
Hassett als Fed-Chef: Trumps Wahl vs. Markterwartung und Inflationsrisiken
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Die Märkte erwarten Kevin Hassett als nächsten Vorsitzenden der Federal Reserve, doch eine aktuelle CNBC-Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Befragten einen anderen Kandidaten bevorzugt. Diese potenzielle Ernennung durch Präsident Donald Trump könnte eine signifikante Verschiebung in der US-Geldpolitik einleiten und wirft Fragen bezüglich der Unabhängigkeit der Zentralbank auf.
Der Favorit für den Fed-Vorsitz: Kevin Hassett
Kevin Hassett, der Direktor des National Economic Council, gilt als der wahrscheinlichste Kandidat für den Vorsitz der Federal Reserve. Eine CNBC-Umfrage vom Dezember zeigt, dass 84% der Befragten davon ausgehen, dass Präsident Donald Trump ihn ernennen wird. Hassetts Name hat laut Bloomberg erheblich an Bedeutung gewonnen, da er Trumps wirtschaftlicher Agenda nahesteht. Die Amtszeit des aktuellen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell endet im Mai 2026.
Uneinigkeit über Trumps Wahl
Trotz der hohen Erwartung, dass Hassett ernannt wird, ist er nicht die bevorzugte Wahl der Umfrageteilnehmer. Nur 11% der Befragten sind der Meinung, dass Trump Hassett ernennen sollte. Stattdessen favorisieren 47% Fed-Gouverneur Christopher Waller, gefolgt von Kevin Warsh mit 23%. Allerdings glauben nur 5% der Befragten, dass Trump einen dieser beiden Kandidaten wählen wird.
Sorgen um die Unabhängigkeit der Fed
Die mögliche Ernennung Hassetts wirft Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Federal Reserve auf. 76% der Umfrageteilnehmer glauben, dass der nächste Fed-Vorsitzende eine "dovishere" Haltung einnehmen wird als Jerome Powell. Das bedeutet, er wäre schneller bei Zinssenkungen bei einem schwächeren Arbeitsmarkt und langsamer bei Zinserhöhungen bei über dem Ziel liegender Inflation. Eine Mehrheit von 51% erwartet, dass der nächste Fed-Vorsitzende den Wünschen des Präsidenten nach niedrigeren Zinsen nachkommen wird, verglichen mit 41%, die an seine unabhängige Entscheidungsfindung glauben.
Hassett selbst hat die Transparenz der Zentralbank in Frage gestellt und die Kritik an einer "Mission Creep" ihrer aktuellen Operationen unterstützt. Marktökonomen äußern laut Washington Post Bedenken, dass eine von Hassett geführte Fed Schwierigkeiten haben könnte, zukünftige Inflation zu bekämpfen. Die Fähigkeit der Institution, unpolitische Entscheidungen zu treffen, könnte beeinträchtigt werden.
Hassetts wirtschaftliche Philosophie und Hintergrund
Kevin Hassett ist ein erfahrener Ökonom mit einem Doktortitel, der zuvor den Vorsitz des Council of Economic Advisers innehatte. Seine Philosophie konzentriert sich auf wachstumsfördernde Maßnahmen, einschließlich Steuersenkungen und Deregulierung. Er hat sich offen kritisch gegenüber dem aktuellen Zinspfad der Fed geäußert und plädiert für eine akkommodierendere Geldpolitik. Diese Ansicht stimmt perfekt mit den Zielen der aktuellen Regierung überein, die auf datengesteuertes Wachstum abzielt.
Erwartungen an die Geldpolitik
Die Umfrageteilnehmer erwarten für das anstehende Treffen einen "hawkish cut", also eine Zinssenkung, gefolgt von einer Pause. Es gibt jedoch tiefe Meinungsverschiedenheiten darüber, ob die Fed überhaupt die Zinsen senken sollte. Während 87% eine Zinssenkung erwarten, halten nur 45% diese für angebracht. Zwei abweichende Stimmen werden erwartet, und nur 35% prognostizieren eine weitere Senkung im Januar.
Richard Bernstein, CEO von Richard Bernstein Advisors, kommentierte: "Angesichts eines BIP-Wachstums von fast 4%, einer Inflation über dem Ziel, sehr lockerer Finanzbedingungen und der Deglobalisierung von Produkt- und Arbeitsmärkten erscheint es unklug, die Inflationsrisiken weiterer Zinssenkungen zu unterschätzen." Scott Wren vom Wells Fargo Investment Institute fügte hinzu: "Die Fed wird im Dezember senken, obwohl man sehr rational argumentieren könnte, dass sie nichts tun sollte."
Die aktuelle Wirtschaftslage und Inflationsrisiken
Die Wachstumsaussichten haben sich verbessert und liegen bei 2% für dieses Jahr und etwas höher für das nächste Jahr. Die Inflation wird voraussichtlich für die nächsten Jahre über dem 2%-Ziel bleiben. "Anhaltend hohe Inflation" wird als das größte Risiko für die Wirtschaft eingestuft, ein Anstieg vom vierten Platz im Oktober. Darauf folgt die Sorge um ein Platzen der KI-Blase.
Diane Swonk, Chefökonomin bei KPMG, merkte an: "Die meisten unterschätzen den wahrscheinlichen Stimulus durch Rekord-Steuererstattungen in der ersten Hälfte des Jahres 2026. Das bedeutet, dass wir wahrscheinlich auch das Risiko unterschätzen, dass die Inflation hartnäckig bleiben könnte." Auf dem Arbeitsmarkt wird kaum ein Rückgang erwartet; die Arbeitslosigkeit soll im nächsten Jahr nur um wenige Zehntel steigen und 2027 wieder sinken.
Weitere Kandidaten im Rennen
Kevin Hassett ist nicht der einzige Kandidat auf der Shortlist. Neben ihm werden der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Warsh und der amtierende Gouverneur Christopher Waller von Präsident Trump öffentlich genannt. Finanzminister Scott Bessent hat seine Kandidatur zurückgezogen. Die politischen Neigungen dieser Kandidaten unterscheiden sich erheblich: Warsh gilt als "hawkish" in Bezug auf Inflation, Waller konzentriert sich eher auf Beschäftigung, während Hassett Wachstum und Zinssenkungen priorisiert.