
Grant Thornton: Partnerboni an KI-Nutzung gekoppelt – Strategie für den Mittelstand
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Grant Thornton, ein führendes Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen, verknüpft die Boni seiner Partner direkt mit deren Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI). Diese strategische Neuausrichtung, initiiert vom US-Leiter der Beratungssparte, Tom Puthiyamadam, zielt darauf ab, die KI-Adoption im gesamten Unternehmen zu beschleunigen und die Marktposition zu stärken. Die Maßnahme unterstreicht die wachsende Bedeutung von KI in der Beratungsbranche.
KI-Integration als Bonus-Kriterium bei Grant Thornton
Das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen Grant Thornton, das im letzten Jahr globale Einnahmen von 8,5 Milliarden US-Dollar verzeichnete, hat eine wegweisende Strategie eingeführt: Die Jahresendboni seiner Partner sind nun an deren Leistung bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) gekoppelt. Diese Initiative wurde im Januar dieses Jahres, zu Beginn seines ersten vollen Geschäftsjahres, von Tom Puthiyamadam, dem kürzlich ernannten US-Leiter der Beratungssparte, implementiert. Die neuen Leistungsziele richten sich explizit an die Führungsebene des Unternehmens.
Puthiyamadam, der im April 2025 nach einer 28-jährigen Karriere bei PwC zu Grant Thornton kam, sieht KI als entscheidend an, um das Unternehmen zu einer "echten Ausreißerfirma" zu entwickeln, die den Mittelmarkt dominiert. Er betonte, dass es kein "Opt-out" bei der KI-Adoption gebe. Auch wenn ein Partner bei der KI-Einführung nur Teilerfolge erzielt, aber gleichzeitig den Umsatz verdoppelt, werde dies berücksichtigt. Ein völliges Fehlen von KI-Adoption würde jedoch als Problem gewertet.
Die vier Säulen der KI-Adoption
Die Jahresendboni der Partner sind an vier neue strategische Ziele gebunden, die in die jährlichen Leistungsbeurteilungen aufgenommen wurden. Diese Ziele umfassen:
- Kommerzielle Leistung: Wie Partner ihre Kunden erfolgreich machen.
- Bereitstellung von KI-Lösungen: Wie sie KI-Lösungen auf dem Markt anbieten und neue KI-Lösungen zur Unterstützung von Kunden einführen.
- Talententwicklung: Wie sie Talente fördern und entwickeln.
- KI-Nutzung im Tagesgeschäft: Wie sie KI in der Leistungserbringung und im täglichen Arbeitsablauf einsetzen.
Puthiyamadam erklärte dazu: "Ich richte einen Anreiz, nämlich Ihren Jahresendbonus, darauf aus, ob Sie klar demonstrieren konnten, wie Sie die von uns bereitgestellten KI-Tools in Ihrer Leistungserbringung, in Ihrem Verkaufsprozess eingesetzt haben und ob Sie ein Befürworter dafür werden, anstatt hinterherzuhinken." Grant Thornton lehnte es ab, spezifische Details zum genauen Anteil der Boni, der von diesen strategischen Zielen abhängt, preiszugeben.
Der "Frozen Middle" und die Partner-Incentivierung
Die strategischen Ziele werden bewusst zuerst bei den Partnern eingeführt. Puthiyamadam argumentiert, dass jüngere Mitarbeiter bei ihrem Eintritt ins Unternehmen bereits "KI-affin" sind und den Einsatz dieser Technologie erwarten. Das eigentliche Problem sei die "eingefrorene Mitte" ("frozen middle") – Manager der mittleren Ebene, die sich der Einführung neuer Technologien möglicherweise widersetzen könnten.
Durch die Anreize für die Partner, die Strategie umzusetzen, hofft Puthiyamadam, dass der Rest des Unternehmens folgen wird. Er äußerte sich gegenüber Business Insider deutlich: "Wenn ich den Druck und die Hitze auf die Partner im Geschäft ausübe, vertrauen Sie mir, wird es sich ziemlich schnell nach unten durchsickern." Er fügte hinzu: "Wenn Sie nicht im Boot sind, wählen Sie ein anderes Boot."
Grant Thorntons Ambition: Ein "Breakaway Firm" im Mittelstand
Puthiyamadam wechselte nach eigener Aussage zu Grant Thornton, um vor seiner Pensionierung etwas Einzigartiges zu schaffen. Sein Ziel ist es, Grant Thornton zu "dem dominantesten Akteur" im Mittelmarkt zu transformieren, der Kunden mit Umsätzen zwischen 500 Millionen und 10 Milliarden US-Dollar bedient. In seinem ersten Jahr bei der Firma wuchs das Beratungsgeschäft von einem nationalen Volumen von 680 Millionen US-Dollar zu einer multinationalen Beratungssparte mit 1,5 Milliarden US-Dollar.
Grant Thornton gehört zu den Top 10 der globalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, agiert jedoch in einem hart umkämpften Beratungsmarkt. Puthiyamadam möchte, dass Grant Thornton in seinem Segment als herausragend wahrgenommen wird, ähnlich wie McKinsey, Accenture und Deloitte in ihren jeweiligen Bereichen. Diese Strategie basiert auf zwei Kernpfeilern: Technologie und Deals.
Stärkung durch Akquisitionen und Partner-Netzwerk
Das Unternehmen investiert massiv in KI-Fähigkeiten und erweitert seine Präsenz in Transaktions- und Transformationsarbeiten. Dazu gehören jüngste Akquisitionen, die darauf abzielen, die kommerziellen und finanziellen Due-Diligence-Fähigkeiten zu stärken. Ein Beispiel hierfür ist die Integration von Auxis, einem führenden Anbieter von KI und Automatisierung, der kürzlich den UiPath Diamond Partner Status – die höchste Partnerauszeichnung von UiPath – erreichte. Diese Anerkennung platziert Auxis unter den Top-Prozent der UiPath-Partner weltweit und stärkt Grant Thorntons Fähigkeit, KI- und Automatisierungslösungen in großem Maßstab zu liefern.
Gleichzeitig formt Grant Thornton seine Talentbasis und Tools neu, indem es fast 40 Partner mit "digitalem Rückgrat" von Wettbewerbern wie Deloitte, KPMG, Accenture und AlixPartners eingestellt hat. Das globale Netzwerk wird zudem auf mehr Zusammenarbeit ausgerichtet, untermauert durch ein "weitaus aggressiveres kommerzielles Modell". Puthiyamadam ist überzeugt, dass KI zwar die Stückkosten senken, aber auch das Volumen der bedienbaren Kunden drastisch erhöhen wird: "Wenn ich eine bessere Mausefalle habe, werde ich Marktanteile gewinnen."
Die Bedeutung von KI-Governance
Während Unternehmen wie Grant Thornton die KI-Adoption vorantreiben, betonen Finanzexperten die Notwendigkeit einer robusten KI-Governance. Laut einer CFO-Umfrage erhöhen Finanzchefs ihre Ausgaben für KI und Technologie erheblich. Organisationen, die KI verantwortungsvoll skalieren, sind besser positioniert, Investitionen in messbaren Wert und Innovation in nachhaltige Dynamik umzuwandeln.
Schwache Governance und Kontrollen bleiben ein häufiger Grund für das Scheitern von KI-Projekten. Die erfolgreichsten Unternehmen werden nicht diejenigen sein, die in die meisten Anwendungsfälle oder die neuesten Modelle investieren, sondern diejenigen, die Governance priorisieren. Klare, organisierte und getestete Kontrollen sind entscheidend, um Daten zu schützen, Compliance zu unterstützen, den Ruf zu wahren und einer genauen Prüfung standzuhalten.