
Google Gemini: Strategie für KI-Werbung und Monetarisierung im Fokus
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Google hat bisher keine Werbung in seiner Gemini KI-App platziert, schließt dies jedoch für die Zukunft nicht aus. Der Fokus liegt derzeit auf der Erprobung von Anzeigen im sogenannten AI Mode, einer KI-gestützten, konversationellen Version der Google Suche. Diese Strategie könnte sich später auf die eigenständige Gemini-App ausweiten, wie Chief Business Officer Philipp Schindler kürzlich auf einer Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen mitteilte.
Googles Haltung zu Gemini-Werbung
Philipp Schindler betonte, dass Google derzeit die Abonnementpläne für die Gemini-App und die Schaffung eines hervorragenden Nutzererlebnisses priorisiert. Er merkte jedoch an, dass Werbung eine entscheidende Rolle bei der Skalierung von Produkten spielen kann, um Milliarden von Menschen zu erreichen, sofern sie gut umgesetzt wird. "Anzeigen waren schon immer ein großer Teil der Skalierung von Produkten, um Milliarden von Menschen zu erreichen", so Schindler. Er fügte hinzu, dass gut gemachte Anzeigen wertvolle und hilfreiche kommerzielle Informationen sein können. Im Januar hatte Googles VP of Global Ads noch erklärt, es gäbe "keine Pläne" für Werbung in Gemini.
Die dreiteilige KI-Werbestrategie
Nick Fox, SVP bei Google, erläuterte die dreiteilige KI-Werbestrategie des Unternehmens in einem Interview mit WIRED. Diese Strategie sieht vor:
- Verbesserung der Anzeigenqualität: Einsatz von KI-Modellen zur Optimierung bestehender Anzeigenplatzierungen.
- KI-gestützte Tools für Werbetreibende: Entwicklung von Werkzeugen, die Werbetreibenden helfen, kreative Assets und Keywords zu generieren.
- Experimente in neuen KI-Erfahrungen: Beginnend mit AI Mode als Testfeld für neue Anzeigenformate.
Diese Reihenfolge ist entscheidend: Google testet Anzeigenformate zuerst im AI Mode, der eine Erweiterung der Suche darstellt, bevor sie auf Gemini übertragen werden, das als eigenständige konversationelle KI fungiert. Fox beschrieb diesen Ansatz als iterativ: Zuerst das Verbraucherprodukt entwickeln, dann die Monetarisierung klären.
Geminis Wachstum und Monetarisierung
Gemini verzeichnet ein beeindruckendes Wachstum und zählt mittlerweile 750 Millionen monatlich aktive Nutzer, ein Anstieg von 350 Millionen im März 2025. Dies verdoppelt die Nutzerbasis der Plattform in weniger als einem Jahr und positioniert sie als eines der größten KI-Konsumentenprodukte neben ChatGPT, das laut OpenAI 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer hat. Trotz dieser Skalierung kann Google dank seines robusten Finanzpolsters langsam vorgehen. Alphabet überschritt 2025 erstmals 400 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz, wobei das Werbegeschäft des Unternehmens bereits über 265 Milliarden US-Dollar jährlich generiert. Google bündelt stattdessen Premium-Gemini-Funktionen in kostenpflichtigen Abonnements, die Extras wie Fitbit Premium und Fotospeicher umfassen. Das gesamte Abonnementgeschäft von Google erreichte am Mittwoch 350 Millionen zahlende Abonnenten.
Wettbewerber im KI-Werbemarkt
Im Vergleich dazu verfolgen Wettbewerber unterschiedliche Strategien:
- OpenAI: Befindet sich in den frühen Phasen der Einführung von Werbung in ChatGPT für kostenlose und kostengünstige Abonnementmitglieder und hat Criteo als ersten Ad-Tech-Partner gewonnen.
- **Anthropic (Claude):** Spottete in einem Super Bowl-Werbespot im Februar über die Entscheidung von OpenAI und erklärte, keine Werbung in seinem eigenen KI-Modell Claude zu platzieren.
- **Perplexity:** Zog sich teilweise von Anzeigenexperimenten zurück, unter anderem wegen Bedenken hinsichtlich des Nutzervertrauens.
Die Rolle von "Personal Intelligence"
Nick Fox sprach auch über die Schnittstelle zwischen Googles im Januar 2026 eingeführter "Personal Intelligence"-Funktion und der Werbung. Diese Opt-in-Funktion verbindet Gmail, Fotos und Kalender, um personalisiertere Antworten zu liefern. Auf die Frage, ob diese persönlichen Daten Suchanzeigen beeinflussen könnten, antwortete Fox, dies sei "TBD" (to be determined), fügte jedoch hinzu, dass private Informationen privat bleiben würden, das Targeting aber "kontextuell konsistent" sein könnte. Dies lässt die Tür offen für eine Zukunft, in der persönlicher Kontext die Anzeigenrelevanz prägt, ohne Nutzerdaten direkt offenzulegen.
Implikationen für Werbetreibende
Googles gemessener Ansatz steht im Kontrast zur Geschwindigkeit, mit der Wettbewerber KI-Werbegeschäfte aufbauen. Für Werbetreibende signalisiert dies eine potenzielle Targeting-Ebene, die über Suchanfragen und Browserverhalten hinausgeht. Google argumentiert, dass "Nutzer Anzeigen im Kontext der Suche tatsächlich mögen", was auf eine hohe Anzeigenakzeptanz basierend auf zwei Jahrzehnten Daten hindeutet. Das Unternehmen wird Pläne zur Monetarisierung von Gemini teilen, sobald sie konkret sind, "aber wir überstürzen hier nichts", so Schindler.