
Goldpreis trotzt Konflikt: Eine Analyse der jüngsten Bewegungen
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Der Goldpreis hat sich in den letzten Wochen als Reaktion auf die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, insbesondere den Iran-Konflikt, überraschend verhalten gezeigt. Obwohl Gold traditionell als "sicherer Hafen" in Krisenzeiten gilt, konnte es seine anfänglichen Gewinne nicht halten und pendelt sich nun in einer engen Spanne ein. Dies wirft Fragen nach den zugrunde liegenden Marktdynamiken auf.
Goldpreis trotzt Konflikt: Eine Analyse der jüngsten Bewegungen
Nach den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar stieg der Goldpreis zunächst von 5.296 US-Dollar auf 5.423 US-Dollar pro Feinunze. Dies entsprach der Erwartung, dass geopolitische Turbulenzen Anleger zu traditionellen sicheren Anlagen treiben. Doch diese Dynamik hielt nicht an.
Am 3. März erlebte der Goldpreis einen starken Ausverkauf und fiel um mehr als 6 % auf 5.085 US-Dollar. In der aktuellen Phase des eskalierten Konflikts bewegte sich der Spot-Goldpreis zwischen 5.050 US-Dollar und 5.200 US-Dollar und wurde zuletzt bei 5.175 US-Dollar pro Feinunze gehandelt. Dies steht im Gegensatz zum letzten Jahr, als Gold während eines zwölftägigen Konflikts mit dem Iran stark anstieg und seine Gewinne erst bei einer Waffenruhe wieder abgab.
Warum der Goldpreis stagniert: Expertenmeinungen
Mehrere Faktoren können die mangelnde Aufwärtsdynamik des Goldpreises erklären, so Ross Norman, CEO der Edelmetall-Website Metals Daily. Dazu gehören ein stärkerer US-Dollar und höhere Treasury-Renditen. Steigende Ölpreise könnten zudem zu einer anhaltenden Inflation und potenziell höheren Zinsen führen, da Zentralbanken versuchen, die Auswirkungen einer Schließung der Straße von Hormus, eines kritischen Seeverkehrskorridors für Öl und Gas, einzudämmen.
Höhere Zinsen erhöhen tendenziell die Attraktivität von verzinslichen Anlagen wie Staatsanleihen gegenüber nicht-verzinslichen Edelmetallen wie Gold. Norman merkte an: "Die Preisbewegungen von Gold und Silber sehen im Moment glanzlos aus, aber vielleicht ist das die normale Reaktion nach einigen epischen Bewegungen in den letzten Monaten." Er fügte hinzu, dass einige institutionelle Anleger aufgrund der ungewöhnlichen Volatilität nervös geworden seien, physisches Gold zu halten.
Liquiditätsengpässe und Panikverkäufe
Eine weitere Erklärung für die Preisentwicklung liefert Amer Halawi, Head of Research bei Al Ramz. Konflikte können eine Welle von Panikverkäufen unter Anlegern auslösen, was zu einem "Flush" führt, bei dem Händler gezwungen sind, ihre Positionen zu verkaufen, wenn die Preise fallen.
Halawi erklärte gegenüber CNBC: "Wenn es einen Liquiditätsengpass gibt, wird alles verkauft, bis die Leute die Situation verstehen und die richtigen Vermögenswerte wieder in den Fokus rücken." Er betonte, dass "traditionell, wenn es einen Schock gibt, sogar Gold abverkauft wird und sich später wieder erholt."
Langfristige Prognosen bleiben optimistisch
Trotz der kurzfristigen Volatilität bleiben die Bankprognosen für Gold optimistisch. J.P. Morgan prognostiziert, dass der Goldpreis bis Ende 2026 6.300 US-Dollar pro Feinunze erreichen wird. Die Deutsche Bank hält an einem Jahresendziel von 6.000 US-Dollar fest, wie aus ihren jüngsten Notizen hervorgeht. Diese langfristigen Erwartungen deuten darauf hin, dass die aktuellen Schwankungen als vorübergehend angesehen werden, während die fundamentalen Treiber für Gold weiterhin intakt bleiben könnten.