
Großbritanniens Kraftstoffdilemma: Iran-Konflikt heizt Inflationssorgen an
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Die Kosten für das Tanken stellen für die britische Regierung eine der größten Herausforderungen dar. Der anhaltende Iran-Konflikt treibt die Rohölpreise in die Höhe und droht, die Bemühungen der Regierung von Premierminister Keir Starmer und Finanzministerin Rachel Reeves zur Senkung der Lebenshaltungskosten zu untergraben.
Steigende Kraftstoffpreise: Eine Belastung für die britische Regierung
Die britische Regierung unter Keir Starmer und Rachel Reeves hat die Senkung der Lebenshaltungskosten zu ihrer obersten Priorität erklärt. Noch am 5. Februar prognostizierte die Bank of England in ihrem vierteljährlichen Inflationsbericht, dass die Verbraucherpreisinflation (CPI) im zweiten Quartal dieses Jahres auf 2,1 % fallen würde – knapp über ihrem Zielwert. Der Anstieg der Rohölpreise, ausgelöst durch den Konflikt im Nahen Osten, stellt diese Prognose nun auf den Kopf und erhöht den Druck auf die öffentlichen Finanzen.
Starmer hat bereits ein Paket von 52,4 Millionen Pfund (70 Millionen US-Dollar) angekündigt, um "gefährdete" Haushalte zu unterstützen, die von einem Anstieg der Heizölpreise betroffen sind. Ein Drittel dieser Haushalte befindet sich in Nordirland. Heizöl ist im Gegensatz zu Gas und Strom nicht durch die Energieregulierungsbehörde Ofgem gedeckelt. Höhere Benzin- und Dieselpreise stellen jedoch ein noch größeres Problem dar.
Die Last der Kraftstoffsteuer: Eine "temporäre" Maßnahme mit Langzeitfolgen
Seit 15 Jahren ist die Kraftstoffsteuer in Großbritannien auf "temporärer" Basis eingefroren. Diese Maßnahme hat das Finanzministerium nach Angaben des unabhängigen Office for Budget Responsibility jährlich 6 Milliarden Pfund gekostet und die öffentlichen Finanzen um zig Milliarden Pfund entgangener Steuereinnahmen belastet. Die Sensibilität der britischen Verbraucher gegenüber hohen Kraftstoffpreisen ist enorm, ähnlich wie in den USA.
Keine Regierung hat es bisher gewagt, diesen Einfrierungsbeschluss aufzuheben. Die Angst vor der Reaktion der Bevölkerung ist groß, insbesondere vor dem Hintergrund historischer Ereignisse, die die politische Landschaft Großbritanniens prägten.
Historische Parallelen: Die Kraftstoffproteste von 2000
Die Erinnerung an die Ereignisse vom September 2000 verfolgt die Minister bis heute. Damals wurde die Regierung des ehemaligen Premierministers Tony Blair, die eine ähnlich große Mehrheit wie Starmer heute besaß, durch Proteste von Landwirten und Spediteuren erschüttert. Diese blockierten Raffinerien und Treibstoffdepots aus Wut über die auf Benzin und Diesel erhobenen Steuern.
Die Proteste führten schnell zu Engpässen, Schulschließungen, Rationierungen in Supermärkten sowie der Verschiebung von Operationen und Postzustellungen. Auslöser war der "Fuel Price Escalator", eine Maßnahme zur Bekämpfung des Klimawandels, die eine jährliche Erhöhung der Kraftstoffsteuer über der Inflationsrate vorsah.
- Eingeführt 1993 mit Inflation + 3 %.
- Bei Blairs Wahl 1997 bei Inflation + 5 %.
- Im März 1999 von Finanzminister Gordon Brown auf Inflation + 6 % erhöht.
Als die Proteste ausbrachen, machten die staatlichen Steuern (Kraftstoffsteuer plus Mehrwertsteuer) über 80 % des Preises eines Liters Benzin aus.
Politische Reaktionen und die Angst vor dem "White Van Man"
Der damalige Finanzminister Gordon Brown reagierte auf die Proteste, indem er die Steuer auf schwefelarmen Kraftstoff senkte, die Steuer auf andere Kraftstoffsorten einfror, mehr Fahrzeuge in die niedrigste Fahrzeugsteuerklasse einstufte und ausländische Lkw-Fahrer auf britischen Straßen besteuerte.
George Osborne, Browns Nachfolger, schaffte den "Escalator" 2011 ab, senkte die Kraftstoffsteuer um einen Penny pro Liter und fror sie anschließend ein. Nachfolgende Finanzminister haben die Einfrierung beibehalten, aus Furcht, den "White Van Man" – ein Sammelbegriff für selbstständige Handwerker – zu verärgern. Rishi Sunak, als Finanzminister, senkte die Kraftstoffsteuer 2022 nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sogar vorübergehend um 5 Pence pro Liter. Rachel Reeves hatte vor dem Angriff auf den Iran geplant, diese Senkung nach September auslaufen zu lassen, was nun jedoch unwahrscheinlich erscheint.