
Historischer Vergleich: Aetna deckt IVF für gleichgeschlechtliche Paare national
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Ein wegweisender Vergleich in den USA verpflichtet den Krankenversicherer Aetna, Fruchtbarkeitsbehandlungen für gleichgeschlechtliche Paare national in gleichem Maße zu übernehmen wie für heterosexuelle Paare. Diese Entscheidung, die aus einer Sammelklage hervorging, markiert einen bedeutenden Fortschritt für die Gleichberechtigung im Zugang zu medizinischen Leistungen und wird schätzungsweise 2,8 Millionen LGBTQ-Mitgliedern zugutekommen.
Historischer Kontext und persönliche Herausforderungen
Mara Berton und June Higginbotham, ein lesbisches Paar aus Kalifornien, standen vor erheblichen finanziellen Hürden, als sie ihren Kinderwunsch verwirklichen wollten. Sie mussten 45.000 US-Dollar aus eigener Tasche für Fruchtbarkeitsbehandlungen bezahlen, während heterosexuelle Kollegen mit demselben Versicherungsplan viele dieser Kosten erstattet bekamen. Berton betonte in einem Interview mit CalMatters: "Wir wussten, dass es nicht richtig war."
Die frühere Politik von Aetna sah vor, dass Versicherte sechs bis zwölf Monate "ungeschützten heterosexuellen Geschlechtsverkehrs" ohne Empfängnis nachweisen mussten, um Anspruch auf Fruchtbarkeitsleistungen zu haben. Frauen "ohne männlichen Partner" konnten Leistungen erst nach sechs bis zwölf erfolglosen Zyklen künstlicher Befruchtung in Anspruch nehmen, abhängig vom Alter. Diese Regelung, so argumentierten Anwälte, diskriminierte LGBTQ-Mitglieder und verwehrte ihnen effektiv den Zugang zu den oft prohibitiv teuren Behandlungen.
Wegweisender Vergleich mit nationaler Tragweite
Vergangene Woche genehmigte US-Bezirksrichter Haywood Gilliam Jr. für den Northern District of California eine vorläufige Einigung in der Sammelklage. Diese verpflichtet Aetna, Fruchtbarkeitsbehandlungen wie künstliche Befruchtung oder In-vitro-Fertilisation (IVF) für gleichgeschlechtliche Paare in gleicher Weise zu decken wie für heterosexuelle Paare. Es ist der erste Fall, der einen Krankenversicherer dazu anhält, diese Politik national für alle Versicherten anzuwenden.
Von dieser Entscheidung werden schätzungsweise 2,8 Millionen LGBTQ-Mitglieder profitieren, darunter 91.000 in Kalifornien. Im Rahmen des Vergleichs wird Aetna zudem mindestens 2 Millionen US-Dollar an Entschädigungszahlungen an berechtigte Mitglieder in Kalifornien leisten. Anspruchsberechtigte müssen ihren Antrag bis zum 29. Juni 2026 einreichen.
Die Rolle medizinischer Definitionen und Expertenstimmen
Die Erfahrung von Mara Berton war "entmenschlichend", wie ihre Frau Higginbotham beschrieb. Aetna forderte von Berton zwölf Runden künstlicher Befruchtung, bevor sie Anspruch auf Leistungen gehabt hätte, obwohl ihre Ärzte nicht mehr als vier Runden empfahlen. Sean Tipton, Chief Advocacy and Policy Director der American Society for Reproductive Medicine (ASRM), äußerte die Meinung, dass eine solche Politik nur darauf abzielen könne, Menschen vom Zugang zu ihren Gesundheitsleistungen abzuhalten.
Die ASRM aktualisierte 2023 ihre medizinische Definition von Unfruchtbarkeit, um LGBTQ-Personen und Einzelpersonen ohne Partner einzuschließen. Tipton erklärte, dies sei geschehen, um Versicherer daran zu hindern, Ansprüche wie die von Berton und Higginbotham abzulehnen. Seit dieser Änderung decken mehr Arbeitgeber und Versicherer Leistungen für LGBTQ-Personen oder Alleinstehende ab.
Breite Auswirkungen und zukünftige Entwicklungen
Alison Tanner, Senior Litigation Counsel für reproduktive Rechte und Gesundheit am National Women's Law Center, äußerte die Hoffnung, dass Aetna der erste von vielen Versicherern sein wird, die ihre Politik ändern. Sie sah die frühere Praxis als ein Problem der Ungleichheit, da Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen anders behandelt wurden.
Ab Januar tritt in Kalifornien ein neues Gesetz in Kraft, das den Zugang zu vorgeschriebenen Fruchtbarkeitsleistungen für rund 9 Millionen zusätzliche Kalifornier erweitern wird. Dieses Gesetz, das für staatlich regulierte Pläne gilt, ändert die Definition von Unfruchtbarkeit, um gleichgeschlechtliche Paare und Einzelpersonen einzubeziehen. Aetna ist in diesem spezifischen Fall nicht von diesem staatlichen Gesetz betroffen.
Ein weiterer Vergleich, der ebenfalls vorläufig genehmigt wurde, sieht vor, dass Aetna bestimmte kalifornische Patienten, denen die Deckung für Fruchtbarkeitsbehandlungen verweigert wurde, Zahlungen von über 11.400 US-Dollar pro Person erhalten könnten. Dieser Vergleich verpflichtet Aetna auch zur Einführung einer landesweiten Politik, die die Deckung für intrauterine und intrazervikale Inseminationsbehandlungen erweitert. Aetna hat sich laut Sprecher Phillip Blando zu gleichem Zugang zu Unfruchtbarkeits- und reproduktiven Gesundheitsleistungen für alle Mitglieder verpflichtet.
Mara Berton und June Higginbotham haben ihre Familie mit zwei gesunden Zwillingsmädchen bereits gegründet, bevor die Klage abgeschlossen war. Dennoch hofft Higginbotham, dass der Vergleich anderen LGBTQ-Paaren im ganzen Land helfen wird. Sie sagte: "Der Vergleich ist ein so großer Schritt nach vorn, der ein riesiges Unrecht wirklich wiedergutmacht."