
Handelszölle und KI-Schock belasten globale Finanzmärkte
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Die globalen Finanzmärkte erlebten eine turbulente Phase, geprägt von Unsicherheiten im internationalen Handel und neuen Bedenken hinsichtlich der disruptiven Kraft Künstlicher Intelligenz. Dies führte zu einem breiten Ausverkauf an den Börsen, der sowohl US-amerikanische als auch europäische Indizes sowie den Kryptowährungsmarkt erfasste.
Marktabsturz durch Handelsunsicherheit
Die US-Aktienmärkte verzeichneten am Montag deutliche Verluste. Der S&P 500 Index schloss mit einem Minus von 1,04 %, der Dow Jones Industrial Average fiel um 1,66 % und der Nasdaq 100 Index gab um 1,21 % nach. Diese Entwicklung wurde maßgeblich durch die erneute Unsicherheit in der amerikanischen Handelspolitik ausgelöst.
Nachdem der Oberste Gerichtshof am vergangenen Freitag die "reziproken" Zölle von Präsident Trump für illegal erklärt hatte, unterzeichnete dieser am Montag eine neue Exekutivverordnung. Diese erhöhte die globalen Zölle gemäß Sektion 122 des Trade Act von 1974 von 10 % auf 15 %. Die Europäische Union erklärte daraufhin, ihr Handelsabkommen mit den USA sei "auf Eis gelegt", und forderte Klarheit von Washington.
Bernd Lange, Vorsitzender des Ausschusses für internationalen Handel des Europäischen Parlaments, sprach von "purem Zoll-Chaos". Bill Winters, CEO von Standard Chartered, kommentierte gegenüber CNBC: "Die Unsicherheit bei den Handelszöllen ist ein Problem. Es ist nicht so schlimm wie im April, aber es ist nicht hilfreich, weil es Investitionen zurückhält." Chris Larkin von E-Trade von Morgan Stanley merkte an, dass die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs lediglich ein neues Kapitel in der Handelssaga eröffnete, anstatt sie zu beenden.
KI-Disruption verunsichert Tech-Sektor
Neben den Handelsspannungen trugen auch Ängste vor einer neuen Welle der KI-Disruption zur Marktverunsicherung bei. Am Freitag stellte Anthropic "Claude Code Security" vor, ein Tool, das Code auf Schwachstellen scannen und Lösungen vorschlagen kann. Dies führte zu einem Vertrauensverlust in Cybersecurity-Unternehmen.
Aktien von CrowdStrike, Palo Alto Networks und Cloudflare fielen. Besonders hart traf es IBM, dessen Aktie um fast 13,2 % einbrach. Auch Accenture und Cognizant verzeichneten Verluste. Ein Bericht von Citrini Research, der die potenziellen Risiken Künstlicher Intelligenz für verschiedene Segmente der Weltwirtschaft aufzeigte, verstärkte die "KI-Angst" zusätzlich.
Europäische Märkte unter Druck
Auch die europäischen Märkte blieben von den Turbulenzen nicht verschont. Der regionale Stoxx 600 fiel um 0,45 %. Ein wesentlicher Belastungsfaktor war die dänische Pharmagesellschaft Novo Nordisk, deren Aktie um mehr als 15 % sank. Grund hierfür waren enttäuschende Studienergebnisse für ihr Medikament der nächsten Generation zur Gewichtsreduktion.
Im Gegensatz dazu stiegen die Aktien des Konkurrenten Eli Lilly um 4,86 %, da dessen Adipositas-Behandlung im Vergleich besser abschnitt.
Kryptowährungen und Rohstoffe
Der Ausverkauf erfasste auch den Kryptowährungsmarkt. Bitcoin verlor am Dienstag mehr als 5 % und fiel unter die Marke von 63.000 US-Dollar. Dies ist fast die Hälfte seines Rekordhochs von über 125.000 US-Dollar, das im Oktober erreicht wurde. Der Wert des US-Dollars gab leicht nach, während Gold aufgrund seines Rufs als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten weiter zulegte.
Wirtschaftsdaten und Ausblick
Trotz der Marktturbulenzen gab es auch positive Wirtschaftsdaten. Der US Jan Chicago Fed National Activity Index stieg um +0,39 auf ein 9-Monats-Hoch von 0,18, über den Erwartungen. Der US Feb Dallas Fed Manufacturing Outlook Level of General Business Activity Survey erhöhte sich um +1,4 auf 0,2, ebenfalls stärker als erwartet. Die US-Fabrikaufträge im Dezember fielen jedoch um -0,7 % im Monatsvergleich, genau wie erwartet.
Fed-Gouverneur Christopher Waller erklärte, seine Entscheidung über eine Zinssenkung auf der FOMC-Sitzung im März werde von den Arbeitsmarktdaten für Februar abhängen. Standard Chartered kündigte am Dienstag einen Aktienrückkauf im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar an, obwohl die Ergebnisse des vierten Quartals die Erwartungen der Wall Street verfehlten. Bill Winters betonte die anhaltende "intensive Konkurrenz zwischen den USA und China".
Die Berichtssaison für das vierte Quartal nähert sich dem Ende, wobei über 80 % der S&P 500-Unternehmen ihre Ergebnisse vorgelegt haben. Bislang haben 74 % der 429 berichtenden S&P 500-Unternehmen die Erwartungen übertroffen, und das Gewinnwachstum wird für das vierte Quartal voraussichtlich um +8,4 % steigen.
In dieser Woche stehen weitere wichtige Ereignisse an:
- Am Dienstag wird der Conference Board's Feb Consumer Confidence Index erwartet.
- Am Dienstagabend hält Präsident Trump seine Rede zur Lage der Nation.
- Am Mittwoch veröffentlicht Nvidia nach Börsenschluss seine Quartalsergebnisse.
- Am Donnerstag werden die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe erwartet.
- Am Freitag wird der Feb MNI Chicago PMI veröffentlicht.
Auch geopolitische Risiken bleiben im Fokus, da die Atomgespräche zwischen den USA und dem Iran am Donnerstag in Genf wieder aufgenommen werden sollen.