Hintergrund des Vorfalls

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Die Stadt Los Angeles muss Isaac Castellanos, einem Mann, der während der Feierlichkeiten zum World Series-Sieg der Dodgers im Jahr 2020 von einem Polizeiprojektil geblendet wurde, 11,8 Millionen US-Dollar zahlen. Ein Bundesgericht sprach dem heute 27-Jährigen diese Summe zu, nachdem eine Jury die Stadt wegen übermäßiger Gewaltanwendung für haftbar befunden hatte. Das Urteil wirft erneut Fragen über die Praktiken der Massenkontrolle durch das Los Angeles Police Department (LAPD) auf.

Hintergrund des Vorfalls

Der Vorfall ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 28. Oktober 2020 in Downtown Los Angeles. Isaac Castellanos, damals 22 Jahre alt und Student an der California State University, Long Beach, feierte friedlich den Sieg der Los Angeles Dodgers in der Baseball World Series. Laut Klageschrift rückten Beamte des Los Angeles Police Department (LAPD) auf die Menge zu und begannen ohne Vorwarnung, Projektile abzufeuern, die auch als "weniger tödliche" Munition bekannt sind.

Castellanos wurde von einem dieser Projektile direkt ins rechte Auge getroffen, was zu sofortigen Schmerzen und einem dauerhaften Verlust der Sehkraft auf diesem Auge führte. Er gab an, keine Bedrohung dargestellt, keine Gewalt ausgeübt und keinen Befehl zur Auflösung der Menge gehört zu haben, bevor er getroffen wurde.

Gerichtsverfahren und Urteil

Im Februar 2022 reichte Isaac Castellanos eine Bundesklage ein, in der er übermäßige Gewaltanwendung durch die Polizei geltend machte. Der Prozess begann am 7. April in einem Bundesgericht in Los Angeles. Nach sechs Tagen Zeugenaussagen und Beweisaufnahme beriet die Jury weniger als zwei Stunden, bevor sie am Donnerstag ihr Urteil verkündete.

Die Bundesjury sprach Castellanos 11,8 Millionen US-Dollar Schadensersatz zu. Zwei LAPD-Beamte wurden für übermäßige Gewalt und Fahrlässigkeit haftbar befunden. Castellanos, der während der Urteilsverkündung neben seinen Anwälten saß, war sichtlich gerührt.

Finanzielle und persönliche Auswirkungen

Der Verlust der Sehkraft hatte tiefgreifende Auswirkungen auf Isaac Castellanos' Leben. Seine Anwältin Monique Alarcon erklärte, er habe eine vielversprechende Zukunft als professioneller E-Sportler gehabt, bevor er geblendet wurde. Wenige Wochen vor dem Vorfall hatte er mit einem Teamkollegen ein Turnier gewonnen und dabei ein Preisgeld von 40.000 US-Dollar erhalten.

Alarcon betonte, dass Castellanos sich an einem entscheidenden Punkt in seinem Leben befunden habe und der Vorfall ihn komplett aus der Bahn geworfen habe. Die Klageschrift beschreibt, dass Castellanos nun mit dauerhaftem zentralen Sehverlust, beeinträchtigter Tiefenwahrnehmung und anhaltenden emotionalen Traumata leben muss.

Kritik an LAPD-Praktiken und rechtliche Konsequenzen

Der Fall Castellanos ist nicht der erste, der die Praktiken des LAPD bei der Massenkontrolle in den Fokus rückt. Die Anwälte von Castellanos, Monique Alarcon und Pedram Esfandiary, äußerten die Hoffnung, dass dieses Urteil das LAPD dazu veranlassen wird, seine Praktiken bei der Massenkontrolle kritisch zu überprüfen. Esfandiary bezeichnete den Fall als "Nagel im Sarg", der zeigen müsse, dass diese Praktiken aufhören müssen.

Das LAPD war bereits Gegenstand mehrerer Klagen wegen des Einsatzes von "weniger tödlicher" Munition.

  • Nach Protesten im Juni 2020, bei denen Journalisten von Projektilen getroffen wurden, untersagte ein Bundesrichter der Polizei von Los Angeles den Einsatz von Gummigeschossen und anderer "weniger tödlicher" Munition gegen Reporter.
  • Im Januar erließ ein Bundesrichter eine weitere einstweilige Verfügung, die dem LAPD den Einsatz von 40-mm-Werfern, einer Art "weniger tödlicher" Munition, in jeder Situation der Massenkontrolle untersagte.
  • Im Jahr 2021 schränkte Kalifornien den Einsatz von "weniger tödlicher" Munition ein, bis Alternativen zur Gewaltanwendung zur Kontrolle einer Menschenmenge versucht wurden. Die Polizei darf nicht "wahllos" in eine Menschenmenge oder auf Kopf, Hals oder andere lebenswichtige Organe zielen. Auch darf sie nicht ausschließlich wegen eines Verstoßes gegen die Ausgangssperre, verbaler Drohungen gegenüber Beamten oder der Nichtbefolgung von Anweisungen der Strafverfolgungsbehörden feuern.

Im Fall Castellanos zeigten Beweise, dass er von einem 37-mm-"Skip Trace"-Werfer getroffen wurde, der Hartschauprojektile abfeuert, die vom Boden abprallen und Demonstranten im Unterkörper treffen sollen. Obwohl die LAPD-Richtlinien den Einsatz dieser Waffen auf kurze Distanz vorsehen, zeigten die Anwälte, dass die Geschosse aus etwa 44 Metern Entfernung abgefeuert wurden, was ausreichte, um das Projektil auf Augenhöhe ansteigen zu lassen.

Zukünftige Schritte und mögliche Berufung

Das Büro des Staatsanwalts von Los Angeles reagierte zunächst nicht auf eine E-Mail-Anfrage zur Stellungnahme. Ein Sprecher des LAPD erklärte, die Abteilung äußere sich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren. Es wird erwartet, dass die Stadt gegen die zugesprochene Summe Berufung einlegen wird. Jede potenzielle Einigung müsste zudem von den Stadtverantwortlichen genehmigt werden.

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