Greg Abel vor erster Berkshire-Versammlung: Cash, Strategie & neue Ära

Greg Abel vor erster Berkshire-Versammlung: Cash, Strategie & neue Ära

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Greg Abel, der seit Jahresbeginn als CEO von Berkshire Hathaway fungiert, steht vor seiner ersten großen Bewährungsprobe: der Jahreshauptversammlung in Omaha. Mit einem rekordhohen Barmittelbestand von 373 Milliarden US-Dollar und einem neuen, aktiveren Managementstil im Gepäck, blicken Anleger gespannt auf die strategischen Weichenstellungen unter seiner Führung. Die Fragen reichen von der Kapitalallokation bis hin zur zukünftigen Ausrichtung des Investmentportfolios.

Abels erste Jahreshauptversammlung im Fokus

Zehntausende Aktionäre pilgern nach Omaha, um an der jährlichen Versammlung von Berkshire Hathaway teilzunehmen, die oft als "Woodstock für Kapitalisten" bezeichnet wird. Dieses Jahr markiert jedoch eine Zäsur: Zum ersten Mal wird nicht Warren Buffett, sondern Greg Abel die Veranstaltung leiten und damit das Ende von Buffetts sechs Jahrzehnte langer Ära als CEO besiegeln. Die Anleger erhoffen sich Einblicke in Abels Managementansatz, seine Pläne für den riesigen Cash-Bestand und das Aktienportfolio.

Der gigantische Barmittelberg: Segen oder Fluch?

Berkshire Hathaway verfügte Ende Dezember über rekordverdächtige 373 Milliarden US-Dollar an Barmitteln, Schatzwechseln und anderen liquiden Vermögenswerten. Diese Summe übersteigt die Marktkapitalisierung von Unternehmen wie Chevron (371 Mrd. $), Palantir (365 Mrd. $) und Cisco (355 Mrd. $). Viele Anleger fragen sich, warum dieses "verdammte Geld" nicht investiert wird.

Veteran Tom Russo, dessen Firma Gardner Russo & Quinn eine Beteiligung von 1,7 Milliarden US-Dollar an Berkshire hielt, sieht den Cash-Bestand als Segen. Er betont, dass Barmittel und Schatzwechsel Vermögenswerte und keine Verbindlichkeiten sind, deren Wert steigt, wenn Marktchaos die Preise drückt. Russo erinnert daran, wie Buffett in der Finanzkrise lukrative Geschäfte abschloss, als andere Investoren zögerten, Kapital zu riskieren. Bei einem erneuten "Marktzusammenbruch" gäbe es laut Russo "nur einen Ort, an den man gehen kann, und die Bedingungen werden ziemlich anspruchsvoll sein."

Strategische Fragen zur Kapitalallokation

Die zentrale Frage, die sich Anlegern stellt, ist, wie Greg Abel diesen enormen Barmittelberg einsetzen wird. Warren Buffett hatte in den letzten Jahren Schwierigkeiten, das Kapital zu investieren, da Aktienbewertungen und Akquisitionspreise stiegen und selbst Rückkäufe unattraktiv wurden. David Kass, Finanzprofessor an der University of Maryland, möchte von Abel wissen: "Was sind seine Pläne, 373 Milliarden Dollar in bar zu investieren?"

Brett Gardner, Analyst und Autor, wirft zudem die Möglichkeit auf, dass Berkshire einen Teil des Kapitals nutzen könnte, um Buffetts rund 14-prozentige Beteiligung am Unternehmen zu erwerben, die einen Wert von 138 Milliarden US-Dollar hat. Er fragt, ob Berkshire plant, "Warrrens Anteil eines Tages in einer ausgehandelten Transaktion zu kaufen."

Ein neuer Führungsstil bei Berkshire Hathaway

Greg Abels Managementstil wird als "hands-on" beschrieben, was einen deutlichen Kontrast zu Warren Buffetts berühmter Präferenz darstellt, "fast bis zur Abdankung zu delegieren". Buffett und sein verstorbener Geschäftspartner Charlie Munger strukturierten Berkshire als ein Netzwerk dezentraler, autonomer Tochtergesellschaften. Dennoch stand Buffetts "Gehirn" den Managern als "weltbeste Beratungsfirma" zur Verfügung.

Russo erzählte, wie Buffett bei kniffligen Problemen den CEO nach Omaha fliegen ließ und durch gezielte Fragen den Managern half, selbst die richtige Antwort zu finden. Abel muss laut Russo "sehr vorsichtig" sein, um sicherzustellen, dass die nächsten Geschäfte reibungslos verlaufen und "die Tugenden, die Berkshire lange geleitet haben, in keiner Weise beeinträchtigt oder gestört werden." Es sei ein "Balanceakt". Abel hat bereits Änderungen in der Führungsebene vorgenommen, darunter die Ernennung von NetJets CEO Adam Johnson zum Präsidenten. Johnson und Katie Farmer, CEO der Berkshire-eigenen BNSF Railway, werden Abel bei der zweiten Fragerunde auf der Bühne begleiten – eine neue Praxis, die Larry Cunningham, Autor und Direktor des Weinberg Centers der University of Delaware, als wertvoll erachtet.

Veränderungen im Investmentportfolio unter Abel

Unter Greg Abels Führung sind Veränderungen im 48-Aktien umfassenden Investmentportfolio von Berkshire Hathaway zu erwarten. Obwohl Buffett weiterhin Vorsitzender des Verwaltungsrats ist, hat Abel nun das letzte Wort bei den täglichen Geschäften und dem Portfolio. Ein auffälliges Zeichen ist die Möglichkeit, dass Abel die Bank of America (BAC), die frühere zweitgrößte Beteiligung von Buffett, abstoßen könnte.

Weder Buffett noch Abel haben die Bank of America als "ewige" Aktie bezeichnet. Buffett listete in seinem Jahresbrief 2023 acht "unbefristete" Beteiligungen auf, darunter:

  • Coca-Cola (seit 1988, 63 % jährliche Kostenrendite)
  • American Express (seit 1991, 45 % jährliche Kostenrendite)
  • Occidental Petroleum (Buffett glaubt an langfristigen Erfolg)
  • Japans fünf Handelshäuser (sogo shosha): Mitsubishi, Mitsui, Itochu, Marubeni, Sumitomo (Abel spielte eine integrale Rolle beim Aufbau dieser Beteiligungen)

Abel selbst fügte in seinem ersten Brief an die Aktionäre Ende Februar Apple und Moody's als Unternehmen hinzu, die "über Jahrzehnte hinweg wachsen werden". Da die Bank of America auf keiner dieser Listen erscheint, wird dies als Signal gewertet, dass sie nicht als langfristige Kernbeteiligung angesehen wird.

Performance-Dilemma und Zukunftsaussichten

Eine der drängendsten Fragen, die David Kass an Greg Abel richten möchte, betrifft die Performance von Berkshire Hathaway. Seit Buffetts überraschender Rücktrittsankündigung am 3. Mai letzten Jahres ist die Berkshire-Aktie um 14 % gefallen, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum um 26 % zulegte. Kass fordert eine "Erklärung für die Underperformance von Berkshire gegenüber dem S&P 500" um etwa 40 Prozentpunkte in weniger als zwölf Monaten. Diese Diskrepanz unterstreicht die Herausforderung für Abel, die Erwartungen der Anleger zu erfüllen und Berkshire Hathaway in eine neue Ära zu führen.

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