausgeglichen werde. Diese Faktoren würden einige der geopolitischen Risiken überwiegen.
Solomon hob hervor, dass der Auftragsbestand Ende 2025 den höchsten Stand seit vier Jahren erreicht hatte und trotz der außergewöhnlich starken Umsatzproduktion weiterhin "außerordentlich robust" sei. Obwohl die IPO-Aktivität im März aufgrund des Konflikts im Nahen Osten etwas verlangsamt wurde, sieht er eine "sehr volle Pipeline". Die Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte könnte eine Beschleunigung der IPO-Aktivitäten bewirken, und es gibt bereits Anzeichen für eine Zunahme der IPO-Einreichungen im April.
Starke Kennzahlen und Kapitalrückführungen
Neben den über den Erwartungen liegenden Umsätzen und Gewinnen zeigte Goldman Sachs auch bei wichtigen Bankkennzahlen Stärke. Die Effizienzquote der Bank verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 60,5 %, was den Erwartungen entsprach (ein niedrigerer Wert ist hier besser). Dies deutet auf das Potenzial für zukünftige Gewinne hin.
Der Return on Tangible Common Equity (ROTCE) lag mit einem Anstieg von 330 Basispunkten gegenüber dem Vorjahr deutlich über den Erwartungen. Die CET1-Quote, ein Maß für die Finanzstärke einer Bank, verfehlte zwar die Erwartungen mit 12,5 %, lag aber immer noch komfortabel über dem von US-Bankenaufsichtsbehörden geforderten Minimum von 10,9 %. Dies lässt Goldman Sachs Spielraum für wachstumsorientierte Investitionen und Kapitalrückführungen an die Aktionäre. Im ersten Quartal kaufte Goldman Sachs Aktien im Wert von 5 Milliarden US-Dollar zurück, eine deutliche Steigerung gegenüber den rund 3 Milliarden US-Dollar in den vorangegangenen Perioden.
Segment-Highlights: Investment Banking glänzt, FICC mit Licht und Schatten
Die Sparte Global Banking & Markets von Goldman Sachs erzielte einen Rekordquartalsumsatz von 12,74 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 18,6 % gegenüber dem Vorjahr und deutlich über den Erwartungen. Das Investment Banking, das größte Segment, verzeichnete einen Umsatzanstieg von 48 % im Jahresvergleich, angetrieben durch ein Wachstum von 89 % bei den Beratungserträgen, ergänzt durch einen Anstieg von 45 % bei den Gebühren für die Eigenkapitalemission und 8 % bei der Fremdkapitalemission. Die Equities-Umsätze stiegen um 27 % im Jahresvergleich und erreichten einen neuen Firmenrekord.
Die Umsätze im Bereich Fixed Income, Currency, and Commodities (FICC) waren mit 4,01 Milliarden US-Dollar ein kleiner Wermutstropfen im Bericht, da sie den Konsens von 4,83 Milliarden US-Dollar verfehlten und im Jahresvergleich um 10 % sanken. Sequenziell stiegen sie jedoch um 29 %, da die Unsicherheit durch den Iran-Krieg zu einer aktiven Neupositionierung der Kundenportfolios führte. CEO Solomon nannte Beispiele für strategische Transaktionen, bei denen Goldman Sachs Unternehmen unterstützte, darunter den 43 Milliarden US-Dollar schweren Deal von Unilever mit McCormick, Syscos Kauf von Jetro und die Fusion von Devon Energy mit Coterra Energy.
Die Sparte Asset & Wealth Management verzeichnete einen Umsatzanstieg von 10 % im Jahresvergleich auf 4,08 Milliarden US-Dollar, blieb jedoch leicht unter dem Konsens von 4,36 Milliarden US-Dollar. Die Assets Under Supervision (AUS) stiegen im Quartal um 44 Milliarden US-Dollar und erreichten einen Rekordwert von 3,65 Billionen US-Dollar. Die Umsätze im Segment Platform Solutions, dem kleinsten der drei, gingen im Jahresvergleich deutlich auf 411 Millionen US-Dollar zurück. Dies ist jedoch auf den strategischen Verkauf des Apple-Kreditkartengeschäfts an JPMorgan zurückzuführen, als Teil des Rückzugs aus Massenmarkt-Konsumentenambitionen.
Analysten und Ausblick
Der CNBC Investing Club mit Jim Cramer bekräftigte sein Kursziel von 1.050 US-Dollar pro Aktie und behielt das Rating 2 bei, was einem Kauf bei einem Rücksetzer entspricht. Der Konsens der Analysten liegt bei einem 12-Monats-Kursziel von 934,54 US-Dollar. Von 26 Analysten haben 17 ein "Halten" oder schlechteres Rating. Optionshändler zeigen sich jedoch optimistisch gegenüber der Aktie. Goldman Sachs wird traditionell als wichtiger Indikator für globale Kapitalflüsse und die Risikobereitschaft von Unternehmen angesehen.