
Grönland im Fokus: Trumps Kaufinteresse, Milliardenwerte und NATO-Spannungen
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US-Präsident Donald Trump bekundet erneut offen sein Interesse an der Übernahme Grönlands durch die Vereinigten Staaten. Die US-Regierung prüft eine Reihe von Optionen, um das dänische Inselterritorium zu erwerben, darunter einen direkten Kauf oder den Einsatz des US-Militärs. Diese Bestrebungen führen zu erheblichen diplomatischen Spannungen, da Dänemark und seine europäischen NATO-Verbündeten wiederholt betont haben, dass Grönland nicht zum Verkauf steht.
Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses, bestätigte am Mittwoch, dass der mögliche Kauf Grönlands "derzeit aktiv vom Präsidenten und seinem nationalen Sicherheitsteam diskutiert wird". Außenminister Marco Rubio plant zudem, die Angelegenheit in der kommenden Woche mit dänischen Beamten zu besprechen. Die erneute Debatte um Grönland entflammte, nachdem das US-Militär in Venezuela einmarschiert war und dessen Staatschef gefangen genommen hatte.
Grönlands strategische Bedeutung für die USA
Präsident Trump begründet sein Interesse an Grönland primär mit nationalen Sicherheitsvorteilen. Er äußerte am Sonntag die Ansicht, dass "Grönland derzeit überall mit russischen und chinesischen Schiffen bedeckt ist" und die USA die Insel "vom Standpunkt der nationalen Sicherheit aus benötigen". Das Weiße Haus bezeichnet die Akquisition Grönlands als eine nationale Sicherheitspriorität, die notwendig sei, um "unsere Gegner in der Arktisregion abzuschrecken".
Die USA unterhalten bereits eine Militärbasis in Grönland. Eine vollständige Sicherung der Insel könnte den Vereinigten Staaten jedoch eine wesentlich stärkere Präsenz in der Arktis verschaffen. Experten weisen zudem darauf hin, dass dies den USA mehr Zugang zu den Schifffahrtswegen ermöglichen könnte, die sich in den nördlichsten Breitengraden infolge des Klimawandels entwickeln.
Die Debatte um den Kaufpreis: Von Milliarden zu Billionen
Trump hat bisher weder ein offizielles Angebot unterbreitet noch einen fairen Preis für das Territorium genannt. Historisch gesehen haben die USA bereits 1946 ein formelles Angebot von 100 Millionen US-Dollar gemacht, was heute fast 1,7 Milliarden US-Dollar entspräche. Dieses Angebot, das damals 0,04 % des US-BIP ausmachte (heute rund 1,2 Milliarden US-Dollar), wurde von Dänemark abgelehnt.
Heutige Schätzungen gehen weit darüber hinaus. Selbst konservative Annahmen deuten auf einen Preis in den Hunderten von Milliarden US-Dollar oder höher hin. Douglas Holtz-Eakin, Präsident des American Action Forum (AAF), einem Mitte-Rechts-Thinktank, hält "etwas im Billionenbereich" für realistisch. Eine Schätzung der Weltbank, die von der New York Post zitiert wird, nennt 3,3 Milliarden US-Dollar als Basispreis, wobei die unerschlossenen Mineralreserven nicht berücksichtigt sind.
Das AAF versuchte, einen ungefähren Preis für Grönland zu berechnen, indem es sowohl die natürlichen Ressourcen als auch den potenziellen Immobilienwert berücksichtigte.
- Der Wert der bekannten kritischen Mineral- und Energieressourcen belief sich laut einer im Januar 2025 veröffentlichten Studie auf über 4,4 Billionen US-Dollar.
- Ohne Öl und Erdgas, für die Grönland 2021 aus Umweltgründen die Explorationslizenzen einstellte, sinkt dieser Wert auf 2,7 Billionen US-Dollar.
Die Studie weist jedoch darauf hin, dass Grönlands eisige Bedingungen und die geringe Bevölkerung von etwa 57.000 Menschen eine niedrige "Ressource-zu-Reserve-Umwandlungsrate" bedeuten. Zum Beispiel verfügt Grönland über mehr als 36 Millionen Tonnen bekannter Seltener Erden, aber die Reserven belaufen sich auf nur 1,5 Millionen Tonnen – eine Umwandlungsrate von lediglich 4,2 %. Wendet man diese Rate pauschal an, schrumpft der Wert Grönlands auf 186 Milliarden US-Dollar, was das AAF als "untere Grenze" bezeichnet.
Für die Bewertung der strategischen Lage verglich die AAF-Studie Grönland mit Island. Der Kauf aller Immobilien auf Island würde die USA 1,28 Millionen US-Dollar pro Quadratkilometer kosten, insgesamt 131 Milliarden US-Dollar. Wendet man diesen Preis pro Quadratkilometer auf Grönland an, die größte Insel der Welt, ergibt sich ein geschätzter Gesamtwert von fast 2,8 Billionen US-Dollar. Peter Doran, Senior Fellow bei der Foundation for Defense of Democracies, schätzt die unerschlossenen Reserven an Seltenen Erden, Zink, Eisenerz, Gold, Titan, Uran und potenziellem Öl ebenfalls auf Billionen von Dollar.
Rohstoffreichtum und seine Herausforderungen
Grönland ist bekannt für seine riesigen, unerschlossenen Reserven an kritischen Mineralien. Dazu gehören:
- Seltene Erden
- Zink
- Eisenerz
- Gold
- Titan
- Uran
- Potenzielles Öl
Trotz dieses Reichtums erschweren die extremen klimatischen Bedingungen und die geringe Bevölkerungsdichte von rund 57.000 Einwohnern den Abbau und die wirtschaftliche Nutzung dieser Ressourcen erheblich. Die Umwandlung von bekannten Ressourcen in tatsächlich förderbare Reserven ist eine große Herausforderung.
Internationale Reaktionen und NATO-Bedenken
Die anhaltenden Diskussionen um Grönland haben in europäischen Hauptstädten Besorgnis ausgelöst. Europäische Staats- und Regierungschefs zogen "rote Linien" und warnten, dass die 76 Jahre alte transatlantische Militärallianz NATO zusammenbrechen könnte, sollte US-Präsident Trump diese überschreiten. Das Weiße Haus zeigte sich jedoch unbeeindruckt und deutete an, dass militärische Gewalt gegen langjährige Verbündete eine Option bleiben könnte.
In einer beispiellosen Erklärung vom Dienstag stellten sich sieben europäische Staats- und Regierungschefs hinter Dänemark: "Grönland gehört seinem Volk. Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen." Sie forderten Trump auf, mit der NATO zusammenzuarbeiten, um amerikanische Sicherheitsziele in der Arktis zu erreichen, anstatt Dänemark einzuschüchtern.
Grönland, das seit über 300 Jahren unter dänischer Hoheitsgewalt steht, ist teilautonom. Es verwaltet die meisten seiner inneren Angelegenheiten, während Dänemark für die Außenpolitik und Verteidigung des Territoriums zuständig ist. Lin Mortensgaard, Forscherin am Danish Institute for International Studies, sprach von einem "Ring um das Königreich Dänemark und Grönland" durch einige der größten europäischen Staaten.
Kanadas Premierminister Mark Carney und die dänische Premierministerin Mette Frederiksen bekräftigten am Dienstag in Paris, dass die Zukunft Grönlands und Dänemarks allein vom dänischen Volk entschieden wird. Carney kündigte zudem an, dass Generalgouverneurin Mary Simon und Außenministerin Anita Anand im Februar Grönland besuchen werden. Tillie Martinussen, eine ehemalige grönländische Abgeordnete, berichtete von großer Wut in Grönland über die anhaltenden Diskussionen aus Washington. Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen betonte die Notwendigkeit einer guten Zusammenarbeit mit den USA, trotz des Drucks.